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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsche Kunst

und Moller, in Hannover Laves, in Mitteldeutschland Fr. W. von Erdmannsdorff, in Wien Nobile und Spranger thätig. Was sie erstrebt hatten, vollendeten Leo von Klenze in München und Karl Friedrich Schinkel in Berlin. Namentlich bei dem letztern kam aber ein durch die neuen Ausgrabungen und Ausmessungen der antiken Baureste und ein durch die Vorarbeiten der Engländer gewecktes hohes Verständnis für die Feinheiten des griech. Stiles und für die aus ihm sich entwickelnden tektonischen Gesetze hinzu, und der ebenfalls von England geweckte romantische Sinn, der zu verschiedenen Versuchen in got. Bauweise die Veranlassung gab. Der Aufschwung des staatlichen Lebens nach den Freiheitskriegen gab ihren Werken auch eine erhöhte innere Bedeutung. Schinkels Anregung folgend, erhielt sich in Berlin lange eine klassicistische Schule, Hellenisten oder nach dem Hauptlehrbuch der Schule, Böttichers "Tektonik der Hellenen", Tektoniker genannt, als deren beste Vertreter A. Stüler, Albert Schadow, Strack, Hitzig und Gropius zu nennen sind, neben den noch heute wirkenden Baumeistern Adler, Orth, Jakobsthal, Eggert u. a.

Durch Klenze und namentlich durch den neben ihm in München wirkenden Gärtner wurde die Baukunst der italienischen Renaissance zugeführt, die sie mit klassischem Geist zu durchdringen suchten. Es gelang dies nur in bescheidenem Maß. Erst Th. von Hansen in Wien brachte die hellenistische Renaissance zu hoher Entwicklung, ohne jedoch nach dieser Richtung hin Schule zu machen.

Die moderne Baukunst entwickelte sich aus zwei Strömungen. Zunächst aus dem romantischen Stil, welcher in Schinkel in Berlin, Gärtner, Ziebland, Ohlmüller in München, Eisenlohr und Hübsch in Baden, ferner in Heideloff seine Vorläufer hatte, durch die großen Erneuerungsbauten an mittelalterlichen Domen seine Schulung erhielt (am Dom zu Köln: Statz, Zwirner, Fr. von Schmidt; am Dom zu Regensburg und Frankfurt a. M.: Denzinger; am Münster zu Ulm: Beyer; am St. Stephan zu Wien: Fr. von Schmidt; am Dom zu Prag: Mocker u. a.) und namentlich durch die hannov. Schule (an deren Spitze Hase) sich zu hoher Leistung aufschwang. Ferner sind Otzen in Berlin, Möckel in Dresden und Mecklenburg und Hauberrisser in München hervorragende Künstler dieser Richtung.

Die zweite Strömung ist die der Renaissance, an deren Spitze G. Semper zu stellen ist, sowohl hinsichtlich seiner Bauausführungen als seiner theoretischen Werke. Aber schon vor seinem Auftreten und unabhängig von ihm waren ähnliche Bestrebungen vielfach hervorgetreten. Gärtners und Klenzes Anregungen löste zwar in München ein verunglückter Versuch ab, einen modernen Stil zu erfinden, dagegen suchten Leins in Stuttgart, Nicolai in Dresden ähnliche Wege wie Semper, während neben ihnen Egle in Stuttgart, van der Nüll und Siccardsburg in Wien, Demmler in Schwerin in der franz. Renaissance Anregung fanden. Manche von diesen Künstlern haben nebenbei, besonders im Kirchenbau, auch got. Formen angewendet, wie denn auch Schmidt in Wien und Griesebach in Berlin eine Vermittelung mit der Renaissance von romantischer Seite aus erfolgreich anstrebten.

