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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Demôle - Demophon

Demôle (spr. -mohl), Charles Etienne Emile, franz. Politiker, geb. 1. Febr. 1834 zu St. Claude bei Blois. Nachdem er sich aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hatte, ließ er sich 1881 von Blois in die Kammer wählen, wo er zur opportunistischen Union républicaine gehörte. Unter den Ministerien Brisson und Freycinet 1885/86 hatte er das Portefeuille der Justiz inne, das er 10. Dez. des letztern Jahres, als Goblet ein Kabinett bildete, an Sarrien abgeben mußte.

Demolieren (frz.), Zerstören von Mauerwerk durch Geschützfeuer, sodaß durch die auf die Mauerfläche regellos verteilten Schüsse ein allmähliches Abbröckeln der Mauer stattfindet (s. auch Breschieren).

Demolitionsbatterien, Batterien, die beim förmlichen Festungsangriff der Gegenwart die Aufgabe haben, die Flankierungsanlagen der Verteidigung zu zerstören und die Umwallung zu öffnen (in Bresche zu legen). Über den Gegensatz zwischen D. und Breschbatterien s. Demolieren und Breschieren.

Demologie (grch., d. h. Lehre vom Volk [grch. demos]), nach Ernst Engel die Lehre von der Entstehung, dem innern einheitlichen Wesen und der Veränderung der staatlichen und andern menschlichen Gemeinschaften. Die Scheidung der Begriffe D. und Demographie (s. d.) ist analog derjenigen von Ethnographie und Ethnologie sowie Geographie und Geologie (von welcher letztern Unterscheidung Engel die jetzige «Geographie», soweit sie sich aus menschliche Einrichtungen, Staaten, Städte u. s. w. ausdehnt, zur Demographie rechnet, während er der Geologie die jetzt Geognosie genannte Wissenschaft als eigentliche Geographie gegenüberstellt). Eine besondere Darstellung seines demologischen Systems giebt Engel im 11. Jahrg. der «Zeitschrift des Preuß. Statistischen Bureaus» (Berl. 1871).

Demōnax, griech. Philosoph zu Athen, um 100 n. Chr., vertrat den Cynismus in gemäßigter Form. Seine Biographie («Vita Demonactis») schrieb angeblich Lucianus, dessen Autorschaft jedoch streitig ist.

Demonēsi, s. Prinzeninseln.

Demonetisieren (frz.), die einer Münze zustehende unbeschränkte oder beschränkte gesetzliche Zahlungskraft aufheben. Man spricht auch von der Demonetisierung eines Edelmetalls überhaupt, und es ist darunter zu verstehen, daß ein Staat dieses Metall von der Verwendung zu Münzen mit voller Zahlungskraft (Währungsgeld) gänzlich ausschließt. So demonetisierte Holland 1850 (übrigens in Ausführung eines schon von 1847 datierenden Gesetzes) das Gold, und M. Chevalier empfahl unter dem Eindruck der kaliforn. und austral. Goldentdeckungen dieselbe Maßregel auch für Frankreich. Seit 1871 dagegen ist umgekehrt die Demonetisierung des Silbers in mehrern der wichtigsten Staaten in Angriff genommen und teilweise verwirklicht worden. Namentlich haben Deutschland, die Staaten des lat. Münzbundes und Holland die weitere Ausprägung von Silberkurantmünzen eingestellt, wenn auch die früher vorhandenen Münzen dieser Art noch teilweise oder sämtlich in Umlauf geblieben sind. Die neuesten Beispiele einer Demonetisierung, teilweise von tief eingreifender Wirkung, geben Österreich, Indien und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Demonstration (lat.), in den empirischen Wissenschaften die anschauliche Darstellung eines Gegenstandes oder Ereignisses; so spricht man von einer D. am Leichnam oder von der D. einer physik. Erscheinung mittels des Experiments. In der Philosophie ist D. soviel wie Beweis (s. d.), insbesondere deduktiver Beweis. Im politischen Sinne versteht man unter D. eine öffentliche, namentlich korporative Kundgebung seiner Gesinnung, z. B. durch einen öffentlichen Aufzug, eine Ovation, oder durch Nichtbeteiligung an einem Akt, an dem man sich zu beteiligen verpflichtet wäre u. s. w. In der juristischen Sprache ist D. die Beschreibung einer Person oder Sache im Gegensatz zur Benennung. Für Rechtsgeschäfte, insonderheit letztwillige, gilt der Satz: falsa demonstratio non nocet; also wenn nachzuweisen ist, welches Grundstück der Erblasser hat hinterlassen, welche Person er mit dem Vermächtnis hat bedenken wollen, so beeinträchtigt die falsche Bezeichnung nicht die Gültigkeit der Verfügung. Über militärische D. s. Demonstrative.

Demonstratīv (lat.), veranschaulichend; augenfällig, geflissentlich.

Demonstratīve, Scheinverfahren, Bezeichnung für ein Angriffsverfahren, welches nicht die unmittelbare Entscheidung anstrebt, sondern den Zweck hat, den Gegner zu beschäftigen und über die eigenen wahren Absichten zu täuschen. Der Gegensatz ist die Decisive (s. d.). Eine im Sinne der D., also zur Beschäftigung und Täuschung des Gegners unternommene (taktische oder strategische) Handlung heißt Demonstration oder Scheinhandlung.

Demonstratīvum (lat.), s. Pronomen.

Demonstrieren (lat.), beweisen, erweisen; ad hominem demonstrieren, s. Beweis; ad oculos demonstrieren, s. Ad oculos.

Demontage (frz., spr. -mongtahsch), das Auseinandernehmen (Demontieren) der einzelnen Teile einer Maschine u. s. w. (s. Montage).

Demonte, Flecken in der ital. Provinz und im Kreis Cuneo, an der zum Po gehenden Stura, hat (1881) 2282, als Gemeinde 5854 E., Post, Telegraph, ein Spital und Ruinen von Befestigungen auf zwei Hügeln.

Demontierbatterien, Batterien, die beim förmlichen Festungsangriff den Zweck haben, durch frontales Feuer die Geschütze des Verteidigers kampfunfähig zu machen. Bei dem Vaubanschen Angriffssystem liegen sie in der ersten Parallele.

Demontieren (frz., spr. -mongt-), auseinandernehmen, s. Demontage.

Demophōn, im Homerischen Hymnus auf Demeter der Sohn des eleusinischen Königs Keleos. Ihn pflegte die Göttin, als sie ihre Tochter Persephone suchend auf der Erde weilte, in Gestalt einer alten Frau und würde ihn durch Ambrosia und Läuterung im Feuer unsterblich gemacht haben, wenn sie nicht durch D.s Mutter Metaneira belauscht und gestört worden wäre. Später ward D. in der eleusinischen Sage von Triptolemos (s. d.) verdrängt, und man erzählte, daß D. bei der Läuterung im Feuer verbrannt sei. Der Name D. erhielt nun in der attischen Sage eine andere Bedeutung; er galt als Sohn des Theseus und der Amazone Antiope oder der Phaidra oder der Ariadne. Als Menestheus sich der Herrschaft über Athen bemächtigt hatte und Theseus selbst nach der Insel Skyros ging, sandte er seine Söhne D. und Akamas nach Euböa. Von dort zogen sie nach der nachhomerischen Dichtung in den Krieg gegen Troja, wo sie nach der Zerstörung der Stadt Theseus’ Mutter Aithra (s. d.) wiederfanden. D. und Akamas kehrten nach Athen zurück und teilten sich, da