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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutschland und Deutsches Reich (Forstwirtschaft. Jagd und Fischerei. Bergbau etc.)

15,0 Mill. M. ausgeführt. Bei Käse stieg die Einfuhr von 4,9 auf 11,5 Mill. M., die Ausfuhr fiel von 5,2 auf 1,4 Mill. M.

Der Federviehzucht widmet der deutsche Landmann große Aufmerksamkeit, und berühmt ist die pommersche Spickgans im Norden wie der welsche Hahn und Kapaun im Süden. Die Einfuhr von Eiern hat sich von 1880 bis 1892 fast verfünffacht; sie stieg von 14,7 Mill. M. auf 70,9 Mill. M. Die Eier kommen meist aus Böhmen, Galizien, Ungarn und Polen; ein großer Teil wird durch die Fabrikation von Albuminpapier (Dresden) und Leder verbraucht. Die Pflege der Seidenraupe geschieht spärlich; die Bienenzucht (1883: 1911748, 1892: 2034479 Stöcke) ist nur noch in den nordwestl. Heidestrecken von Bedeutung; 1892 wurden für 1,9 Mill. M. Honig eingeführt.

Forstwirtschaft. Mit der Ausdehnung des Ackerbaues sind die Wälder Deutschlands immer mehr gelichtet worden und bedecken durchschnittlich noch den vierten Teil der Bodenfläche. Am waldreichsten sind die Provinz Hessen-Nassau (40 Proz.), Baden (34), Bayern (33), Sachsen (29), Württemberg (28), Königreich Preußen (23), Provinz Hannover (15), Pommern (18). 1883 waren 13900612 ha bestanden mit Forsten und Holzungen, darunter 4800055 ha Laubholz (2043132 ha Buchen, 486913 ha Eichenhoch-, 433000 ha Eichenschälwald), 9100557 ha Nadelholz (5921518 ha Kiefern und Lärchen, 3132985 ha Fichten und Tannen). Von der gesamten Waldfläche sind etwa 33 Proz. Staats- und Kronforsten, 15 Proz. Gemeinde-, 4 Proz. Stiftungs- und Genossen-, 48 Proz. Privatforsten. Ausgedehnte waldlose Ebenen sind im nordwestl. Deutschland. Von den deutschen Hauptholzarten nimmt die Eiche heute nur beschränkten Raum ein; über das ganze Gebiet, mit Ausnahme der höhern Gebirgslagen, zerstreut, findet sie sich als Hochwald vorzüglich im nördlichen und westlichen, als Schälwald besonders im westl. und mittlern Deutschland. Die Buche erstreckt sich von den Küsten der Ostsee über das ganze, vorzugsweise über das westl. Gebiet, steigt im Gebirge höher als Eiche, hat aber vielfach dem Nadelholz weichen müssen. Die Kiefer ist besonders verbreitet im norddeutschen Tiefland, während die Fichte ihre eigentliche Heimat im Gebirge hat. Im Schwarzwald, namentlich in den Vogesen, nimmt die Stelle der letztern die Weißtanne ein. Die nördl. Bruchgegenden sind in geringer Ausdehnung Heimat der Schwarzerle. Die überall zerstreut vorkommende Birke ist hauptsächlich Baum des nordischen Tieflandes. In den südl. Gebirgen, namentlich in den Alpen, tritt vielfach die Lärche auf, an den milden Hängen des Schwarzwaldes und im Elsaß findet sich die gute Kastanie. Die Wälder sind meistens reich an Beeren aller Art, namentlich Heidel- und Preißelbeeren, deren Einsammeln vielerorts eine lohnende Erwerbsquelle der ärmern Bevölkerung bildet; an nahrhaften Pilzen, u. a. Steinpilzen, fehlt es, namentlich in Buchenwäldern, nirgends. Während früher mehr die rohen Stämme als Nutzholz ausgeführt wurden, werden dieselben jetzt meist an Ort und Stelle zugerichtet und gehen als Halb- oder Ganzfabrikate fort. Es wurden 1880 ausgeführt 462048 t rohes, 365088 t gesägtes Bau- und Nutzholz und 187943 t Brennholz, 1892 dagegen nur 194082 t, 85257 t und 112832 t. Die Forstkultur ist ausgezeichnet; dieselbe verdankt Deutschland ihre erste wissenschaftliche Bearbeitung.

