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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: De Rossi; Derosnes Salz; Derotremata; Déroulède; Deroute; Deroy; Derr; Derriey; Derry; Derschawin

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Derosnes Salz - Derschawin

François Cail (s. d.) eine großartige Fabrik von Lokomobilen, Werkzeugmaschinen u. s. w. Er starb im Sept. 1846 zu Paris. In seiner "Abhandlung über das Opium" (1803) wurde das Narkotin zuerst als ein alkalisch reagierendes Salz beschrieben, ohne daß aber die Natur dieser Pflanzenbase erkannt worden wäre. In einer weitern, gemeinschaftlich mit seinem Bruder Bernard ausgeführten Untersuchung über die Destillationsprodukte des Grünspans entdeckte er den später als Aceton bezeichneten Körper. Die größten Verdienste erwarb er sich im Verein mit Cail um die Branntweinbrennerei und um die Zuckerindustrie.

Derosnes Salz, soviel wie Narkotin.

De Rossi, Giov. Batt., ital. Archäolog, s. Rossi.

Derotremata, s Cryptobranchiata.

Déroulède (spr. -rulähd'), Paul, franz. Dichter und Politiker, geb. 2. Sept. 1846 zu Paris, Neffe E. Augiers, trat 1870 als Freiwilliger bei den Zuaven ein und kam bei Sedan in deutsche Gefangenschaft. In der Verkleidung eines poln. Juden entfloh er aus Breslau und kämpfte von neuem unter Chanzy und dann unter Bourbaki, mit dem er 1871 nach der Schweiz entkam. Er wurde als patriotischer Dichter durch seine kraftvollen "Chants du soldat" (1872) und "Nouveaux chants du soldat" (1875) allgemein bekannt; seine Verse erschienen in unzähligen Auflagen, und ihr feuriger Wunsch der Wiedervergeltung an Deutschland brachte ihn an die Spitze der Patriotenliga. Als Vorstand derselben agitierte er besonders seit 1882 mit ungemessener Heftigkeit gegen Deutschland und Deutsche in Frankreich, bis die Kriegsgefahr von 1887 zu größerer Vorsicht mahnte und Veranlassung wurde, daß D. nicht allein den Vorsitz, sondern auch die angebotene Ehrenpräsidentschaft der Patriotenliga aufgab. Im folgenden Jahre schloß er sich an Boulanger an und wurde 1889 Mitglied der Deputiertenversammlung. Bei den Neuwahlen zur Deputiertenkammer 1893 bewarb er sich nicht wieder um ein Mandat. Außer seinen Soldatenliedern schrieb D. verschiedene Dramen: "Juan Strenner" (1869), das vaterländische Stück "L'Hetman" (1877), das einen Eintagserfolg hatte, "La Moabite" (1880); ferner "Pro patria, stances" (1878), "L'éducation nationale" (1882), "Monsieur le hulan et les trois couleurs" (1884) und "Le Livre de la Ligue des patriotes" (1887). - Vgl. Charétie, P. D. (Par. 1883).

Deroute (frz., spr.-rút), Zerrüttung, Verwirrung, besonders wirre Flucht eines geschlagenen, zersprengten Heers; deroutieren, in D. bringen, irreleiten, zersprengen.

