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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsche Mundarten

von Ödenburg und im südl. Mähren. 7) Ober- und Untersteirisch, mit der Heanzen-Mundart in dem benachbarten Ungarn. 8) Ober- und Unterkärntnisch, dazu die Mundart des Isel- und östl. Pusterthals in Tirol. 9) Die Sprachinsel Gottschee und die kleinern Sprachinseln in Krain.

Ⅲ. Fränkisch [A–D. hochdeutsch: mitteldeutsch]. Östlich und nördlich bis zum Thüringerwald, bis einschließlich Cassel und Siegen, von da fast bis zur Grenze der Rheinprovinz und Westfalens, in den Niederlanden bis einschließlich Zutfen, ausschließlich Harderwyk an der Zuidersee.

A. Ostfränkisch. Nördlich bis zum Thüringerwald, einschließlich des sächs. Vogtlandes, westlich bis zur Rhön, dem Ostrande des Spessart und fast bis zum Neckar. 1) Oberfränkisch-Vogtländisch, um Bayreuth, Kulmbach und Hof und im Vogtland sowie nördlich und westlich davon bis Gera, Schleiz und Lobenstein. Eine Untermundart, Übergangsmundart zum Oberpfälzischen, spricht das nördl. Fichtelgebirge. 2) Bambergisch, nördlich bis zum Frankenwald reichend, südlich fast bis Erlangen. 3) Ansbachisch, bis Erlangen, Fürth und Spalt im Osten, Dinkelsbühl und Frankenhöhe im Westen. 4) Hohenlohisch im nordöstl. Württemberg an Kocher, Jagst und Tauber, östlich bis zur Frankenhöhe. Im Süden wird die Mundart stark durch das Schwäbische beeinflußt. 5) Gäuisch im Ochsenfurter Gäu. 6) Würzburgisch, bis zum Südrande der Rhön, an der Fränkischen Saale mit Ausnahme des Quellgebietes, südlich bis zur Tauber. 7) Schweinfurtisch, um Volkach, Schweinfurt, Haßfurt und Zeil. 8) Itzgründisch, südlich bis zum Main (Seßlach, Coburg, Sonneberg, Hildburghausen). 9) Hennebergisch, südlich bis Bischofsheim und Königshöfen, östlich bis Schleusingen und Thüringerwald, nördlich bis Schmalkalden, westlich bis zur Rhön.

B. Rheinfränkisch, im Westen Deutsch-Lothringen ausschließlich der Moselgegend mit umfassend; weitere Westgrenze bildet der Hunsrück und eine Linie Boppard-Siegen; nördlich bis einschließlich Marburg, östlich bis zum Vogelsberg und der Fuldaquelle. 1) Lothringisch. Altes î, û und ü̂ erhalten, z. B. in «Zeit», «Haus» und «Leute». 2) Pfälzisch bis zum Rheingau und Odenwald, zerfallend in a. Schwäb. Grenzmundart am Neckar um Heilbronn, b. Schwäb. Grenzmundart an der Enz und untern Nagold, um Pforzheim, Wildbad und Calw. c. Badenser Pfälzisch, einschließlich des südl. Odenwaldes. d. Rheinpfälzisch oder Vorderpfälzisch, in der westrhein. Ebene. e. Westrichisch (Hardt und Westrich). f. Nahe-Mundart. g. Hunsrückisch. Pfälzisch wird ferner in den Dörfern Pfalzdorf, Luisendorf und Neu-Luisendorf südlich von Cleve gesprochen, sowie von den Deutschen in Pennsylvania in Nordamerika und am rechten Ufer des Molotschnaja-Flusses in Taurien in Südrußland. 3) Hessisch-Nassauisch. Charakteristikum ist ei und ou für neuhochdeutsch ie und u, z. B. in «lieb», «gut», a. Untermain-Mundart (Mainz, Darmstadt, Frankfurt, Aschaffenburg), b. Wetterauisch, an der Nidda und Kinzig. c. Nassauisch, einschließlich Gießen. d. Oberhessisch um Marburg und an der Ohme.

