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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Desenzano - Desfontaines (Pierre François Guyot)
Kolossalgnlppe der Grablegung Christi in der Kirche
St. Roch zu Paris; von weitern Arbeiten sind zu
nennen: das Grabdenkmal des Kardinals de Belloy ^
in Notre-Dame zu Paris; das des Herzogs von ^
Enghien, die sitzende Figur des Kanzlers L'Höpital .
nnd die Marmorstatuen des Bacchus und der!
Hebe. Außerdem schuf D. eine große Zahl tress-
licher Büsten; so die der Könige Ludwig XVI.,
Ludwig XVIII., des Malers Vien, Winckelmanns !
und Montesquieus. D. starb II. Okt. 1822 zu Paris. !
Desenzano oder D. sul Lago, Stadt in der ,
ital. Provinz und im Kreis Brescia, am südwestl. ,
Ufer des Gardasees, in 66 in .höhe, an der Linie !
Mailand-Verona des Adriatischcn Netzes und der !
Dampferlinie D.-Salo-Gargnano-Riva, hat (1881) ^
3866, als Gemeinde 4220 E., in Garnison das
3. Bataillon des 33.Infanterieregiments, Post, Tele-
graph, ein Gymnasium, ein Theater, mehrere Kir- z
ck)en, ein altes Schloß und bedeutenden Getreide-
handel. Der Hafen ist der wichtigste am Südende des ,
Sees. Bedeutend ist der 400 in lange Bahnviadnkt z
aus rotem Veroneser Marmor mit 15 Bogen. 5 km
östlich die 4 km lange, kaum 1 km breite Kalb-
insel Sermione, das alte Sirmio, von Catull
besungen, von dessen Landhaus die am nördl. Ende
liegenden Gewölbe "Grotte di Catullo" Überreste sein
sollen. Am Westufer der Halbinsel, welche wie D.
eine prachtvolle Aussicht auf den See und seine
Nandgebirge gewährt, erhebt sich eine mächtige vicl-
türmige Burg (0a8t6i1o), im 14. Jahrh, von den
della Scala von Verona erbaut.
Deseret (d. h. Honigbiene), in der heiligen Sprache
der Mormonen Name von Ntah (s. d.).
Desericms, Joh. Innocenz, ungar. Geschichts-
forscher, geb. 1702 zu Neutra, war Piarist und lehrte
Theologie in Raab. Später ging er als General-
assistent seines Ordens nach Rom, von wo er als
Beauftragter Papst Venedikts XVI. an den Woi-
woden der Walachei entsendet wurde. In sein Va-
terland zurückgekehrt, lebte er zu Waizcn gelehrten
Studien und litterar. Arbeiten. Er starb daselbst !
1765. Von seinen Werken sind beachtenswert: "Do
illitÜ8 KC MNM'iI)I18 llllUAHI-OI-NM C0MM6IitNriH"
(5 Bde., Pest 1748-60) und "lli3toria 6pi8oop3.w8
610606818 6t eivitati8 VH0i6ll8i3" (ebd. 1770).
Defertas, Gruppe von drei Inseln südöstlich
von Madeira (s. d.). ^s. Desertion.
Deserteur (frz., spr.-töhr), Fahnenflüchtiger,
Desertion (lat., d. i. Verlassung), im Militär-
strafrecht die Fahnenflucht. Sie begeht ein Sol-
dat, wenn er ohne Urlaub von seiner Heeresab-
tcilung entweicht, um seiner gesetzlichen oder von
ihm übernommenen Verpflichtung zum Dienste
dauernd sich zu entziehen (Reichs-Militärstraf-
gesetzb. §. 69). Der Fahnenflucht können sich
auch Rekruten und Dispositionsurlauber und die
übrigen Personen des Veurlaubtenstandes bei Ein-
berufungen zum Dienst, Militärbeamte nur im
Felde schuldig machen. Im 18. Jahrh, kam die D.
dei dem Werbesystem und der überstrengen Behand-
lung sehr häufig vor. Kavallerieposten bewachten
deshalb die Lager, und in den Festungen standen
Lärmkanoncn bereit, deren Signal die umliegenden
Ortschaften auf Deserteure fahnden ließ. Spieß-
ruten- und Gassenlaufen war die gewöhnliche Strafe
dafür. Jetzt ist die D. seltener, weil die Heere aus
Landeskindern bestehen, die bei kürzerer Dienstzeit
bumancr behandelt werden. Die ^trafbarkeit der
D. ist davon abhangig, ob das Verbrechen im
Frieden oder im Kriege (zum Feinde, aus einer be-
lagerten Festung oder vom Posten vor dem Feinde),
ob dasselbe zum erstenmal oder im Wiederholungs-
falle verübt ward, und ob der Deserteur in einer oe-
stimmten Frist freiwillig zurückgekehrt ist oder nicht.
Je nach der Verschiedenheit des Falles wird D. und
die Anstistnng dazu mit Gefängnis, Zuchthaus,
Todesstrafe, Versetzung in die zweite Klasse des
^oldatenstandes, Degradation bedroht. Versuch
der D. ist strafbar. Gegen abwesende Fahnen-
flüchtige ist iu oontumaoiam auf Geldstrafe zu er-
kennen, zu deren Einziehung Vermögensbefchlag-
nahme erfolgt. Österreich und Dänemark liefern
deutfche Deserteure aus.
Das bürgerliche Recht bezeichnet mit D. die
Verlassung des einen Ehegatten seitens des an-
dern und knüpft an dieselbe, falls sie in der bös-
lichen Absicht erfolgt ist, die Ehegemeinfchaft auf-
zuheben (v. maIitio8N), einen Ehescheidungsgrund
für den verlassenen Teil. Im ältern gemeinrecht-
lichen Prozesse bezeichnete man mir D. die Versäu-
mung einer Prozeßhandlung, namentlich eines
Rechtsmittels, und sprach daher von einer deserten
Appellation u. s. w.
DsLsrtoriI. ssntontia. (lat.) hieß in der
Sprache des vormaligen gemeinen Prozesses das
Urteil, durch welches ein Rechtsmittel als nicht inner-
halb der Notfrist eingelegt verworfen wurde.
Defertnten (lat.), die Gebühren, welche dem
Nechtsanwalt für feine Thätigkeit zukommen (s.
Nechtsanwalt).
Desertntenjahr, das letzteDienst- undNutzungs-
jahr des Inhabers einer kirchlichen Pfründe. Bei
dessen Tode muh eine Auseinandersetzung bezüglich
der ihm noch nicht ausgezahlten Einkünfte dieses
letzten Dienstjahres (amiu8 ä636lviw3) zwischen der
Pfründe und den Erben des Verstorbenen vor-
genommen werden. (S. auch Gnadenzeit.)
Deseze (spr. -ßähs'), Raymond, Graf, einer der
Verteidiger Ludwigs XVI. vor dem Nationalkon-
vent, geb. 24. Sept. 1748 zu Bordeaux, wo sein
Vater Parlamcntsadvokat war, widmete sich der
Advokatur, wurde durch die Verteidigung der Mar-
quise Anglure dem Minister Vergennes bekannt
und durch diesen veranlaßt, sich in Paris nieder-
zulassen. Sein Ruf als Anwalt war schon gegr.ündet,
als ihm das gefährliche Gefchäft übertragen wurde,
die Verteidigung Ludwigs XVI. mit Malesherbes
und Trouchet zu übernehmen. Er lieferte in der
Verteidigungsrede, die er 26. Dez. 1792 vor den
schranken des Konvents hielt, ein Meisterstück advo-
katorischer Beredsamkeit. In der Folge wurde D.
als verdächtig verhaftet; der Sturz Robespierres
27. Juli 1794 brachte ihm aber wieder die Freiheit.
Nach der Rückkehr der Vourbons überhäufte ihn
Ludwig XVIII. mit Ehrenbezeigungen. D. wurde
1814 zum ersten Präsidenten des Kassationshofs,
zum Grohschatzmeister der königl. Orden und, nach-
dem er in den Hundert Tagen dem Hose nach Gent
gefolgt war, nach der Zurückkunft 1815 zum Pair
von Frankreich, 1817 zum Grafen und Mitglied der
Akademie ernannt. Er starb 2. Mai 1828 zu Paris.
^les/., bei botan. Namen Abkürzung für Rene
Louicke Desfontaines (s. d.).
Desfontaines (spr. däfongtähn), Pierre Fran-
cois Guyot, franz. Literarhistoriker, geb. 22. Juni
1685 zu Nouen, wurde in seinem 15. Jahre in den
Jesuitenorden aufgenommen und durch diesen zum
Professor der Rhetorik zu Vourges befördert. In