Jagd und Fischerei. Unter den wilden Säugetieren findet sich der Bär nur in den Alpen, der Wolf ebendaselbst und als Überläufer von den Ardennen auf dem westniederrhein. Schiefergebirge; beide sind Gegenstand hartnäckiger Verfolgung. Die in Deutschland auch oft als beiläufige Liebhaberei betriebene Jagd hat zum Ziele überall Rehe, Hirsche, Hasen, wilde Kaninchen, wilde Schweine und Füchse, Gemsen in den Alpen, sehr selten den dortigen Steinbock, den Luchs noch in einzelnen Sudetenteilen, während man dem Marder, Wiesel, Dachs und dem Fischotter fast überall, dem Hamster aber besonders nur in Thüringen und den Harzgegenden nachstellen kann. Die Ufer der vielen Seen und Flüsse, die Wälder und bebauten Felder sind Wohnsitze verschiedener Vogelarten. Lämmergeier und Steinadler kommen nur in den höhern Alpen vor; Rebhühner, Schnepfen, Drosseln, Wachteln, Lerchen finden sich überall; Trappen, Störche, wilde Gänse und Enten lieben die nördl. Ebenen. Eine große Vogelschar verläßt Deutschland im Winter.

Der frühere Reichtum der deutschen Gewässer an Fischen hat infolge der Verunreinigung der laufenden Gewässer und der Raubfischerei erheblich abgenommen; doch soll diesen Übelständen durch ein in den letzten Jahren erlassenes Fischereigesetz sowie durch künstliche Fischzuchtanstalten (z. B. in Hüningen) abgeholfen werden. Der Fang von Seefischen, deren Konsum ständig zunimmt, sowie der Heringsfang beschäftigt viele Hände an der Nord- und Ostsee; weit versendet wird der Helgoländer Hummer, der Hainburger Schellfisch, die Bremer und Lüneburger Bricke. Bekannt ist der Stör und Wels der Elbe, der Lachs des Rheins, der Weser und Elbe, der Aal Pommerns und der Spree; Hechte, Schleien und Karpfen fast überall; die Forelle der Gebirgsflüsse und Bäche, selbst die Muräne einiger Pommerscher Seen u. s. w. Austern liefert Schleswig; Perlenmuscheln finden sich in mehrern deutschen Flüssen. Eingeführt wurden (1892) für 13,7 Mill. frische, für 3,8 Mill. M. geräucherte, gesalzene und getrocknete Fische, und für 28 Mill. M. Heringe, ausgeführt für 5,8 Mill. M. Fische überhaupt.

Bergbau, Salinen-und Hüttenwesen. (Hierzu: Karte der Industrie, der Bergwerks- und Hüttenproduktion im Deutschen Reich.) Der Bergbau beschäftigt viele Menschen und bietet der Industrie großes Material. Gold wird nur in geringer Menge (1892: 3859 kg = 10736000 M.), Silber vielleicht mehr als irgendwo in Europa gewonnen (489350 kg = 57229000 M.), namentlich im Harz (56396 kg = 6678871 M.), im sächs. Erzgebirge (94830 kg = 11103000 M.), Oberschlesien (Tarnowitz 8477 kg = 1006000 M.), Hannover (49342 kg = 5837022 M.); Zinn (1892: 684,051 t = 1239892 M.), namentlich in Sachsen im Erzgebirge. An Blei ist Überfluß (1892 Blockblei: 97742 t = 20,547 Mill. M.), vorzüglich in der Provinz Rheinland (41,5 Mill. kg = 8642700 M.), in Oberschlesien (18,3 Mill. kg = 3525700 M.), Hessen-Nassau (14,1 Mill. kg = 3292200 M.) und Königreich Sachsen (6,8 Mill. kg = 1517500 M.). Kupfer ist vielfach verbreitet (1892 Blockkupfer: 24781 t = 24,758 Mill. M.) und wird am meisten gewonnen im Oberbergamtsbezirk Halle (15686 t = 15,773 Mill. M.), in den übrigen preuß. Hütten 5873 t = 5762000 M. u. s. w. Am ausgedehntesten ist die Ausbeute an Roheisen (1892: 4937461 t = 229,296 Mill. M.), besonders ausgezeichnet in