C. Hessisch im engern Sinne, eine Mundart, die nach dem Stande der Lautverschiebung gewöhnlich zum Rheinfränkischen gestellt wird. Es scheint jedoch eine besondere Hauptmundart zu sein, die allen fränk. Mundarten gegenüber eine eigene Stellung einnimmt. Östlich bis zur Rhön und der Wasserscheide der Fulda und Werra. 1) Obereder-Mundart, östlich bis Frankenau und Gemünden, südlich die obere Lahn mit einschließend. 2) Niederhessisch, an der untern Eder und an der Fulda, von Hersfeld bis Cassel. 3) Fuldisch, vom Vogelsberg bis zur Rhön, nördlich fast bis Hersfeld. Dem Niederhessischen und Fuldischen gemeinsam ist die Erhaltung des alten î, û und ü̂, gegenüber neuhochdeutschem ei, au und eu. ^[Spaltenwechsel]

D. Moselfränkisch (rheinfränk.-ripuarische Mischmundart). Nördlich bis zur Eifel und einer Linie Linz-Freudenberg. 1) Siegerländisch: der Südzipfel der Provinz Westfalen. 2) Saynisch, südwestlich davon, an der mittlern Sieg. 3) Westerwäldisch, um Altenkirchen und Hachenberg. 4) Moselfränkisch im engern Sinne, an der Mosel von Saarlouis bis Koblenz, in eine nördl. und südl. Hälfte zerfallend; Grenze bei Bernkastel. Ripuarisch gefärbt ist die Mundart von Bitburg, Kyllburg, Prüm und Wachsweiler. 5) Luxemburgisch. a. Luxemburgisch im engern Sinne, südlich von der Sauer, jedoch einschließlich Vianden, dazu an der Mosel die Gegend um Diedenhofen und das belg. Arlon. b. Nordluxemburgisch bis St. Vith, stark ripuarisch gefärbt. 6) Siebenbürgisch, der Luxemburger Mundart am nächsten stehend, a. Nordsiebenbürgisch im Rösnerlande: Bistritzer Mundart. b. Südsiebenbürgisch; α) Hermannstädter, Mediascher, Schäßburger, Repser und Großschenker Mundart; β) Burzenländisch (Kronstadt).

E. Ripuarisch (mitteldeutsch-niederdeutsch). Nördlich bis Aachen, Düsseldorf und Burscheid. Charakteristisch ist die Bewahrung von altem î, û und ü̂ neuhochdeutsch ei, au und eu. Das Ripuarische ist im ganzen eine ziemlich einheitliche Mundart, nur im östl. Gebirge etwas abweichend. Ganz eigenartig sind 1) die Ahr-Mundart, welche stark von dem Moselfränkischen beeinflußt ist, und 2) die Aachener Mundart, welche in mancher Beziehung sich dem Niederfränkischen nähert.

F. Niederfränkisch (niederdeutsch). 1) Bergisch. Unter diesem Namen faßt man die voneinander nicht unerheblich abweichenden Mundarten um Remscheid, Elberfeld, Solingen, Hilden, Mettmann, Wülfrath, Werden und Mülheim a. d. Ruhr zusammen. 2) Limburgisch, östlich bis Düsseldorf, nördlich bis Krefeld, Venlo und Weert, westlich bis Diest und St. Truyen bez. Tienen. Der Südzipfel der Mundart umfaßt noch Eupen (südlich von Aachen). Altes î, û und ü̂ erhalten. 3) Geldersch, am Niederrhein und an der Maas, westlich bis vor die Thore des einst geldrisch, jetzt holländisch sprechenden Utrecht. Altes î, û und ü̂ nicht diphthongiert. Eine besondere Untermundart ist das Südgeldersche, südlich von Cleve. 4) Holländisch, südlich bis einschließlich Dordrecht. Von den Inseln sind holländisch Wieringen, Texel, Vlieland und Ameland. Ferner wird holländisch gesprochen in den Städten Stavoren, Workum, Sneek, Harlingen, Bolsward, Franeker, Leeuwarden, Dokkum und Kollum sowie in der Landschaft Het Bildt (nordwestlich von Leeuwarden) in der niederländ. Provinz Friesland. Diese letztere Mundart, auch «stadtfriesisch» genannt, bildet als a. Friesisch-Holländisch, eine besondere Untermundart des Holländischen. b. Nordholländisch, südwärts fast bis zum Alten Rhein reichend, c. Südholländisch. Holländisch wird ferner in den Kolonien am Kap und in Transvaal, in Ostindien und Nordamerika gesprochen. Eine eigentümliche Abart