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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsche Eisenbahnen

unternehmens in Deutschland. Die 14. Mai 1835 erfolgte Zeichnung der aufgelegten Aktien war zumeist auf seine Bemühungen zurückzuführen. Dieser Tag ist zugleich in der Geschichte der preuß. Eisenbahnen von Wichtigkeit, denn an ihm wurde die erste größere preuß. Eisenbahn von Magdeburg nach Leipzig angeregt. (S. Preußische Eisenbahnen.) In Preußen waren bis 1850 fast nur Privatbahnen (mit und ohne Unterstützung des Staates) zugelassen worden. Von da ab erwarb der Staat selbst für eigene Rechnung ausgedehnte Strecken, teils nahm er Privatbahnen für Rechnung der Unternehmer in Betrieb. Mit den neu erworbenen Landesteilen fielen dem Staate 1866 über 1000 km Eisenbahnen zu, sodaß die von ihm verwalteten Eisenbahnen Ende 1866 fast 4300 km umfaßten, etwa 28 Proz. aller damaligen D. E. (15100 km). 1879 erfolgte der Übergang zum neuen Staatsbahnsystem durch den Erwerb der wichtigern Privatbahnen; 1. April 1894 standen rund 26000 km preuß. Staatsbahnen u. s. w. nur noch 2270 km in Preußen gelegene Bahnen in Privatverwaltung gegenüber. In den andern deutschen Staaten wurden die Eisenbahnen, soweit sie nicht, wie es in Baden (s. Badische Eisenbahnen) und Braunschweig der Fall war, auf Staatskosten erbaut waren, bald in Staatsverwaltung übernommen; so in Bayern, das mit dem Ankauf der Ostbahnen 1875 die Verstaatlichung abschloß und z. Z. nur noch in der Pfalz Privatbahnen besitzt (s. Pfälzische Eisenbahnen); ferner in Sachsen, das ebenfalls fast sämtliche Privatbahnen erworben hat; in Württemberg, wo schon frühzeitig das Staatsbahnsystem eingeführt wurde (s. Württembergische Eisenbahnen). Oldenburg hatte gleichfalls von vornherein Staatseisenbahnen erbaut. Mecklenburg-Schwerin hat vor kurzem durch den Erwerb beinahe sämtlicher Privatbahnen die Verstaatlichung seines Eisenbahnnetzes durchgeführt; Hessen besitzt zwei Staatsbahnen: die Main-Neckar-Eisenbahn (s. d.) gemeinschaftlich mit Preußen und Baden und die Oberhessische Eisenbahn (s. d.), während die Hessische Ludwigs-Eisenbahn (s. d.) noch in Privatverwaltung ist.

Die Eisenbahnen in den übrigen deutschen Staaten gehören den Staatsbahnnetzen der benachbarten Länder an, daneben bestehen Privatunternehmungen, die auch einzelne staatliche Linien in Betrieb haben.

In den Übersichten C und D (S. 1000 u. 1004) sind die normalspurigen und schmalspurigen Eisenbahnen der einzelnen deutschen Länder, getrennt nach Staats- und Privatbahnen, ihre Längen, Anlagekosten, Betriebsergebnisse mit Verzinsung des Anlagekapitals während des Betriebsjahres 1892 bez. 1. April 1892/93 zusammengestellt.

Die 15475 Lokomotiven der normalspurigen Bahnen (Übersicht C) erforderten einen Kostenaufwand von 667831691 M., mithin für das Stück 43156 M.; die Personenwagen (28901 Stück mit 64666 Achsen) 245948414 M. oder für die Achse 3803 M.; die Gepäck- und Güterwagen (308336 Stück mit 627359 Achsen) 903644401 M. oder für die Achse 1440 M. In den Personenwagen waren 1231128 Sitz- und Stehplätze vorhanden; die Gepäck- und Güterwagen hatten ein Ladegewicht von 3311060 t. Die Zahl der Postwagen betrug 1889 ^[keine Mengenangabe im Text] mit 5219 Achsen. Von den beförderten 488170937 Personen wurden 11782399963 Personenkilometer (s. Eisenbahnstatistik) zurückgelegt, die Einnahme für das Personenkilometer betrug 3,01 Pf., auf 1 km der durchschnittlichen Betriebslänge 8422 M.; die vorhandenen Plätze der Personenwagen wurden mit 23,76 Proz. ausgenutzt. Die gegen Frachtberechnung beförderten Güter (230864051 t) legten 23215170487 Tonnenkilometer zurück; von den Einnahmen hierfür entfielen auf das Tonnenkilometer 3,83 Pf., auf 1 km der durchschnittlichen Betriebslänge 20788 M. Die Güter ohne Frachtberechnung (1947258 t) legten 196912492 Tonnenkilometer zurück. - An Beamten und Arbeitern wurden im Jahresdurchschnitt 416596 Personen beschäftigt, und zwar 16561 bei der Betriebsverwaltung, 120690 bei der Bahnverwaltung, 218516 bei der Transportverwaltung und 60829 im Werkstättenbetriebe. An Besoldungen und andern persönlichen Ausgaben wurden (ausschließlich der Werkstättenverwaltung) 438068763 M. verausgabt oder auf 100000 M. Bruttoeinnahme 32517 M. - Von den Reisenden wurden bei den 3517 Unfällen (s. auch Eisenbahnunfälle), die sich ereigneten, 46 getötet (auf 1 Mill. 0,09) und 217 verletzt (auf 1 Mill. 0,44), darunter 44 bez. 56 durch eigenes Verschulden.

Über die Güterbewegung auf den Eisenbahnen des Deutschen Reichs in den Jahren 1890-93 geben die nachstehenden Zahlen, welche der Deutschen Güterstatistik (s. Eisenbahnstatistik) und dem Archiv für Eisenbahnwesen entnommen worden sind, Auskunft:

Art des Güterverkehrs 1890 t 1891 t 1892 t 1893 t

Gesamtverkehr 151681437 159493531 157922176 165514507

Versand nach dem Auslande (einschließlich der Seehäfen) 15550664 16393889 16284336 17158509

Empfang von dem Auslande (einschließlich der Seehäfen) 13353022 14442691 14425480 14866284

Durchfuhr von Ausland zu Ausland, sowie zwischen dem Auslande und den deutschen Seehäfen 2950578 2988944 2871091 3185641

Hiernach hat der Gesamtgüterverkehr einschließlich des Verkehrs der deutschen Seehäfen (s. Tabelle auf S. 999) in den J. 1890-93 um etwa 9,1 Proz. zugenommen, indem derselbe von 151681437 t auf 165514507 t gestiegen ist; die Vermehrung des Bahnnetzes betrug in dem gleichen Zeitabschnitt dagegen nur etwa 4,7 Proz. Unter den beförderten Massengütern nahmen die Stein- und Braunkohlen (s. Tabelle S. 999) den ersten Rang ein, dieselben machten 1893 bei 62411274 t Stein- und 13233855 t Braunkohlen 45,7 Proz. des Gesamtverkehrs aus.