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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsches Heerwesen (Kriegsmarine)

trontaschen zweckmäßig verändert. Mit Ausnahme der 1. und 2. Bataillone der Garderegimenter und der Grenadierregimenter Nr. 1-12 ward durchweg schwarzes Lederzeug eingeführt. Auch die Landwehrbezirkseinteilung wurde im Laufe der Jahre mehrfach geändert. Die Einführung wesentlicher Erleichterungen ist in nächster Zeit zu erwarten.

Die in den J. 1888-90 zum Teil geänderte Bewaffnung der Deutschen Armee ist 1892 folgende: 1) Infanterie: Feldwebel, Vicefeldwebel, die in gleichem Range stehenden Stabshoboisten, Stabshornisten und Zahlmeisteraspiranten: Infanterie-Offizierdegen n/M und Revolver 83; alle übrigen Unteroffiziere und Gemeine: Gewehr 88 und Infanterieseitengewehr. 2) Jäger und Schützen, Pionier- und Eisenbahnregiment dasselbe, jedoch Hirschfänger 71 bez. Faschinenmesser 71. 3) Kavallerie: Garde du Corps und Kürassierregimenter: Kürassierdegen 54; alle übrigen: Kavalleriedegen 1889 (seit 1890) und Stahlrohrlanzen (s. Lanze), letztere außer Portepeeunteroffizieren und Trompetern; alle Unteroffiziere und Trompeter: Revolver 83; Gemeine: Karabiner 88. 4) Feldartillerie: fahrende und reitende Batterien das Feldgeschütz C/73/88 (das bisherige schwere Feldgeschütz); Unteroffiziere und Mannschaften der reitenden Batterien: Artilleriesäbel und Revolver 83; die Fußmannschaften der fahrenden Batterien: Infanterieseitengewehr n/M und Revolver 83 (seit 1891). 5) Fußartillerie: die Chargen im Range des Feldwebels: Artillerie-Offiziersäbel und Revolver 83; Unteroffiziere und Gemeine: Karabiner 88 (seit 1891) und Infanterieseitengewehr 71. 6) Train: Unteroffiziere und berittene Mannschaften: Artilleriesäbel (auch Kavalleriesäbel a/M) und Chassepotkarabiner (Karabiner 71); die als Fußmannschaften ausgerüsteten Trainsoldaten: Infanterieseitengewehr n/M.

Seit 1888 hat die Infanterie das neue Exerzierreglement. Die Einführung eines kleinkalibrigen Magazingewehrs und des rauchschwachen Pulvers wurde 1890/91 vollendet. Die Taktik der Infanterie sowie die der andern Waffen erleidet dadurch einen völligen Umschwung, dessen Tragweite sich bis zu ihren äußersten Grenzen noch nicht übersehen läßt. 1890 wurden 2 Kavallerieinspecteure (s. d.) und eine Kavalleriekommission (s. d.) neu geschaffen, die Traininspektion in eine Traindepotinspektion (s. d.) verwandelt. Über die Veränderungen im Kriegsministerium und Generalstabe s. Preußen.

