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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dévabénya - Devaux
Staatslehrerseminar, Altertumsmuseum, Komitats-
spital, mehrere Fabriken und lebhaften Handel,
namentlich mit Holz. Oberhalb der Stadt auf stei-
lem Trachytkegel ("Schloßbcrg", 18? m hoch) die
Ruine der Feste D., welche in der siebcnbürg. Gc-
^ schichte eine Rolle spielte und bis 1849 zum Gefäng-
nis diente. Hier legte 18. Aug. 1849 eine Abteilung
der ungar. Revolutionstruppen die Waffen nieder.
D. ist Geburtsort des ungar. Reformators Dsvai
Devabänya, s. D^vavänya. ^(s. d.).
Devadäfi, s. Bajaderen.
Dövai (Dövay), Matthias (eigentlich De'vai
Virö Mätyas, d. i. Matthias Birö von De'va),
ungar. Kirchenreformator, geboren um 1500 zu
Deva in Siebenbürgen, studierte an der Universität
Krakau und trat nach seiner Heimkebr in einen geist-
lichen Orden. 1527 war er kath. Priester zu Bol-
dogkö bei Kaschau und ging 1529 nach Wittenberg,
wo er mit Melauchthon in ein freundschaftlichem
Verhältnis trat. D. begann seine rcsorm. Thätig-
keit Anfang 1531: er wurde damals von Ofen nach
Kaschau als Stadtprediger berufen, dort jedoch ge-
fangen genommen und nach Wien abgeführt. Hier
aus dem Gefängnisse entlassen, erlitt er 1532 durch
Zäpolya in Ofen dasselbe Los. Nachdem er 1534
die Freiheit erlangt hatte, lebte er als Schützling
des Grafen Thomas Nädasdy in Sarvar, wo er
mehrere seiner theol. Streitschriften verfaßte. 1537
war er abermals in Wittenberg, dann in Bafel, wo
er den Schweizer Reformatoren persönlich nahe trat,
und von wo er Ende 1537 in die Heimat zurück-
kehrte. In Ncu-Sziget errichtete er mit dem Schul-
rektor Johann Sylvester (Erdösi) eine Vuchdruckcrei
und veröffentlichte Jugend- und Volksfchriften im
Interesse der Reformation. 1541-43 verweilte D.
zum drittenmal im Auslande, und Ende 1543
wandte er sich offen den Lehren der Schweizer zu.
Schon im April 1544 erklärte sich Luther gegen D.
Dieser wurde nun der eifrigste Apostel des helvet.
Bekenntnisses, das er namentlich unter den Magya-
ren rasch verbreitete. Er selber übernahm das Amt
eines Pastors und Dekans seiner Kircke zu Tebreczin,
wo er spätestens 1547 starb. Dem Wirken D.s ist
es zuzuschreiben, daß die Calvinische Lehre unter
den magyar. Protestanten das herrschende Bekennt-
nis wurde, sodaß mau sie "nia^ar liiw, den "magyar.
Glauben" nennt, im Gegensatze zu dem Bekennt-
nis Luthers, das "N6mot Kit" ("deutscher Glaube")
heißt. - Vgl. Rsve'sz, Das Leben und die Schriften
des ersten magyar. Reformators Mattbias Birö
von D. (ungansch, Pest 1863).
Devalvation (neulat.), die Herabsetzung des
Nennwertes einer Geldsorte durch die Staats-
gewalt. Bei Metallmünzeu wird die D. natürlich
nur dann vorkommen, wenn vorher der Nominal-
wert über ihren Gehalt künstlich gesteigert war,
wie dies früher namentlich bei Scheidemünzen oft in
höchst mißbräuchlichem Umfange gcschab. Das rich-
tige Mittel, um eine durch ein Übermaß geringhal-
tiger Münze entstandene Zerrüttung des Geldwesens
zu heben, kann nur in der Einziehung derselben zu
dem Emissions-, also zum Nennwerte gesebenwerden.
Eine D. dagegen, welche den schaden dem zufälli-
gen Besitzer der Münzen zuschiebt, ist eine Art von
partiellem Staatsbankrott und jedenfalls eine un-
billige Maßregel, wenn auch die Staaten in finan-
zieller Bedrängnis sie nicht selten ergriffen haben.
