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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsche Sprache (Ausbreitung)

Sprachinsel, deren Mittelpunkt Hatzfeld ist, liegt im Banat zwischen Mako, Nagy Becskerek, Temesvar und Arad; zahlreiche deutsche Ortschaften sind auch in dem östl. und südl. Banat zwischen Maros und Donau verstreut; zusammen (1880) etwa 450000 Köpfe. Alle diese (wie sie in Ungarn heißen) Schwaben, deren Zahl man 1880 noch auf über 6000000 schätzte, gehen der Magyarisierung entgegen. Ihr widerstehen die im 12. Jahrh. eingewanderten Siebenbürger Sachsen (über 200000 Seelen stark). Der Distrikt Groß-Kokel ist fast ganz deutsch. Eine Linie von Schäßburg westwärts, nördlich von Elisabethstadt bis Blasendorf, von hier südwärts bis westlich und südlich von Hermannstadt, dann über Fogaras und östlich und nördlich von Reps nach Schäßburg zurück umschließt die größte deutsche Sprachinsel. Im Burzenlande ist Kronstadt und Umgegend und der Strich von Törzburg über Zeiden nordwärts an der Aluta bis über Marienburg hinaus deutsch; im Rösnerlande Bistritz und Umgegend, südwestlich bis St. Georgen und südlich bis Tekendorf. Einzelne deutsche und halbdeutsche Ortschaften sind über ganz Siebenbürgen und Ungarn verstreut. Im ganzen Ungarn wird deutsch heute von mehr als 2 Mill. Menschen gesprochen. Auch in der Dobrudscha giebt es südöstlich von Tulcea mehrere deutsche Kolonien (zusammen etwa 3000 Köpfe). Zahlreich sind die deutschen Ansiedelungen in Galizien (1880: 324336 Deutsche, darunter etwa 240000 Juden) und der Bukowina, ebenso in Polen (hier wie dort namentlich von deutschen Juden) und seit Ausgang des 18. Jahrh. in den südruss. Provinzen Volhynien, Podolien, Bessarabien, Cherson, Taurien und Jekaterinoslaw und nördlich wie südlich vom Kaukasus (besonders in der Umgebung von Tiflis, wo sich seit 1820 Schwaben niedergelassen haben). Von der rumän. Grenze bis zum Asowschen Meer sitzen über 150000 Deutsche. Es seien hier die größern Sprachinseln namhaft gemacht. Im südl. Bessarabien wohnen am Kagylnyk Deutsche in 27 Dörfern auf einem Gebiete etwa von der Größe der Grafschaft Glatz. Deutsch ist die Gegend westlich von Odessa bis zur Mündung des Dnjestr. Westlich von Odessa liegen 33 deutsche Dörfer. Nordöstlich von Odessa und nordwestlich von Nikolajew bildet eine Gruppe von 13 Dörfern eine größere Sprachinsel. Am Dnjepr liegen westlich von Alexandrowsk die 1789 durch Mennoniten gegründeten deutschen Dörfer Schönberg, Chortiza, Neu-Osterwieck, Schönhorst, Neuendorf, Neuenburg, Rosenthal, Kronsweide und Einlage beieinander. Südöstlich davon, am Molotschna, ist die größte Kolonie in Südrußland gelegen, in einer Länge von 12 und in einer Breite von durchschnittlich 4 bis 5 Meilen, bestehend aus 88 Dörfern. Mennoniten haben die Kolonie zu Anfang dieses Jahrhunderts gegründet. Östlich davon bilden die Dörfer Marienfeld, Elisabethdorf, Eichwald, Werder, Kirschwald, Tiegenhof und Schönthal eine deutsche Sprachinsel von der Größe der Insel Rügen. Einen Flächenraum fast von der Größe des Königreichs Sachsen nehmen die 1768 gegründeten, heute über 300000 E. zählenden 173 deutschen Dörfer an der Wolga bei Saratow ein, zwischen Kamyschin und Wolsk. Endlich ist in Kurland und Semgallen, in Livland und Esthland seit dem 13. Jahrh. fast in allen größern Ortschaften neben der lettischen und esthnischen Grundsprache die D. S. die vorherrschende. Aber im ganzen Land machen die Deutschen kaum ein Zehntel der Bevölkerung aus.

Man schätzte die Zahl der Deutschsprechenden in allen fünf Erdteilen 1801 auf 30 Mill.; heute wird die deutsche Sprache von mehr als 70 Mill. Menschen gesprochen. Etwa ebenso viele sprechen russisch. Nur die engl. Sprache (130 Mill.) und die chinesische haben eine größere Verbreitung.

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