Deroy (spr. -rŏá), Bernh. Erasmus, Graf, bayr. General der Infanterie, entstammte einem alten Geschlechte der franz. Picardie und wurde 11. Dez. 1743 zu Mannheim geboren; sein Vater war damals kurpfälz. General. D. nahm im pfälz. Kontingente am Siebenjährigen Kriege teil, trat dann in pfälz-bayr. Dienst und verteidigte 1794 die Rheinschanze von Mannheim mit nur 3000 Mann 70 Tage hindurch (bis 25. Dez.) gegen die Franzosen. 1800 focht D. bei Gutenzell, Neuburg an der Donau und bei Hohenlinden, wo er verwundet in Gefangenschaft geriet. Er bearbeitete gemeinsam mit Wrede das neue bayr. Dienstreglement. 1805 befehligte D. als Generallieutnant unter Bernadotte eine Division, mit der er Salzburg besetzte und in das nordl. Tirol einfiel. Bei Erstürmung der Strubpässe bei Loser wurde D. 2. Nov. abermals verwundet, übernahm nach erfolgter Genesung den Oberbefehl in Tirol und Vorarlberg, focht 1806 als Divisionscommandeur unter Prinz Jérôme in Schlesien, wurde März 1807 Kommandant von Breslau, eroberte im Juni Glatz und belagerte dann bis zum Eintritt der Waffenruhe Silberberg. Am 24. Dez. übernahm D. in Bayern das Generalkommando und Febr. 1809 die 3. Division, mit der er im April bei Abensberg und Eckmühl gegen die Österreicher kämpfte, dann unter Lefebvre nach Innsbruck rückte, aber Ende Mai nach Kufstein zurückgehen mußte. D. stand 10. Aug. wieder vor Innsbruck, focht dort am folgenden Tage und 13. Aug. auf dem Berge Isel, mußte sich jedoch wieder über Kufstein nach Rosenheim zurückziehen. Am 16. Okt. rückte D. abermals in Tirol ein und kehrte, nachdem dort jeder Widerstand aufgehört hatte, zu Ende des Jahres nach München zurück. 1812 führte er eine Division des 6. Korps nach Rußland, focht 16. und 17. Aug. bei Polozk und wurde tödlich verwundet. Er starb 23. Aug. 1812 zu Polozk. D. war der Reformator der bayr. Infanterie, wegen seiner Gerechtigkeit und Fürsorge für den Soldaten allgemein als "Vater D." verehrt, und noch heute lebt sein Name in den bayr. Soldatenliedern fort. In München wurde ihm ein Standbild (von Halbig) errichtet. - Vgl. Heilmann, Leben des Grafen von D. (Augsb. 1855).

Derr, Dêr oder Deir (d. h. Kloster), Hauptort von Unternubien, rechts am Nil, etwa 200 km oberhalb Assuan, mit 1000-1200 E., welche das Kensi oder Berber sprechen, und Resten eines altägypt. Tempels aus der Zeit des Ramses-Meïamun oder des Großen Sesostris aus dem 14. Jahrh. v. Chr. Die fruchtbare Umgebung liefert Datteln zur Ausfuhr nach Ägypten.

Derriey (spr.-rieh), Charles, franz. Stempelschneider und Schriftgießer, geb. 17. Aug. 1808 in Moissey (Jura), erlernte in Paris bei Pierre Didot die Schriftgießerei, widmete sich seit 1835 der Xylographie und brachte es auf diesem Gebiete zu hohen künstlerischen Leistungen. Er errichtete 1839 eine Anstalt für Stempelschnitt und Schriftgießerei und starb 11. Febr. 1877 in Paris. D.s Schriftproben erlangten geradezu einen Weltruf. Von seinen selbsterfundenen Maschinen sind besonders zu erwähnen: eine Maschine zum Abbrechen, zum Schleifen und Aufsetzen der Buchstaben, eine Numeriermaschine für Banknoten und ein neues Musiknotentypensystem. - Vgl. Notices sur les produits typographiques de D. (Par. 1855).

Derry, s. Londonderry.

Derschawin, Gawril Romanowitsch, russ. Dichter, geb. 13. (2.) Juli 1743 im Gouvernement Kasan, besuchte das Gymnasium in Kasan und wurde 1762 als Gemeiner in das Preobrashenskische Garderegiment eingestellt. 1771 wurde er unter General Bibikow Protokollführer bei der Geheimen Kommission zur Untersuchung der Teilnehmer am Pugatschewschen Aufstand. 1774-75 war er in den Wolgakolonien bei Saratow beschäftigt, wo er seine teils originalen, teils aus den Werken Friedrichs d. Gr. übersetzten Citalagaj-Oden schrieb. 1777-84 diente er unter dem Generalprokurator Fürsten Wjasemskij. Seit 1778 war er Mitarbeiter an dem "Petersburger Boten", in dem eine Reihe seiner Gedichte erschien, darunter die "Lieder an Peter d. Gr.", "Auf die Geburt des purpurgeborenen Knaben im Norden" (des spätern Zaren Alexander I.); im "Gesellschafter der Freunde des russ. Worts" erschien 1782 seine berühmte Ode "Feliza", ferner