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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutschland und Deutsches Reich (Industrie und Gewerbe)

werke, mit allen diesen wiederum Walzwerke verbunden, in denen Schienen- und Schienenbefestigungsteile, Eisenbahnschwellen, Eisenbahnachsen, Räder, Radreifen, Walzeisen, Platten und Bleche, Draht aller Art u. s. w. hergestellt werden. Meist finden sich alle diese Werke in demselben Bezirk vereinigt. Die guten Eigenschaften des deutschen Eisens sicherten dem Stabeisen, den eisernen Schwellen, Achsen und Rädern, dem Eisendraht und Eisenblech einen wohlverdienten guten Ruf, und obgleich dieses deutsche Schweißeisen teurer ist als das englische und belgische, so verdient es doch seiner großen Festigkeit und Zähigkeit wegen den Vorzug. Dasselbe gilt von den Blechen und Platten, vom Draht u. s. w. Seitdem indessen der Stahl anfängt, das Schweißeisen zu verdrängen, macht sich leider der besondere Vorzug der deutschen Eisenmischung in solchem Grade nicht mehr geltend, und heute besteht zwischen gleich gut gearbeitetem ausländischen und deutschen Flußeisen (Stahl) in Bezug auf Festigkeit und Zähigkeit des Materials kaum noch ein Unterschied. Trotzdem behauptet die deutsche Eisenindustrie, allerdings unterstützt durch die wieder eingeführten Schutzzölle, nicht nur im einheimischen Absatz, sondern auch auf dem Weltmarkte eine hervorragende Stellung. Krupp (s. d.) in Essen, das größte Privatwerk der Erde, beschäftigt 1894 über 23000 Arbeiter, die Königs- und Laurahütte in Oberschlesien 12000, Union-Dortmund 9000, de Wendel & Co. in Hayingen 10000, Gutehoffnungshütte-Oberhausen-Sterkrade 9000, der Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation (s. d.) 8000, die Werke in Ilsede und Peine 3000, Gebrüder Stumm-Neunkirchen (Reg.-Bez. Trier) 3000 Arbeiter, denen sich andere 22 Werke mit je 1000-2000 Arbeitern anschließen. Im ganzen waren in der Groß-Eisenindustrie 1880: 163899, 1892: 228731 Arbeiter beschäftigt. Die Produktion ist seit Wiedereinführung mäßiger Schutzzölle 1879 stetig gestiegen, und nur 1892 hat infolge des schlechten Geschäftsgangs ein kleiner Rückschritt stattgefunden.

Der Fortschritt der deutschen Eisenindustrie erhellt aus folgender Gegenüberstellung der Jahre 1880 und 1892:

Fabrikate 1880 t 1892 t

Eisenhalbfabrikate (Luppen, Ingots u. s. w.) zum Verkauf 127347 863488

Geschirrguß (Poterie) 44715 65933

Röhren 70064 205813

Sonstige Gußwaren 165711 799225

Eisenbahnschienen und Schienenbefestigungsteile 481028 542860

Eiserne Bahnschwellen und Schwellenbefestigungsteile 72559 129830

Eisenbahnachsen, Räder, Radreifen 73096 98420

Handelseisen, Fein-, Bau-, Profileisen 681984 1402460

Platten und Bleche außer Weißblech 204727 430354

Weißblech 8869 27537

Draht 233122 437070

Geschütze und Geschosse 10363 19865

Andere Eisen- und Stahlsorten (Maschinenteile, Schmiedestücke u. s. w.) 289987 142182

Summa der Fabrikate t 2463572 5165039

Wert " " M. 437457614 675417653

Hiervon entfallen:

