Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

111

Deutschfreisinnige Partei - Deutschkonservative Partei

d'Aurelle de Paladines, La première armée de la Loire (Par. 1872; deutsch Wolfenbüttel 1874-75); Chanzy, La deuxième armée de la Loire (8. Aufl., Par. 1888; deutsch Hannov. 1873); Faidherbe, Campagne de l'armée du Nord (Par. 1871; deutsch Cass. 1872); Bazaine, L'armée du Rhin (Par. 1871; deutsch Cass. 1872); Vinoy, Siège de Paris (Par. 1872); Ducrot, La défense de Paris (4 Bde., ebd. 1875-78); Favre, Le gouvernement de la défense nationale (3 Tle., ebd. 1871-75); d'Irrison d'Hérisson, Journal d'un officier d'ordonnance (ebd. 1885; deutsch Augsb. 1885); Boulanger, L'invasion allemande (3 Bde., Par. 1888-90; deutsch Wien 1888-91); Souvenirs du général Jarras, chef d'État-major général de l'armée du Rhin, 1870 (Par. 1892). - Verzeichnisse der über den Krieg veröffentlichten Schriften finden sich in der "Militärlitteraturzeitung" (Berlin) und im 12. Jahrgange der "Zeitschrift des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus". Die Verluste sind deutscherseits den für alle Kontingente veröffentlichten amtlichen Verlustlisten zu entnehmen sowie dem Werke: Engel, Verluste der deutschen Armeen im Kriege gegen Frankreich 1870/71 (Berl. 1872).

Deutschfreisinnige Partei, s. Deutsche freisinnige Partei.

Deutschgesinnte Genossenschaft, eine der Sprachgesellschaften des 17. Jahrh., die 1. Mai 1643 von Philipp von Zesen (s. d.) zu Hamburg gestiftet wurde, zerfiel in die Rosen-, Lilien-, Näglein- und Rautenzunft, nahm auch Frauen auf und erlosch bald nach 1705 ohne nachhaltige Wirkung. Ihr Gründer setzte sich und ihr die Reinigung der Muttersprache von allen fremden Ausdrücken zum Ziel, aber ohne Maß und Geschmack, sodaß er durch Lächerlichkeit sich selbst den Erfolg untergrub.

Deutsch-hannoversche Rechtspartei, gewöhnlich welfische Partei genannt, die 31. Dez. 1869 in Hannover gegründete Partei, welche als ihr Ziel, das sie nur durch gesetzliche Mittel zu erreichen sucht, die Wiederherstellung des Königreichs Hannover unter der welf. Dynastie betrachtet. Die Partei ist gegenwärtig (1894) durch 7 Mitglieder im Reichstag vertreten, von denen vier Hospitanten der Centrumsfraktion sind.