In der jüngern Schule haben sich die Gegensätze zwischen beiden Stilen, die einst lebhaft hervortraten, fast ganz ausgeglichen. Viel half hierzu die seit 1870 erwachende Begeisterung für die deutsche Renaissance des 16. Jahrh., als eines Mittelstiles zwischen Gotik und ital. Renaissance. Seit nun durch Lucae auch die Berliner Schule zu freierer Formbildung hinüber geführt wurde, ist das Grundwesen der modernen Architektur, obgleich sie äußerlich in den Formen der verschiedenartigsten Stile (seit 1885 auch der Barock) erscheint, doch ein durchaus einheitliches. Die Führung lag während der sechziger und siebziger Jahre in Wien, wo neben Hansen und Schmidt H. Ferstel in gotischen und mit Vorliebe in den Formen des Bramante arbeitete, Hasenauer einer dem Barock sich nähernden Hochrenaissance huldigte, der zur Monumentalität gesteigerte Wohnhausbau zahlreiche Kräfte in Bewegung setzte. Von Wien ging die Anregung an die österr. Landeshauptstädte, aber auch nach Berlin über, wo in Ende und Böckmann, Licht, Kayser und von Großheim, von der Hude und Hennicke, Kyllmann und Heyden, Schwechten, Ebe und Benda und zahlreichen andern eine Künstlerschar sich herausbildete, die mit wachsender Virtuosität den größten Aufgaben zu genügen verstand, ohne daß einer in ihr eine leitende Stelle eingenommen hätte; gleiche Richtung strebten schon früher Gnauth in Stuttgart sowie die der Semperschen Schule nahe stehenden Bluntschli und Mylius, Sommer, Burnitz u. a. in Frankfurt a. M. an. In München war ihr Führer Neureuther, während A. Schmidt und Gedon einer scharf ausgeprägten Deutschrenaissance huldigen, Thiersch die Anregungen Gnauths fortentwickelt. In Dresden fand weniger Sempers eigene Thätigkeit als Nicolais Schule Boden (Giese und Weidner, Hauschild u. a.). In Karlsruhe geben Durm und Warth, in Hannover Stier, in Stuttgart Reinhardt und Dollinger den Renaissanceformen eine annähernd gleiche Fortbildung. Vielfach mischten diese sich mit den derben Gestaltungen der Kunst etwa von 1600, gingen auch zu einem Schlüterschen Barock über. Wallot in seinem Reichstagsgebäude zu Berlin nahm dagegen die ruhigern Formen der Hochrenaissance wieder auf und fand hierin vielfache Nachahmung.

Vgl. Geschichte der D. K. in fünf Abteilungen: Dohme, Die Baukunst; Bode, Die Plastik; Janitschek, Die Malerei; Falke, Das Kunstgewerbe; Lützow, Kupferstich und Holzschnitt (Berl. 1885-91); Lübke, Geschichte der D. K. (Stuttg. 1890); Kugler, Geschichte der Baukunst (ebd. 1856); Schnaase, Geschichte der bildenden Künste (2. Aufl., 8 Bde., Düsseld. 1866-79); Riegel, Deutsche Kunststudien (Hannov. 1868); ders., Geschichte der D. K. seit Carstens (Tl. 1, ebd. 1874-75); Otte, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie (2 Bde., 5. Aufl., Lpz. 1885); ders., Geschichte der deutschen Baukunst (Bd. 1: "Roman. Baukunst", ebd. 1874); von Reber, Kunstgeschichte des Mittelalters (ebd. 1886); Möllinger, Die deutsch-roman. Architektur in ihrer organ. Entwicklung bis zum Ausgang des 12. Jahrh. (ebd. 1886 fg.); Lübke, Geschichte der Renaissance in Deutschland (2. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1882); Gurlitt, Geschichte des Barockstils in Deutschland (ebd. 1889); Reber, Geschichte der neuern D. K. (ebd. 1876); Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst, Bd. 2 u. 3 (Lpz. 1887-89). Von höchstem Wert sind, nachdem Lotz, "Kunsttopographie Deutschlands" (2 Bde., Cassel 1862), ein allgemeines Inventar zu geben versucht hatte, die von den Regierungen betriebenen Inventarisierungen der Kunstschätze: Elsaß-Lothringen (Straßb. 1876 fg.) von