Auf Gußwaren t 551721 1011380

" Schweißeisenartikel t 1358470 1363293

" Flußeisenartikel t 660591 2756217

Auf Luxemburg entfielen (Eisenfabrikate) t 1702 6281

Weißblech wird nur auf sechs Hüttenwerken in Rheinland-Westfalen und Deutsch-Lothringen geliefert. Trotz aller Anstrengungen scheint die engl. Massenfabrikation von Weißblech dem Aufschwung der deutschen Produktion hinderlich zu sein. Kanonen und Geschosse liefert in erster Linie Krupp, dann der Bochumer Verein, das Grusonwerk (Buckau-Magdeburg), neuerdings auch Phönix (Laar bei Ruhrort). - 1893 wurden eingeführt: 227687 t Roheisen und Halbfabrikate (5,3 Proz. der einheimischen Roheisenproduktion), ausgeführt 227194 t (5,2 Proz.). Von Eisen- und Stahlfabrikaten wurden 58946 t (1,2 Proz.) eingeführt, dagegen 985754 t (19,9 Proz.) ausgeführt.

Die vorhandenen 1193 Eisengießereien (1011380 t Gußwaren) sind durch das ganze Reich verteilt und befinden sich, insoweit sie mit dem Maschinenbau verbunden sind, vorzugsweise in den großen Städten, sonst meist in den Bezirken der Hochöfen und Walzwerke.

Eine wichtige Rolle spielt die sog. Kleineisenindustrie, die außer Eisen auch Messing, Kupfer, Zink, Zinn, Bronze, Blei und Legierungen dieser Metalle zu Haushaltungsgegenständen, Schlüsseln und Schlössern, Nägeln, Stiften, Griffen, Haken, Schnallen, Hefteln, Öfen, Metallknöpfen, Werkzeugen, Beschlägen, Gerätschaften aller Art u. s. w. verarbeitet. Den Hauptsitz dieser Kleineisenindustrie bilden die Gegenden von Hagen, Remscheid, Iserlohn, Altena, Lüdenscheid, Solingen. Für diesen Erwerbszweig bestehen große Fabriken mit Hunderten von Arbeitern, aber auch Tausende von kleinen Betrieben, die mit Wasserkraft oder ohne solche mit Frau und Kind bez. mit wenigen Gehilfen arbeiten. Die Erzeugnisse gehen in großen Mengen nach allen Teilen der Erde. Hieran schließen sich die großartig entwickelte Nadelindustrie (Aachen-Burtscheid, Altena, Iserlohn, Lüdenscheid u. a. O.); ferner die Herstellung von Messern, Scheren und Waffen (Solingen, Hagen, Gevelsberg [Reg.-Bez. Arnsberg], Remscheid), von Sensen, Sicheln, Schrauben, Nieten, Winden, Äxten, Beilen u. s. w. Für die Herstellung aller dieser Waren kommen außerdem, wenn auch nicht in gleicher Ausdehnung, das sächs. Erzgebirge, Oberschlesien, Bayern, Württemberg und das Elsaß in Betracht.

Maschinenindustrie. 1882 waren für die Herstellung von Maschinen und maschinellen Apparaten 9325 Betriebe mit 171298 Arbeitern vorhanden. In 2919 Betrieben mit 149794 Arbeitern wurde die menschliche Arbeitskraft durch Motoren (Dampf, Wasser, Wind) ersetzt bez. ergänzt. Seitdem hat sich diese Industrie erheblich gesteigert, sodaß der deutsche Maschinenbau 1894 über 200000 Arbeiter in etwa 10000 Betrieben beschäftigt. Daß die deutsche Maschinenindustrie auch im Auslande in hohem Ansehen steht, danken die einzelnen Werke nicht bloß ihrer Kapitalkraft und ihrer kaufmännisch tüchtigen Leitung, sondern vor allem der Thatsache, daß wie im Berg- und Hüttenwesen auch im Maschinenbau der deutsche Techniker in seiner wissenschaftlichen Ausbildung andern Ländern gegenüber eine hervorragende Stellung einnimmt. In Bezug auf den auswärtigen Handel betrug die Ausfuhr durchschnittlich etwa 1½ der Einfuhr sowohl dem Gewicht wie dem Werte nach. 1893 wurden eingeführt 41127 t (29,9 Mill. M.), ausgeführt 96125 t (67,6 Mill. M.). Die Preise der wichtigsten Maschinengattungen betrugen für eine Tonne in Mark: