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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Demosthĕnes; Demōten; Demotĭka; Demōtisch; Demours; Demter; Demulcieren; Demulcierende Mittel; Demut; Denain; Denaisius

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Demosthenes (Heerführer) - Denaisius

A. Schäfer, D. und seine Zeit (3 Bde., Lpz. 1856‒58; 2. Aufl. 1885‒87): Girard, Études sur l’éloquence attique (Par. 1874); Croiset, Des idées morales dans l’éloquence politique de Démosthène (ebd. 1874); Blaß, Geschichte der attischen Beredsamkeit, Bd. 3 (2. Aufl., Lpz. 1893); Brédif, L’éloquence politique en Grèce. Démosthène (Par. 1879); Hug, D. als polit. Denker (in den «Studien aus dem klassischen Altertum», Freiburg 1881).

Demosthĕnes, Sohn des Alcisthenes, war einer der ausgezeichnetsten athen. Heerführer in der ersten Hälfte des Peloponnesischen Krieges; er trat seit 426 v. Chr. in den Vordergrund. Eine Schlappe, die er damals durch die Ätolier erlitt, machte er sofort gut durch den bedeutenden Sieg bei Olpä über Spartaner und Ambrakioten und durch einen zweiten noch bedeutendern über die Ambrakioten allein. Seine Hauptthat aber war (425) die Besetzung und Verschanzung von Pylos in Messenien, das er dann in der glänzendsten Weise gegen die Übermacht der Spartaner verteidigte. Die spartan. Besatzung der Insel Sphakteria wurde dabei gefangen genommen. 413 brachte er den Athenern, die bei der Belagerung von Syrakus in eine schwierige Lage geraten waren, Verstärkung. Als diese keine Besserung der Lage herbeiführte, riet er zur Aufgabe der Belagerung und zur Rückfahrt nach Athen. Durch das Zaudersystem des Nicias wurde jedoch der geeignetste Zeitpunkt dazu versäumt, D. in die allgemeine Niederlage der Athener auf dem Rückzuge von Syrakus (413) verwickelt, gefangen genommen und durch die Syrakusier hingerichtet.

Demōten, s. Demos.

Demotĭka oder Dimotika, Stadt im türk. Wilajet und Sandschak Adrianopel, am rechten Ufer der bis hier für kleine Dampfer fahrbaren Maritza und an der Linie Dedeaghatsch-D.-Kuleli-Burgas der Türk. Staatsbahnen, hat 5000 E. (meist Griechen), eine große Kaserne, Ackerbau, Fischerei, Schiffahrt und Handel. – Im byzant. Mittelalter als Didymotichon von Bedeutung, hat D. histor. Berühmtheit erlangt durch Karl ⅩⅡ. von Schweden, welcher während seines fünfjährigen Aufenthalts in der Türkei hier angeblich volle 2 Jahre im Bett zubrachte.

Demōtisch (grch.), gemein, volkstümlich; demotische Schrift, s. Hieroglyphen.

Demours (spr. -muhr), Pierre, franz. Augenarzt, geb. 1702 zu Marseille, studierte in Avignon und Paris und wurde dann Assistent des Anatomen Duverney in Paris. Seit 1732 widmete er sich ausschließlich der Augenheilkunde. Er starb 26. Juni 1795. D. ist hauptsächlich durch seine anatom. Untersuchungen des Auges verdient. Er schrieb: «Observations sur le crapaud mâle accoucheur de la femelle» (1741), «Observations sur la structure cellulaire du corps vitré» (1741), «Observations sur la cornée» (1741). Nach D. heißt die hintere elastische Grenzmembran der Hornhaut auch Membrana Demoursii.

Sein Sohn, Antoine Pierre D., geb. 16. Dez. 1762, studierte unter des Vaters Leitung Augenheilkunde und starb 4. Okt. 1836. Er führte die künstliche Pupillenbildung in die Augenheilkunde ein. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: «Mémoire sur l’opération de la cataracte» (Par. 1784), worin er die Anwendung pupillenerweiternder Mittel an der Staroperation empfahl: «Observations sur une pupille artificielle, ouverte tout auprès de la sclérotique» (1801); «Traité des maladies des yeux» (3 Bde., 1818) und «Précis historique et pratique sur les maladies des yeux» (1821).

