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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsche Kunst

lianischen Zeit zu einer neuen vollzog sich unter dem Einfluß der franz. und holländ. Koloristen, wie Couture, Gleyre, Gallait, Bièfve; so wurde unter dem Einfluß des erstern Anselm Feuerbach (s. Taf. VII, Fig. 7) einer der hervorragendsten Vertreter des idealen Kolorismus.

Unter heftigen Kämpfen schuf sich die neue realistische Richtung die Anerkennung der Nation, während die Cornelianische Kunst mehr und mehr das Alleingut eines kleinen Kreises besonders für sie Gestimmter wurde. Die Führung für diese neue Kunstrichtung fiel München und Karl von Piloty (s. Taf. VIII, Fig. 6) zu, neben dem Kreling, Hagen, Müller, Ramberg, Lindenschmit u. a. als unterstützende Kräfte hergingen. Aus Pilotys Schule ging eine Reihe von Malern hervor, die sich einesteils durch eine hochgesteigerte, von braunen Tönen ausgehende Farbenschönheit auszeichneten, andernteils der Zeichnung durch realistisches Erfassen der Gegenstände neuen Reiz gaben. Den Höhepunkt nach der ersten Seite stellt Hans Makart dar, dem das Bild eine mit unerreichter Meisterschaft komponierte Farbenharmonie war, nach der andern Seite Lenbach, der, in der Farbe ganz von ältern Meistern abhängig, im Erfassen des Porträts ein Künstler ersten Ranges ist. Dem Genrebild, das nun besonders gepflegt wurde, gaben Defregger (s. Taf. VIII, Fig. 3), Kurzbauer, Kauffmann, Gysis, Wagner, Seitz, Adamo, Liezen-Mayer, Math. Schmid, Grützner u. a. einen neuen Reiz durch eine tiefere und unbefangenere Auffassung der Figuren, die aber bei der Vorliebe der ganzen Schule für das Studium des Kostüms und der zeitgerechten Geräte oft zu einer Mummerei ausartete.

Die zweite Münchener Koloristenschule ist die von Diez und Löfftz. Die erstere wählte zu feinen, meist Kriegsscenen darstellenden, die letztere in empfundenen religiösen Bildern einen tiefen Silberton, der bei den Schülern meist schon in sog. Hellmalerei überging, während Zimmermann, Piglhein, Räuber und Fritz August Kaulbach noch in meisterhafter Farbentechnik die Übergangsstufe zu dieser darstellen.

Die Berliner koloristische Schule hat eine gleiche Fülle von Talent nicht aufzuweisen. Ihr fehlte die führende Persönlichkeit. Karl Begas vertrat die histor. Schule, Karl Becker, Gustav Richter, August Heyden, Otto von Heyden, Knille und namentlich Henneberg verhalfen der Farbe zu ihrem Recht in der histor. Malerei. Erst Anton von Werner, der die franz. Farbenbehandlung mit einer etwas nüchternen, aber entschiedenen Sicherheit im Erfassen des Thatsächlichen verbindet, trat kräftiger hervor, während neben ihm die niederländ. Schule durch in Weimar gebildete Maler (Thumann, Gussow u. a.) Vertretung fand. In Düsseldorf nahm die Bendemannsche Schule eine weichere Farbengebung an, während in Gebhardt ein scharf ausgeprägtes, zugleich realistisches und religiös innerliches Talent entstand. In Dresden vertritt der Porträtmaler Pohle, in Karlsruhe der farbenfreudige Ferd. Keller, in Wien Angeli, in Berlin Passini, in Bremen Fitger die koloristische Richtung.

Die Naturbeobachtung trat in der Landschaftsmalerei schärfer hervor. Hier waren es zuerst norddeutsche und skandinav. Künstler, die der Romantik eine schlichte Naturwahrheit entgegenstellten (Dahl, Morgenstern, Gurlitt, Gude, Ruths). Die Düsseldorfer nahmen diese auf, namentlich die Brüder Achenbach, von denen eine weitverzweigte Malerschule ausgeht, die mit steigendem Erfolg die augenblickliche Erscheinung der Natur zu erfassen suchte. In diesem Sinne wirkten auch Schleich, Lier, Wenglein, Schönleber, Dill, Willroider, Stäbli in München; Hildebrandt, Riefstahl, Hoguet, Gentz, Bracht, Eschke, Douzette, Scherres, Ludwig, Kalckreuth in Berlin; Leu, Normann und zahlreiche skandinav. Künstler in Düsseldorf, Kallmorgen in Karlsruhe, Hagen in Weimar u. a. Vielfach hat auch hier die franz. Malerei Einfluß genommen, namentlich auf die Tiermalerei (durch Troyon), die in München Voltz, Braith, Zügel, Maffei, Gäbler, in Berlin Paul Meyerheim, Steffeck, Friese, in Düsseldorf Kröner pflegten. Freier hielt sich die Schlachtenmalerei, die bei Camphausen, Bleibtreu, Braun, Faber du Faur, L'Allemand und zahlreichen jüngern Kräften mit wachsendem Erfolg in der Darstellung der modernen Massenkampfart fortschritt. Die kirchliche Malerei blieb im wesentlichen, trotz verschiedener Versuche der Koloristen (Defregger, Knaus, Gustav Richter), in der Hand der ältern Cornelianischen und Nazarenischen Schule, welche auch durch kräftigere Farbengebung (Plockhorst, Heinr. Hofmann) nicht zu neuem Leben erweckt werden konnte.

Fortschreitend im Realismus bis zur unbeschönigten Wahrheit in Farbe und Zeichnung ist A. Menzel (s. Taf. VIII, Fig. 2) der Führer der neuesten deutschen Malerei. Er fand zunächst in Skarbina, Fritz Werner u. a. in Berlin einen Anhang, später seine Richtung eine mächtige Förderung durch Fritz von Uhde in München, der, durch die franz. Impressionisten angeregt, die deutsche Hellmalerschule gründete, an die sich die jüngern, von Diez und Löfftz vorgebildeten Künstler fast ausnahmslos anschlossen (Firle, Kühl, Zimmermann, Höcker, Bartels in München, Liebermann und die Landschafter Dettmann, H. Herrmann in Berlin u. a.). Von der realistischen Darstellung des körperlich Erschauten geht diese mehr und mehr zu der des geistig Empfundenen über, wie denn auch Uhde die religiöse Malerei mit modernstem Gefühle zu durchdringen sucht.

Neben dieser Schule steht eine zweite, welche, ganz von innerlich Erschautem ausgehend, in ihren Bildern das Erfahrungsergebnis einer allgemeinen Naturbeobachtung darzustellen trachtet. Diese hatte ihren Ursprung in Italien und fand ihre Hauptvertreter in den Historienmalern Marée und Feuerbach und in dem mit mächtiger Unbefangenheit und Einbildungskraft schaffenden Böcklin. Verwandt dem letztern an eigenartiger Auffassung sind Thoma in Frankfurt a. M., Stuck und Trübner in München.

Litteratur. Die oben bezeichneten allgemeinen Werke, namentlich Geschichte der D. K.: Janitschek, Malerei (Berl. 1885-90); Woltmann und Wörmann, Geschichte der Malerei (3 Bde., Lpz. 1879-88); Kugler, Handbuch der Geschichte der Malerei (3. Aufl., 3 Bde., ebd. 1867); Ad. Rosenberg, Die Münchener Malerschule seit dem J. 1871 (mit 23 Lichtdrucken, ebd. 1887), sowie die Litteratur über einzelne Künstler. Vgl. auch Dohme, Kunst und Künstler (2 Bde., Lpz. 1877-86).