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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutscher Landwirtschaftsrat

und die großherzogliche hess. Division. Letztere hatte 13. Juli bei Frohnhofen und Laufach ein ungünstiges Gefecht, in dem sich auf diesem Kriegsschauplatze zuerst die große Überlegenheit des Zündnadelgewehrs in Defensivstellungen zeigte. Auch die österr. Division vor Aschaffenburg wurde hier 14. Juli geschlagen, nachdem um den vorliegenden Waldpark heftig gekämpft und die Stadt erstürmt worden war. Darauf räumten die Bundestruppen Frankfurt, wo 16. Juli Vogel von Falckenstein einzog. Auch Bieberich und Darmstadt wurden von den Preußen besetzt und der Armee einige Ruhetage bewilligt.

Vogel von Falckenstein wurde 19. Juli zum Generalgouverneur von Böhmen ernannt, wodurch das Oberkommando der Mainarmee auf Manteuffel überging. Das 8. Bundeskorps hatte sich endlich mit der bayr. Armee bei Würzburg vereinigt. Die Mainarmee war inzwischen durch die oldenb.-hanseatische Brigade, ein Bataillon Waldeck, ein Bataillon Schwarzburg-Sondershausen und einige nachgerückte preuß. Truppen bis auf 65000 Mann angewachsen und begann 21. Juli den Vormarsch auf Würzburg. Der Feind zog sich ostwärts hinter die Tauber, gefolgt von der Mainarmee, wobei zwei coburg-gothaische Bataillone 23. Juli bei Hundheim gegen eine bad. Brigade ins Gefecht kamen. Am 24. Juli wurden die Übergänge der Tauber, die bei Tauberbischofsheim von der württembergischen und bei Werbach von der bad. Division besetzt waren, durch die Preußen genommen. Oldenburger und Hanseaten erstürmten Hochhausen und Werbach (Bataillon Bremen) mit großer Entschlossenheit. Bei Tauberbischofsheim befehligte der württemb. Kriegsminister von Hardegg und versuchte fünfmal vergeblich den Ort wiederzuerobern. Das 8. Bundeskorps besetzte darauf eine Gefechtsstellung bei Gerchsheim, an die sich die bayr. Armee bei Helmstadt und Üttingen anschloß. Gegen diese Position ging 25. Juli die Mainarmee vor. Goeben griff bei Gerchsheim die Bundestruppen, Beyer bei Helmstadt die Bayern an; die Division Flies (vormals Division Manteuffel) wurde zunächst in Reserve gehalten und traf erst gegen Abend ein. In beiden Gefechten wurde der Feind zurückgedrängt. Prinz Karl von Bayern wollte 26. Juli selbst angreifen und rechnete dabei auf die Mitwirkung des 8. Bundeskorps. Diese Unterstützung blieb indessen aus. Da außer der Division Beyer auch die Division Flies vorrückte, so kam es 26. Juli bei Helmstadt und Roßbrunn zum Zusammenstoß mit der bayr. Armee. Die Verbündeten zogen sich hinter den Main zurück und nahmen östlich von Würzburg Stellung. Am 27. Juli rückte die preuß. Mainarmee auf der ganzen Linie gegen Würzburg vor und beschoß die Bergfeste Marienberg aus Feldgeschützen. Die aus Böhmen eintreffende Nachricht vom Waffenstillstande beendete jedoch die Operationen. Das in Leipzig gebildete 2. Reservekorps, bestehend aus mecklenb., altenb. und preuß. Truppen unter Befehl des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin, war 23. Juli über Hof in Bayern eingerückt, besetzte 27. Juli Kulmbach und die Plassenburg, 28. Juli Bayreuth, hatte 29. Juli kleine Gefechte gegen bayr. Infanterie bei Kolmdorf und Seubottenreut und erreichte 31. Juli Nürnberg, während die Mainarmee in Würzburg eingezogen war. Der Waffenstillstand begann 2. Aug. auch hier, und die Friedensschlüsse mit den einzelnen süddeutschen Staaten, die zugleich ein zunächst geheimgehaltenes Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen eingingen, folgten bald, 13. Aug. mit Württemberg, 17. mit Baden, 22. mit Bayern, zuletzt noch mit dem Großherzogtum Hessen 3. Sept. Österreich schied infolge der Friedensbedingungen aus Deutschland, behielt aber, wie Sachsen, seinen Besitzstand und willigte in die Errichtung eines Staatenbundes nördlich vom Main unter Preußens Führung, sowie in die Einverleibung von Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt a. M. in den preuß. Staat. Bayern und Hessen traten einige Grenzbezirke ab, der Großherzog von Hessen überdies die ihm kürzlich zugefallene Landgrafschaft Hessen-Homburg. Außerdem trat Hessen mit seinen nördlich des Main gelegenen Landesteilen dem Norddeutschen Bunde bei. Alle deutschen Staaten, die Preußen feindlich gegenüber gestanden hatten (Sachsen-Meiningen ausgenommen), mußten Kriegskosten zahlen, insgesamt über 48 Mill. Thlr. Der Friede mit Sachsen wurde 21. Okt., der mit Sachsen-Meiningen 8. Okt., der mit Reuß älterer Linie schon 26. Sept. geschlossen.