Deutschkatholiken, die Anhänger einer Reformbewegung in der kath. Kirche Deutschlands, die sich in der Zeit des immer stärker auftretenden Romanismus an verschiedenen Orten erhob, um schließlich mit der prot. Reformpartei in den Freien Gemeinden zusammenzugehen und zu erlöschen. Eine Anzahl Katholiken in Schneidemühl, überzeugt, daß die Lehre Jesu und seiner Apostel die Lehren der röm. Priester ausschließe, gründete 1844 eine Christkatholische Gemeinde. Sie erklärten die Bibel für die einzige Quelle des christl. Glaubens, verwarfen Cölibat, Fegfeuer und päpstl. Herrschaft, hielten aber fest an dem Dogma der Trinität, den sieben Sakramenten und der Messe und wählten den Priester Czerski (s. d.), der sich von der röm. Hierarchie losgesagt hatte und in den Ehestand getreten war, zu ihrem Pfarrer (1844). Um diese Zeit setzte Joh. Ronge (s. d.) Schlesien und das kath. Deutschland in Aufregung durch seinen energischen Protest gegen die Ausstellung des Heiligen Rockes (s. d.) in Trier und das "Götzenfest" daselbst. Allerorten erhob sich der nationalgesinnte Klerus und der aufgeklärte Laienstand. In Breslau bildete sich (1845) eine große Deutschkatholische Gemeinde, die den inzwischen exkommunizierten Ronge zu ihrem Pfarrer berief und mit allen altkirchlichen Überlieferungen zu brechen entschlossen war. Sie stellte der Heiligen Schrift die Vernunft zur Seite und forderte eine von jeder Autorität freie Auslegung der Bibel. An Stelle des apostolischen Symbols setzte sie ein neues Bekenntnis, das den zweiten Artikel gänzlich umgestaltete und alle dem modernen Denken anstößigen Punkte beseitigte. Infolge von Ronges Agitationsreisen entstanden zahlreiche andere deutschkath. Gemeinden, die noch 1845 zu Leipzig ein Konzil abhielten, auf dem Czerski die strengere Kirchengläubigkeit und das apostolische Bekenntnis samt der Lehre von der Gottheit Christi vertrat. Die Mehrheit huldigte rationalistischen Anschauungen, wie sie in Breslau zur Anerkennung gekommen waren, doch unter Festhalten an der Heiligen Schrift und an dem Glauben an Jesus Christus. Dieser dogmatische Gegensatz führte zu Kämpfen zwischen Czerski und Ronge, die erst später beigelegt wurden. Inzwischen wuchs die Zahl der D. von Tag zu Tag; auch Anton Theiner (s. d.) schloß sich vorübergehend an. In Österreich und Bayern verboten und ausgewiesen, fanden sie in Preußen Duldung. Man betrachtete die Bewegung vielfach als den Anfang zur Wiedergeburt der kath. Kirche. Diese selbst aber hatte für die Rongesche Sekte nur Bann und Fluch und bot alles auf, ihr Fortschreiten zum Stillstand zu bringen. Ende 1846 zählte man 100000 D., davon die Hälfte in Schlesien. Das zweite 1847 zu Berlin abgehaltene, 157 Gemeinden umfassende Konzil gab den Einzelgemeinden große Unabhängigkeit, den Frauen Stimmrecht und dem Kultus eine überaus einfache Gestalt.

Das Jahr 1848 schien der neuen, auch von Protestanten willkommen geheißenen Kirche günstig zu sein; aber unter den Stürmen der Revolution erkaltete das religiöse Interesse. Ronge, als Abgeordneter der Demokratie, protestierte gegen die Wahl eines Reichsverwesers als Volksverrat, Prediger Dowiat erklärte die socialpolit. Zwecke für die Hauptsache der D. Die 1850 vollzogene Verschmelzung mit den Freien Gemeinden (s. d.) auf dem Grund voller Selbständigkeit der Einzelgemeinde überantwortete den Deutschkatholicismus der Reaktion. In Österreich wurde den Freichristlichen Gemeinden die Anerkennung entzogen, in Bayern wurden sie als polit. Gesellschaften geschlossen, in Preußen jede Unterstützung aus Kommunalmitteln verboten, da es sich nur um einen auf den Umsturz der bürgerlichen und socialen Ordnung gerichteten polit. Verein handle. Manche ihrer Prediger wurden ausgewiesen, Ronge lebte als Flüchtling in London, und die Gemeinden verfielen nicht ohne eigene Schuld. 1863 sammelten Ronge und Czerski die Trümmer derselben in dem Religiösen Reformverein. Nur einige deutschkath. Gemeinden haben sich lebensfähig erwiesen und bis jetzt erhalten. 1890 zählte man im Deutschen Reiche 5714 D. - Vgl. Ed. Bauer, Geschichte der Gründung und Fortbildung der deutsch-kath. Kirche (Meiß. 1845); Kampe, Wesen des Deutschkatholicismus (Tüb. 1850); ders., Geschichte der religiösen Bewegung der neueren Zeit (Bd. 4: Geschichte des Deutschkatholicismus und freien Protestantismus in Deutschland und Nordamerika, Lpz. 1860).

Deutschkonservative Partei, polit. Partei in Deutschland, die auf einer 7. Juni 1876 in Frankfurt a. M. abgehaltenen Versammlung mit dem Zwecke gegründet wurde, die Sammlung der konservativen Elemente aller verschiedenen Schattierungen