So wurden in Preußen 1808 und 1811 die früher
im Betrage von über 42 Mill. Tblrn. geprägten
Scheidemünzen im ganzen um vier Siebentel ihres
Nennwertes herabgesetzt.
In der neuern Zeit kommt die D. hauptsächlich
nur bei entwertetem Papiergeld in Frage. Es
handelt sich dann darum, ob dasselbe durch Ein-
ziehung gegen Metallgeld so weit gehoben werden
soll, bis es seinen ursprünglichen Nennwert wieder
erreicht hat, das Metallagio also verschwunden ist,
oder ob der geltende niedrige Kurs des Papiers
siriert und dasselbe nach diesem Werte gegen Me-
tallgeld oder gegen ein neues, in Metall einlösliches
Papiergeld umgetauscht werden soll. Die letztere
Maßregel wäre eine D. und unter Umständen eine
Benachteiligung namentlich der ausländischen Gläu-
biger. Insbesondere spricht gegen sie auch noch der
Umstand, daß man den Einlösungswcrt des Papiers
nach dem Metallagio bestimmen mühte, das aber
keineswegs einen richtigen Maßstab fürdieWertvcr-
minderung des Papiergeldes gegenüber den Waren
und Lebensbedürfnissen im Inlandc darbietet. Gleich-
wohl wird praktisch die D. regelmäßig den Vorzug
erbalten, wenn die Entwertung des Papiergeldes
eine sehr große ist und sie in ähnlichem Maße schon
seit längerer Zeit, etwa seit mehrcru Jahrzehnten
bestanden hat. Diese Gründe konnte z. V. Rußland
geltend machen, als es 1839 je 3^ Rubel Assignaten
gegen einen Silberrubel (in einlöslichen Kredit-
bil'leten) einzog. (Vgl. A. Wagner, Nuss. Papier-
wäbrung, Kap. 5-8, Riga 1868.)
Neuerdings ist in Österreich-Ungarn durch die
Regulierung der Valuta eine D. der bisherigen
Landessilbermünzcn und der Papiergeldzeichen ver-
anlaßt worden. DerUmrechnnngssatz ist danach auf
2 Kronen für 1 Fl. festgestellt worden (Gesetz vom
2. Aug. 1892). Da die neu geprägte Krone nur
einen Wert von etwa 0,85 M. hat, so wird hierdurch
^ der Wert der alten Silber- und Papiergulden, die
, nach dem Nennwerte gleich 2 M. zu rechnen sind, auf
> 1,70 M. berabgcdrückt. Diefer Umrechnungskurs
^ schließt sich nicht dem Tageskurs an, sondern ve-
rübt auf einem Durchschnittssatz, dessen Berech-
nung freilich von verschiedenen Seiten als will-
kürlich bezeichnet wird.
Devanagarl, eine Form des ino. Alphabets,
die besonders in Europa für Sanskritwerke heimisch
geworden ist, während in Indien uoch zahlreiche an-
dere Sckriftformen sowohl in Manuskripten wie in
Druckereien existieren. Das D. ist eine junge Schrift-
art, welche sich durch verschiedene Stufen hindurch
vielleicht aus einem semit. Alphabete entwickelte.
Devancieren (frz., spr. -wangß-), vorangehen,
überholen.
Vsv2.ntivrs (frz., spr. -wangtlä'hr), vorn und
hinten geschlitzter Reitrock für Damen.
Devapragaga, Devapragaja, ind. Stadt,
s. Deoprajag.
Deväs, Göttergeschlecht, s. Asura.
Devastation (lat.), Verwüstung.
Devastationsklage, in Preußen vorkommende
Bezeichnung der Klage, welche der Hypothekgläu-
bigcr wegen erheblicher Verschlechterungen des ihm
verpfändeten Grundstücks auf Sicherheitsmaßregeln
nnd Rückzahlung vor Verfall der Hypothek erheben
darf (Gefetz über den Eigentumserwerb vom 5. Mai
1872, §. 50). - Vgl. Dernburg, Preuß. Privat-
reckt (3. Aufl., Halle 1881), Bd. 1, §. 340.
Devastieren (lat.), verwüsten, verheeren.
Devaux sspr.-woh), Paul Louis Isidor, belg.
, Staatsmann, geb. 10. April 1801 zu Brügge, wid-
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