Demter, s. Deventer.

Demulcieren (lat.), beruhigen, mildem.

Demulcierende Mittel (Demulcentĭa), besänftigende, lindernde, einhüllende Heilmittel, wirken teils dadurch, daß sie den schmerzhaften Reiz durch Abhaltung der atmosphärischen Luft mildern, wie die fetten Öle und balsamischen Stoffe bei Verbrennungen und Verwundungen, teils durch chem. (neutralisierende) Veränderung des betreffenden Reizes (Wirkung des Essigs bei Ätzungen mit Ätzkali, des Kochsalzes bei Ätzungen mit Höllenstein u. dgl.). Von den innerlich wirkenden Mitteln werden namentlich die zucker-, gummi- und schleimhaltigen Substanzen sowie die narkotischen Heilmittel (Belladonna, Opium und seine Präparate) ihrer demulcierenden Eigenschaften wegen benutzt.

Demut, als das Gegenteil von Hochmut, ist die Herabsetzung oder Erniedrigung der eigenen Person unter andere. Beruht die D. auf einem Verkennen der eigenen Kräfte und auf einer Zaghaftigkeit, von denselben im Wetteifer mit andern vollen Gebrauch zu machen, so ist sie eine tadelnswerte moralische Schwäche. Beruht sie hingegen auf der Gewohnheit, in der Beurteilung seiner selbst strenger zu verfahren als in der Beurteilung anderer, weil man den Triebfedern seiner eigenen Handlungen auf den Grund sehen kann, den Triebfedern von Handlungen anderer aber nicht, so ist sie als Zeichen eines gewissenhaften Zartgefühls der Gegenstand moralischer Hochachtung. Besteht sie endlich in der praktischen Bereitschaft zur Selbstverleugnung, d. h. zum wirklichen Aufgeben eigener wohlberechtigter Ansprüche gegen die minderberechtigten Ansprüche anderer, so gehört sie zu den entschiedenen Tugenden, wofern eine solche Selbstverleugnung aus der reinen Rücksicht auf das allgemeine Beste geübt wird und sich nicht die Triebfedern des Kleinmuts, der Trägheit oder sonstiger Nebenrücksichten einmischen. Verächtlich aber ist die D., welche nur als Maske der Heuchelei auftritt. In religiöser Bedeutung bezeichnet D. die Stimmung des gläubigen Menschen Gott gegenüber, vermöge deren er seine Unwürdigkeit und Kleinheit neben Gottes Hoheit und Herrlichkeit anerkennt.

Denain (spr. -näng), Hauptstadt des Kantons D. (52,56 qkm, 7 Gemeinden, 31539 E.) im Arrondissement Valenciennes des franz. Depart. Nord, 10 km nordöstlich von Bouchain, in 35 m Höhe, am Schelde-Kanal und an der Linie Prouvy-Lourches der Franz. Nordbahn und der Lokalbahn Somain-Peruwelz (Belg. Grenze), hat (1891) 16663, als Gemeinde 18258 E. (1851: 1714 E.), Kohlengruben, große Eisenwerke, Maschinenfabriken, Schiffbau, Glas- und Zuckerfabriken und Brennereien. Ein Graf Ostrevent gründete hier 764 eine Abtei für Edelfrauen. Unfern an der Straße nach Cambrai ein Obelisk (12 m) zum Andenken von Villars’ Sieg über Prinz Eugen 27. Juli 1712.

Denaisius, Peter, Dichter, geb. 1. Mai 1560 zu Straßburg, starb als pfälzischer Rat und Dr. .jur. 20. Sept. 1610 zu Heidelberg. Er gehörte durch seine fast ganz verloren gegangenen lyrischen Dichtungen (ein «Hochzeitsgedicht», Neudrucke deutscher Litteraturwerke, Nr. 15, Halle 1879) zu den Hofdichtern, die Opitz vorbereiteten; sein Streitgedicht «Jesuiterlatein» 1607 zeigt Fischarts Art.