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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutschland und Deutsches Reich (Handel)

und Westpreußen, wohl auch in Pommern, Mecklenburg und Schleswig-Holstein der Branntwein noch immer den Biergenuß beschränkt. - Die Branntweinbrennerei im Gebiet der gegenwärtigen Steuergemeinschaft (ohne Luxemburg) hatte folgenden Umfang:

1887/88 1891/92

Zahl der Brennereien 48415 59789

Branntwein (100% Tralles) hl 3058000 2948000

Branntweineinfuhr t 7325 3029

Branntweinausfuhr t 32459 12699

Die Bezirke mit mittlerm Sandboden, worin die Kartoffel am besten gedeiht, also die Provinzen Brandenburg, Pommern, Posen, größere Teile von Ost- und Westpreußen, die nördl. Bezirke von Schlesien und Königreich Sachsen, zum Teil auch Hannover, sind zugleich auch die Hauptgebiete der Spiritusfabrikation, der sich für die Rektifikation in Sprit Berlin, Breslau, Posen, Stettin, Magdeburg,Danzig anschließen. Der Branntweinverbrauch im Branntweinsteuergebiet zeigt folgendes Bild:

Betriebsjahr An reinem Alkohol wurden 1) gegen Entrichtung der Verbrauchsabgabe oder des Eingangszolls in den freien Verkehr gesetzt: inländ. Branntwein 1000 hl ausländ. Branntwein zusammen auf den Kopf der Bevölkerung l 2) zu gewerblichen Zwecken u. s. w. abgabenfrei verabfolgt: zusammen 1000 hl auf den Kopf der Bevölkerung l 3) im ganzen in den freien Verkehr gesetzt: 1000 hl auf den Kopf der Bevölkerung

1887/88 1683,7 11,0 1694,7 3,6 387,6 0,8 2082,3 4,4

1888/89 2178,7 21,4 2200,1 4,5 431,3 0,9 2631,4 5,4

1889/90 2265,8 30,7 2296,5 4,7 531,3 1,1 2827,8 5,8

1890/91 2156,5 46,8 2203,3 4,4 519,1 1,0 2722,4 5,5

1891/92 2162,2 30,3 2192,5 4,4 551,3 1,1 2743,8 5,5

Über den Wein- und Tabakbau s. oben Landwirtschaft (S. 126). Die Fabrikation von Cigarren ist im Königreich Sachsen sehr verbreitet, nahezu in jeder Stadt, oft sogar auf dem platten Lande. Hauptplätze sind Dresden, Freiberg, Oederan, Leipzig. Im übrigen Deutschland finden sich überall größere und kleinere Fabriken zerstreut. Mittelpunkte der Fabrikation sind wiederum größere Orte: Berlin, Elbing, Braunsberg, besonders Hamburg und Bremen. Bremen (s. d.) ist der wichtigste Platz für die Einfuhr ausländischer Tabake. Der Verbrauch von Tabak im Deutschen Zollgebiet betrug in den J. 1871/72-1875/76: 1,8; 1876/77-1880/81: 1,7; 1881/82-1885/86: 1,4; 1886/87-1892/93: 1,5, im Durchschnitt der letzten 30 Jahre 1,5 kg auf den Kopf der Bevölkerung berechnet.

Ein Gesamtbild über die Bedeutung der deutschen Industrie und des deutschen Handels giebt die Tabelle unten (S. 138), in der die Jahre 1880 und 1892 einander gegenübergestellt sind. Und doch handelt es sich dort trotz eines Gesamtumsatzes von rund 7800 Mill. M. der Ein- und Ausfuhr nur erst um den Handelsverkehr des Deutschen Reichs mit dem Auslande, nicht um die viel höhern, jedoch unbekannten Umsätze des einheimischen Verbrauchs, der Jahr- und Wochenmärkte, des Absatzes der Kaufleute, der Handwerker, der Transportgewerbe, kurz aller der vielen Bedarfsartikel, die tagaus, tagein ge- und verbraucht werden.

Obgleich offenbar in der Abnahme begriffen, fällt, wie bereits erwähnt, der Hausindustrie (s. d.) in der Herstellung mancher Erzeugnis noch heute ein beachtenswerter Anteil zu und zwar besonders da, wo die Maschine die Kunstfertigkeit der menschlichen Hand entweder noch gar nicht oder nur erst zum Teil zu ersetzen vermag. Jede Verbesserung derartiger Maschinen hat jedoch einen Rückgang der betreffenden hausindustriellen Beschäftigung zur Folge, und nur die Näh- und Strickmaschine, deren Betrieb keiner besondern Anstrengung und daher keines maschinellen Motors bedarf, machen hierin eine Ausnahme. Hausindustriell war bis vor wenig Jahrzehnten in der Hauptsache die Spinnerei und Weberei in Leinen, Wolle und Baumwolle entwickelt, und zwar in denselben Bezirken, in denen jetzt (s. Industriekarte) dieselben Branchen in den Fabriken konzentriert sind. Die Spinnmaschine und der Maschinenwebstuhl haben aus andern Bezirken die früher vorhandene Hausindustrie der Webstoffe verschwinden lassen. Dieselbe besteht noch für Leinen in Schlesien, Lausitz, bei Bielefeld, in Württemberg; für Baumwolle im Königreich Sachsen, Thüringen, in der Rheinprovinz, Schwaben, Franken; für Wolle in der Rheinprovinz, der preuß. Lausitz, den Königreichen Sachsen und Württemberg; für Seide in Krefeld und Barmen. Den Wettbewerb mit dem Maschinen- und Fabrikbetrieb vermag sie jedoch auf die Dauer nicht auszuhalten und ihrem frühern oder spätern Erlöschen ist nicht vorzubeugen. Das Spitzenklöppeln und die Herstellung von Posamentierwaren haben sich im sächs. Erzgebirge (vor 300 Jahren eingeführt) erhalten, ebenso die Verfertigung von Spielwaren in Thüringen, Sachsen, Nürnberg, das Strohflechten in Württemberg und Sachsen, das Handschuh- und Wäschenähen an vielen Orten der deutschen Gebirge, die Handstickerei ebendaselbst und als Erwerb mancher Familie in den Städten, die Uhrenindustrie des bad. wie württemb. Schwarzwaldes, die Herstellung von Gold- und Silberschmucksachen in Hanau, Pforzheim und Gmünd, von künstlichen Blumen in Sachsen, von Meerschaumpfeifen in Ruhla, von Schnitzereien in den bayr. Alpen, Silber- und Goldgespinsten in Freiberg. Zu nennen wären weiter die Cigarrenfabrikation in Sachsen und die Kleineisenindustrie in Westfalen, obgleich eine Vorbedingung der Hausindustrie, nämlich die Lieferung des Rohstoffs oder Halbfabrikats seitens des Verkäufers der fertigen Waren seltener erfüllt wird. In allen diesen Branchen wird sich aber der Zug der Neuzeit in dem Übergang zur Massenfabrikation durch den Fabrikbetrieb gleichfalls geltend machen.

Handel. Deutschland nimmt im Welthandel gegenwärtig die zweite Stelle ein und wird nur noch