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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Detmold; Detonation; Detonātor; Detonieren; Detouche; Detour; Detractis detrahéndis; Detractis expensis; Detraktion; Detraktrecht

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Detmold (Joh. Herm.) - Detraktrecht

turwissenschaftliches Museum, Landesbibliothek (60000 Bände, 70 Handschriften), Münzkabinett, Sammlungen von Kupferstichen und Kunstgegenständen; großes Landkrankenhaus, eine Landesstrafanstalt, Militärhospital, vortreffliche Armenanstalten und milde Stiftungen, darunter die Pflegeanstalt und die neuere Paulinenanstalt, endlich einen naturwissenschaftlichen, landwirtschaftlichen, Musik-, Bildungs-, Handels- und Gewerbe-, Teutoburgerwald-Verein. Die unbedeutende Industrie erstreckt sich auf Brauerei, Fabrikation von Etiketten, Tabak und Knöpfen; es bestehen ein Vorschußverein, eine fürstl. Leihkasse und eine Landesbrandkasse. In D. hat die Lippesche land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft ihren Sitz. Die Stadt hat ausgedehnte Waldpromenaden und Anlagen, besonders in der Richtung des frühern Lustschlosses Friedrichsthal; 5 km südwestlich die Grotenburg (386 m) mit dem gewaltigen Hermannsdenkmal (s. d.) von Bandel. D. ist der Geburtsort von Freiligrath und Grabbe. – D. wird unter dem Namen Thiatmelli und als Ort einer 783 von Karl d. Gr. den Sachsen gelieferten Schlacht schon von den fränk. Chronisten genannt. 1011 kam D. durch Schenkung König Heinrichs Ⅱ. an das Bistum Paderborn, das die Herren von Lippe damit belehnte. 1350 erhielt D. Stadtrechte, 1447 wurde es von den Hussiten erobert. – Vgl. Thorbecke, Der Teutoburgerwald, D., Hermannsdenkmal u. s. w. (7. Aufl., Detm. 1890).

Detmold, Joh. Herm., deutscher Politiker, geb. 24. Juli 1807 zu Hannover, studierte zu Göttingen und Heidelberg die Rechte und ließ sich 1830 zu Hannover als Advokat nieder. 1838 zum Deputierten der Stadt Münden gewählt, beteiligte er sich an allen Schritten zur Aufrechterhaltung des Staatsgrundgesetzes (s. Hannover) und wurde 1843 wegen seiner Opposition zu einer Geld- und Gefängnisstrafe verurteilt. In der Bewegung von 1848 wurde D. in die Deutsche Nationalversammlung gewählt, wo er anfangs zu der nachmaligen Centrumspartei (Dahlmann, Gagern, Bassermann u. s. w.) hielt. Doch trat er dieser bald entschieden gegenüber und bildete unter der nach dem 18. Sept. 1848 eingetretenen schärfern Parteisonderung mit Radowitz, Vincke u. a. die kleine Fraktion der sog. äußersten Rechten. Als Mitglied des Verfassungsausschusses gehörte D. zu den wenigen, die sich der Aufstellung der Grundrechte und dem Verfassungsentwurfe widersetzten, wie er überhaupt einer Reorganisation Deutschlands durch die Nationalversammlung feindlich gesinnt war. Als im Mai 1849, nach Gagerns Rücktritt, alle Versuche des Reichsverwesers zur Herstellung eines neuen Ministeriums scheiterten, entschloß sich D. zur Bildung desselben und übernahm das Portefeuille der Justiz, wozu er nach Grävells Austritt auch noch das des Innern erhielt. Allen Versuchen, ihn und den Reichsverweser zum Rücktritt zu bewegen, setzte er beharrlichen Widerstand entgegen, bis endlich der Reichsverweser selbst 21. Dez. 1849 seine Vollmacht der Bundescentralkommission übergab. D. ging nach Hannover zurück, wurde vom Könige zum Bevollmächtigten bei der provisorischen Bundescentralkommission, nachher zum Gesandten beim reaktivierten Bundestage ernannt, wo er eifrig im Sinne der Restauration wirkte. Durch das Ministerium Münchhausen von seinem Posten abberufen, kehrte er im Juli 1851 nach seiner Vaterstadt zurück. Hier starb er 17. März 1856. Litterarisch hat sich D. durch die kleinen satir. Schriften: «Anleitung zur Kunstkennerschaft» (Hannov. 1833; 3. Abdruck 1879), «Randzeichnungen» (1. u. 2. Aufl., Braunschw. 1843) und «Thaten und Meinungen des Herrn Piepmeyer» (mit A. Schrödter, Frankf. 1849) bekannt gemacht.

Detonation (lat.), Knall. In der Chemie spricht man von D. oder Verpuffung, wenn ein chem. Prozeß, sei es Verbindung oder Zersetzung, plötzlich unter starker Steigerung des Druckes anwesender oder neugebildeter Dämpfe oder Gase verläuft, sodaß ein Knall hörbar wird. Erfolgen solche Prozesse in geschlossenen Räumen, deren Wände den Gasdruck nicht aushalten können, so werden letztere zertrümmert und die D. wird zur Explosion.

Detonātor, Zündmittel bei Sprengstoffen. Um bei den meisten hochexplosiblen Sprengstoffen eine völlige Detonation zu erzielen, genügt es nicht, dieselben einfach zu entzünden, sondern es ist als Zwischenmittel eine gewisse Menge eines bestimmten andern, leichter explosiblen Stoffes nötig, dessen Entzündung erst die des eigentlichen Sprengstoffs herbeiführt. Dieses Zwischenmittel wird D. oder auch Zündpatrone genannt. Nach der Erklärung Abels beruht diese Wirkung auf dem Synchronismus der bei der Explosion beider Körper auftretenden Schwingungen. Das Nitroglycerin, die Dynamite, trockne Schießbaumwolle und Pikratpulver benötigen Knallquecksilber als D. Zur Detonation von nasser Schießbaumwolle ist ein D. von trockner Schießbaumwolle erforderlich, während Sprenggelatine als D. ein Gemenge von hochnitrierter Schießbaumwolle und Nitroglycerin erfordert.

Detonieren oder Distonieren (lat.), beim Gesange das Abweichen von der richtigen Tonhöhe, das durch verschiedene Ursachen hervorgerufen sein kann, z. B. durch die Schwächung der Stimmorgane (Krankheit oder Überanstrengung) oder auch durch mangelhaftes musikalisches Gehör. Ersteres bewirkt meist ein Sinken letzteres eine Erhöhung des Tones.

Detouche (spr. -túsch), Laurent Didier, franz. Maler, geb. 29. Juli 1815 in Reims, war in Paris Schüler von P. Delaroche und Rob. Fleury und starb 28. April 1882. D. hat meist Historienbilder gemalt; zu nennen sind: Heiliger Paul der Eremit (1840; Kathedrale in Reims), Hinrichtung der Jeanne d’Arc (1841, Goldene Medaille; Museum in Orléans), Auferweckung des Lazarus (1843), Colbert in Dünkirchen (1844), Martyrium der heil. Eulalia, Christus am Kreuz (1845), Katharina von Medici bei Ruggieri (1848), Erstes Auftreten des Komponisten Lesueur (1857), Karl Ⅸ. von Gewissensbissen geplagt (1859), Tod Colignys (1865), Auswanderer nach Aufhebung des Edikts von Nantes (1868), Jüdischer Juwelenhändler (1875), Episode zur Zeit der Dragonaden (1880). Er schrieb «Notice sur la vie et les ouvrages de Paul Véronèse» (1852).

Detour (srz., spr. -tuhr), Umweg, Abweg; Umschweif, Winkelzug, Ausflucht.

Detractis detrahéndis (lat.), nach Abzug des Abzuziehenden.

Detractis expensis (lat.), nach Abzug der Kosten.

Detraktion (lat.), Wegnahme, Entziehung, Verkleinerung, Verleumdung.

Detraktrecht, das Recht des Staates, einer Stadt oder Gutsherrschaft, von Auswandernden (sog. detractus personalis) ein Abzugsgeld (s. d.), gabella emigrationis, oder von einem nach dem Auslande gehenden Nachlaß (sog. detractus realis) einen Abschoß (s. d.), gabella hereditaria, zu fordern.