Litteratur. Der Feldzug von 1866 in Deutschland (redigiert von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes, Berl. 1868); Österreichs Kämpfe im J. 1866. Nach den Feldakten bearbeitet durch das k. k. Generalstabs-Büreau (3 Bde., Wien 1868 u. 1869); Offizieller Bericht über die Kriegsereignisse zwischen Hannover und Preußen (2 Tle., ebd. 1867; vom hannöv. Standpunkte); Anteil der königl. bayr. Armee am Kriege des J. 1866. Bearbeitet vom Generalquartiermeisterstabe (Münch. 1868); Der Anteil des königl. sächs. Armeekorps am Feldzuge 1866 in Österreich. Bearbeitet nach den Feldakten des Generalstabes (Dresd. 1869); Feldzugsjournal des Oberbefehlshabers des 8. Bundesarmeekorps (2. Aufl., Darmst. 1867); Die Operationen des 8. Deutschen Bundeskorps im Feldzug des J. 1866 (ebd. 1869); Borbstädt, Preußens Feldzüge gegen Österreich und dessen Verbündete im J. 1866 (5. Aufl., Berl. 1867); Dragomirow, Abriß des österr.-preuß. Kriegs im J. 1866 (aus dem Russischen übersetzt, ebd. 1868); Heinr. Blankenburg, Der Deutsche Krieg von 1866 (Lpz. 1867); W. Menzel, Der Deutsche Krieg im J. 1866 (2 Bde., Stuttg. 1867); Hiltl, Der Böhmische Krieg und der Mainfeldzug (4. Aufl., Bielef. 1876); Preußens Feldzug 1866 vom militär. Standpunkte (1.-3. Aufl., Berl. 1866); die von der topogr. Abteilung des preuß. Generalstabes bearbeiteten Pläne der Schlacht- und Gefechtsfelder von 1866; Verdy du Vernois, Die Teilnahme der Zweiten Armee am Feldzuge von 1866 (anonym, Berl. 1866); Knorr, Der Feldzug des J. 1866 in West- und Süddeutschland (Hamb. 1867); Der Bundesfeldzug in Bayern (1. bis 3. Aufl., Wenigen-Jena 1867); Fontane, Der deutsche Krieg (2 Bde., 2. Aufl., Berl. 1871); Trinius, Geschichte des Kriegs gegen Österreich und des Mainfeldzugs 1866 (ebd. 1886); v. d. Wengen, Geschichte der Kriegsereignisse zwischen Preußen und Hannover 1866 (Gotha 1886); Kunz, Feldzug der Mainarmee 1866 (Berl. 1890); Kanngießer, Geschichte des Krieges von 1866 (2 Bde., Bas. 1892).

Deutscher Landwirtschaftsrat, 1872 auf Anregung des Kongresses norddeutscher Landwirte durch Zusammenwirken der größern landwirtschaftlichen Vereinigungen aller deutschen Staaten begründete Vereinigung mit dem Zweck, die landwirtschaftlichen