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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diatreta - Diazotieren
Diatreta (grch.), in der spätern rüm. Kaiserzeit
die kunstvoll gearbeiteten gläsernen Gefäße, bei
denen um die äußere Oberfläche herum ein Netz von
Glasfädcn angebracht war. Nur sieben fragmentierte
Exemplare haben sich erhalten. Bezüglich der Tech-
nik schwankt man, ob das Netzwerk aus der Glas-
masse herausgeschliffen oder auf diese aufgelegt ist.
- Vgl. Fröhner, 1^ V6ri'6ri6 antihuk (Par. 1879);
Blümner, Technologie und Terminologie der Ge-
werbe und Künste, Bd. 4 (Lpz. 1887).
Diatrtbe (grch.), gelehrte Abhandlung, jetzt na-
mentlich eine litterar.-kritifche Streitschrist.
Tiatrimma (grch.), das Wundsein durch Rei-
bung beim Gehen oder Reiten, s. Hautwolf.
Diaulos (grch.), der Doppellauf bei den griech.
Wettkämpfern, wobei das Stadium zweimal durch-
laufen wurde und zwar bis zur Grenzsäule hin und,
um dieselbe biegend, von da auf der andern Seite
der Bahn wieder zurüH. - D., foviel wie Doppel-
flöte, s. Aulos.
Diavoletti, Diavolrni (ital., "Teufelchen"),
überzuckerte Gewürzkörner (als Aphrodisiakum).
viavölo (ital.), Teufel.
Diaz, Antonio Goncalves,brasil.Dichter,s.Dias.
Diaz, Bartolomeu', Seefahrer, geb. nur 1450.
Einer alten portug. Familie der Provinz Algarve
entstammend, kam D. jung an den Hof König
Johanns II. und erwarb sich durch Studien und
durch den Nmgang mit wissenschastlich gebildeten
Männern, besonders mit Martin Bedaim, einen
Namen. Vom Könige beauftragt, mit zwei Fahr-
zeugen die Entdeckungen früherer portug. See-
fahrer an der afrik. Westküste zu verfolgen, segelte
er im Aug. 1486 von Portugal ab, erreichte bald
die Grenze des bekannten Gebietes und ging jenseit
derselben (25° 50' südl. Br.) zuerst an das Land,
um von diesem Besitz zu ergreifen, umsegelte dann,
vom Sturm verschlagen, ohne es zu ahnen, die Süd-
spitze Afrikas und lief in die jetzige Algoabai ein,
wo er auf der Insel Sta. Cruz ein Kreuz errichtete.
Eine Meuterei seiner Mannschaft zwang ihn vor
der Mündung des Großen Fischflusses umzukehren.
Diesen nannte er nach einem seiner Kapitäne Rio
do Infante. Auf der Rückreise bekam er, längs der
Küste hinsegelnd, die Südspitze von Afrika in Sicht
und nannte sie zum Andenken an das Erlittene
(^dc> torm6nw30 (d. h. stürmisches Kap), ein Name,
den der König später in Oado äa doa. 68p6i'kQ2a,
d. i. Kap der Guten Hoffnung, abänderte. Nach
Lissabon heimgekehrt, wo er im Dez. 1487 anlangte,
wurde er mit Ehrenbezeigungen überhäuft. Er hatte
eine Küstenstrecke von 350 i'pan. Meilen (Leguas)
Länge neu entdeckt. Bald aber sah er den Seefahrer
Vasco da Gama sich vorgezogen und begleitete diefen
nur bis zu den Inseln des Grünen Vorgebirges, da
sein Schiff nach der Faktorei La Mina an der Gold-
küste bestimmt war. Dagegen sollte er 1500 unter
Cabral die Flotte nach Indien begleiten, ging aber
23. Mai 1500 mit vier Schiffen aus der Flotte nebst
sämtlicher Mannschaft in der Nähe des Kaps der
Guten Hoffnung im Sturme unter. Camoes hat in
den "Lusiaden" D.' Verdienste verewigt.
Diaz, Porfirio, Präsident von Mexiko, geb.