II. Kriegsmarine. Die Kriegsmarine des Deutschen Reichs steht unter dem Oberbefehl des Kaisers, dem der kommandierende Admiral für die Kriegstüchtigkeit des Personals verantwortlich ist. Die Verwaltung, deren Mittel jährlich durch den Marine-Etat des Reichstags festgestellt werden, geschieht unter Verantwortlichkeit des Reichskanzlers durch den Staatssekretär des Reichs-Marineamtes, der außerdem für die Kriegsbereitschaft des Materials (Schiffe und Küstenbefestigung) Sorge zu tragen hat. Die Marine gliedert sich in Marinebehörden und Marineteile. Zu erstern zählen Kommando- und Verwaltungsbehörden, Institute und Kommissionen. Oberste Kommandobehörde der Marine ist das Oberkommando (s. d.); demselben sind unterstellt: die Kommandos der Marinestationen der Ostsee und der Nordsee (Marine-Stationskommandos, s. d.), die Direktion des Bildungswesens der Marine (s. d.), die Marine-Inspektionen (s. d.), die Inspektionen der Marine-Artillerie (s. d.), des Torpedowesens (s. d.) und der Marine-Infanterie (s. d.) sowie die Marinekommandanturen; ferner alle Kommandobehörden zur See für die Dauer ihres Bestehens, also die Flotten-, Flottillen-, Geschwader-, Divisions- und Schiffskommandos. Oberste Verwaltungsbehörde ist das Reichs-Marineamt (s. d.); von diesem ressortieren folgende technische Institute: die Marinewerften (s. Werft) zu Kiel, Wilhelmshaven, Danzig, die Artillerie- und Minendepots zu Friedrichsort, Wilhelmshaven, Geestemünde, Cuxhaven, das Torpedodepot zu Friedrichsort, die Deutsche Seewarte zu Hamburg (s. Seewarte), ferner die Havariekommissionen (s. d.), die Schiffsprüfungskommission (s. d.), die Schiffsartillerie-Prüfungskommission (s. d.), das Torpedo-Versuchskommando (s. d.) und endlich sechs Küstenbezirksämter. Ferner bestehen folgende Verwaltungsbehörden: die Marine-Stationsintendanturen, Stationskassen, Bekleidungs- und Verpflegungsämter und die Marinelazarette zu Kiel, Friedrichsort, Wilhelmshaven und Jokohama. Die Marineteile zerfallen in solche zur See und solche am Lande. Die Marineteile zur See (die Flotte) werden unterschieden nach dem Kriegszweck der Schiffe und außerdem nach der Größe in Schiffe 1. bis 7. Ranges. Aus der nachfolgenden Schiffsliste ergeben sich auch die Grundsätze für die Benennung der Schiffsarten.

Sr. Maj. Schiffe und Fahrzeuge.

Namen Station Geschütze Deplacement in Tonnen Indizierte Pferdekräfte Geschwindigkeit in Knoten Jahr des Stapellaufes Besatzungsetat Schiffsklasse

1) Panzerschiffe.

I. Klasse.

Kurfürst Friedrich Wilhelm N 12 10033 9000 16 91 552 S. 1

Brandenburg N 12 10033 9000 16 91 552 "

Weißenburg N 12 10033 9000 16 92 552 "

Wörth N 12 10033 9000 16 92 552 "

II. Klasse.

König Wilhelm N 29 9757 8000 15 68 732 S. 1

Kaiser O 15 7676 8000 14 74 644 "

Deutschland O 15 7676 8000 14 74 644 "

Friedrich der Große N 6 6770 5400 14 74 544 S. 2

III. Klasse.

Preußen N 6 6770 5400 14 73 544 S. 2

Bayern O 8 7400 5600 14 78 377 S. 3

Sachsen O 8 7400 5600 14 77 377 "

Württemberg O 8 7400 5600 14 78 377 "

Baden O 8 7400 5600 14 80 361 "

Oldenburg N 10 5200 3900 15 84 377 "

IV. Klasse.

Siegfried N 3 3495 4800 17 89 257 S. 4

Beowulf N 3 3495 4800 16 90 262 "

Frithjof N 3 3495 4800 16 91 262 "

Heimdall N 3 3495 4800 16 92 262 "

Hildebrand N 3 3495 4800 16 92 262 "

Hagen O 3 3495 4800 16 93 262 "

2) Panzerkanonenboote.

Wespe N 1 1109 700 11 76 76 S. 5

Viper N 1 1109 700 11 76 76 "

Biene O 1 1109 700 11 76 76 "

Mücke N 1 1109 700 11 77 77 "

Skorpion N 1 1109 700 11 76 76 "

Basilisk O 1 1109 700 11 78 76 "

Chamäleon N 1 1109 700 11 78 76 "

Krokodil O 1 1109 700 11 79 76 "

Salamander N 1 1109 700 11 80 76 "

Natter O 1 1109 700 11 76 76 "

Hummel O 1 1109 700 11 76 76 "

Brummer N 1 866 1500 16 84 78 "

Bremse N 1 866 1500 16 84 78 "