15. Sept. 1830 zu Oaxaca, nahm 1847 an dem
Kriege geaen die Vereinigten Staaten teil und
schloß sich 1854 dem Aufstande gegen den Prä-
sidenten Santa-Anna an. Auch an den Partei-
kämpfen der folgenden Jahre beteiligte er sich eifrig
aus feiten der Liberalen und trat dem Kaiser
Maximilian 1864 als einer seiner entschiedensten
Feinde entgegen. Als Anführer republikanischer
Truppen schloß er Puebla ein und schlug den zum
Ersatz heranrückenden kaiserl. General Marquez.
Nachdem D. 2. April 1867 Puebla erstürmt hatte,
rückte er gegell die Hauptstadt vor und belagerte sie
zwei Monate lang, bis sie sich auf die Nachricht
von der Erschießung Maximilians 20. Juni ergab.
1871 trat er, jedoch vergeblich, als Bewerber um
die Präsidentschaft gegen Iuarez auf und stellte sich
1872, nach dessen Tode, an die Spitze eines Militär-
ausstandes, unterwarf sich aber im Oktober dem
Präsidenten Lerdo de Tejaoa und wurde 1873 zum
Präsidenten des Obersten Gerichtshofs von Mexiko
erwählt, womit zugleich die Vicepräsidcntschaft der
Bundesregierung verbunden ist. Der Mai 1873
zusammengetretene Kongreß erkannte jedoch die
Wahl nicht an, worauf sich D. nach den Vereinigten
Staaten von Amerika begab. Als Iglesias 1876
einen Militäraufstand gegen Lerdo de Tejada er-
regte, kehrte D. zurück, sammelte seine Anhänger
im Nordosten des Staatsgebietes, schlug die Trup-
pen des Präsidenten 12. Nov. 1876 bei Huamantla,
zog 23. Nov. in die Hauptstadt ein und übernahm
30. Nov. provisorisch die Leitung der Staatsver-
waltung. Am 3. Dez. besiegte er bei Guanaxuato
auch die Truppen seines Nebenbuhlers Iglesias
und wurde Febr. 1877 für die Zeit bis zum 30. Nov.
1880 zum Präsidenten der Republik erwählt. Er
stellte die Ruhe im Lande wieder her und wurde
auch vom Auslande anerkannt. 1880 legte D. die
Regierung in die Hände seines polit. Freundes Ge-
neral Manuel Gonzalez, für dessen Wahl er gewirkt
hatte, nieder und leitete zunächst bis zum Juli 1881
das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, um meb-
rere große Eisenbahnbauten zu Ende zu führen.
Dann übernahm er als Gouverneur die Verwaltung
der Provinz Oaxaca, wurde aber 1. Dez. 1884 von
neuem Präsident und 1888 zum drittenmal, nach-
dem er eine Verfassungsänderung durchgesetzt hatte,
die seine Wiederwahl erlaubte. 1892 wurde ihm von
neuem die Präsidentschaft bis 1.896 übertragen.
Mexiko erfreut sich unter seiner Regierung des
innern Friedens und guter Ordnung.
Diaz de la Pena (spr. diäß de la penja), Nar-
cisse, franz. Genremalcr, geb. 20. Aug. 1807 zu
Bordeaux, gest. 18. Nov. 1876 zu Mmtone, schuf
treffliche Landschaften und entlehnte die Stoffe zu
seinen Genrebildern, die er durch pikante Darstellung
beliebt zu machen wußte, meist der Mythologie
und Phantasie: hervorzuheben sind: Orientalin im
Serail (1844), Der Liebesgarten (1846), Venus und
Adonis (1848), Badende Mädchen (1849), Schlafende
Nymphe (1854), Ende eines fchönen Tags (1855).
Diazeuxis (grch.'. lat. di^nnetio, "Trennung"),
bei den griech. und röm. Musittheoretikern die Tren-
nung von zwei nacheinander folgenden unverbun-
denen Tetrachorden durch einen zwischen diesen vor-
handenen Ton. So befand sich zwischen den beiden
unverbundenen Tetrachorden e-l-^-a und Ii-oä-6
noch der Ton d.
Diazoamldoverbindungen, Diazobenzol,
Diazoefsigester, Diazogruppc, s. Diazover-
bindungcn.
Diazöma(grch-), Umgürtung; im altgriech.Thea-
ter Name der Rundgänge, welche die amphithea-
tralisch geordneten Sitzreihen in die verschiedenen
Stockwerke gliederten. sAzofarbstoffe.
Diazotieren, s. Diazoverbindungen; s. auch