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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dietrichswalde - Dietz
Sem Sohn, Franz von D., Kardinal, Bischof zu
Olmütz und Statthalter in Mähren, geb. 22. Aug.
1570 zu Madrid, stieg schnell in den geistlichcnWürden
empor, sodaß er bereits 1599 Kardinalpriestcr und
Bischof von Olmütz wurde. Obgleich als Fremder
anfangs unbeliebt, wußte er sich doch bald Einfluß
dort zu verschaffen und in dem zum Protestantismus
neigenden Lande selbst mit Erfolg die Gegenrefor-
mation zu betreiben. Standhaft verweigerte er die
Ausdebnung des Majestätsbriefs und der Toleranz
auf Mahren und schlug durch eigene Kraft den ungar.
Rebellen Bocskay aus Mähren hinaus. Ende 1607
zum Präsidenten des Geheimen Rates ernannt,
wurde er von Kaiser Rudolf mehrfach als Unter-
händler an dessen Bruder Matthias gesandt, den er
dann 1611 selbst zum König von Böhmen krönte.
Doch wurde er 1619 bei der Erhebung in Mähren
des Landes verwiesen, worauf er erst nach Nikols-
burg, dann nach Wien floh. Als aber nach dem Siege
Till'ys am Weißen Berge (1620) Böhmen dem Kaiser
wieder unterworfen wurde, unterdrückte D. den
Protestantismus in Mähren und wurde nun zum
Generalkommissar, Statthalter und Landeshaupt-
mann in Mähren ernannt. Durch Ferdinand II. ward
D. 26. März 1624 nach Erwerbung der Herrschaften
Leipnik und Weißkirch, die ihm der Kaiser schenkte,
und der Herrschaften Kanitz, Polna, Steinabrunn,
Libochowitz u. s. w., die er erkaufte, in den Rcichs-
fürstcnstand erhoben, mit dem Reckte, diefc Würde
auf einen von ihm erwählten Sprößling feines Ge-
schlechts zu vererben. U',35)zunlI'i'0t0cwi'(^()i'M3,inll"
ernannt, starb er 19. Sept. 1636 zu Brunn; seine
Besitzungen sowie die Fürstenwürde kamen als Fidei-
kommiß an seinen Neffen Maximilian, Grafen
von D., der vom Kaiser 24. März 1631 die Bestä-
tigung als Nachfolger erhielt und als Personalist
nut Virilstimme in den Reichsfürstenrat angenom-
men wurde. - Vgl. A. Voigt, Leben Franz, Fürsten
und Kardinal von D. (Lpz. 1792); Korrespondenz
des Kardinals D. mit dcmHofkricgsratspräsidenten
Collalto (hg. von Trampler, Wien 1873).
Fürst Franz Joseph vonD., Urenkel des letzt-
genannten, geb. 28. April 1767, diente in der österr.
Armee, ward aber nachher zu diplomat. Sendun-
gen nach Petersburg, Berlin und München ver-
wandt und schloß mit Moreau den Parsdorfer
Waffenstillstand ab. Nach dem Frieden von Campo-
Formio verließ er 1797 die diplomat. Laufbahn, nach
dem Lunövillcr Frieden 1801 auch die militäriicke.
Er wurde 1808 Majoratsherr und evwarb die uralte
Stammburg in Kärnten wieder, verkaufte hingegen
Ncuravcnsburg an die Krone von Württemberg.
1809 war er Hofkommisfar in dem vom Feinde be-
setzten Teile Galizicns, wo er bis zum Wiener
Frieden blieb. Er residierte teils in Wien, tcils auf
seinem Schlosse Nitolsburg und starb 8. Juli 1854.
Graf Moritz von D., geb. 19. Febr. 1775, war
1798 und 1805 Adjutant Macks (s. d.) und wurde
1815 Oberhofmeister des Herzogs von Rcichstadt.
Später war er Präfekt der Hofbibliothek und Host
theaterintcndant, bis er im Dez. 1848 in den Ruhe-
stand trat. Durch Familienvertrag hatte er schon
1862 auf den ibm nach dem Tode seines Bruders-
sohncs, des Fürsten Joseph vonD. (gest. 10. Juli
1858), gebührenden Fürstentitel und auf die Nach-
folge in^den fürstl. Fidcikommissen Verzicht geleistet.
Mit dem Grafen Moritz erlosch 27. Aug. 1864 die
Nikolsburger oder fürstl. Linie des Hauses im
Mannsstamm. Der Titel Fürst D. zu NiloUburg
ging nun durch Diplom vom 20. März 1869 aus
den Grafen Alexander von Mensdorff-Pouilly (s. d.),
den Schwiegersohn des Fürsten Joseph von D.,
über. Die zahlreichen Besitzungen teilten die Töch-
ter, die Gräfinnen Mensdorff/Clam-Gallas, Her-
berstein und Hatzfeld. - Vgl. Weidmann, Moritz,
Graf von D. Sein Leben und Wirken aus seinen
hinterlassenen Papieren dargestellt (Wien 1867).
N. Die zweite Hauptlinie des Geschlechts, die
Grafen Dietrich stein-Weich selstätt-Raben-
stein, blühte bis auf neuere Zeit herab in zwei
Speciallinien, die aber 1859 und 1861 ebenfalls
ansstarben. - Vgl. R68 FLstas ^entiä vi^tiicil-
^Wiiiiaiia6. ^. 1 (Olmütz 1621); von Venedikt, Die
Fürsten von D. (in den "Schriften des Histor. Vereins
für Innerösterreich", Heft 1, Graz 1848); Feyfar,
Die erlauchten Herren auf Nikolsburg (Wien 1879).
Dietrichswalde, Dorf im Kreis'Allenstein des
preuß. Reg.-Nez. Königsberg, hat (1890) 893 meist
tath. E., Postagentur, Telegraph und wurde 1877
wegen angeblicher Wundererscheinungen viel von
Wallfahrern befucht.
Dietrich und seine Gesellen, s. Virginal.
Dietrici (Dietricy), Maler und Kupfer-
stecher, s. Dietrich, Christian Wilh. Ernst.
Dietsch oder Dietzsch, Künstlerfamilie zu Nürn-
berg im 18. Jahrh. - Das Haupt der Familie
warJoh. Israel D., geb. 1681, gest. 1754. Seine
fechs Söhne und vier Töchter malten fast alle, die
Söhne namentlich Landschaften; von Joh. Chri-
stoph D., geb. 1710, gest. 1769, hat die Schweriner
Galerie 15 Bildchen. Den meisten Ruhm erwarben
zwei seiner Töchter, die mit großem Geschick und
Fleiß kleinere Naturgegenstände mit Wasserfarben
zu malen wußten. - Barbara Regina D., geb.
1706, gest. 1783, malte besonders Blumen und
Vögel, die außerordentlich gesucht waren. Nach
ihren Darstellungen inländischer Vögel erschien ein
in Kupfer gestochenes und koloriertes Werk (Nürnd.
1770-75).- Margareta Barbara D., geb.
8. Nov. 1726, gest. 11. Nov. 1795, malte ähnliche
Gegenstände und stach dergleichen auch mit eigener
Hand gefchickt in Kupfer. In solcher Art gab sie
ein großes Werk, die Stauden und Ncnmve der Um-
gegend von Nürnberg in illuminierten Kupferstichen,
mit Text von Schreber, heraus.
Dietsch, Heinrich Rudolf, Philolog, geb.
16. März 1814 zu Mylau im Vogtlande, studierte
in Leipzig, war Lehrer in Halle, Hildburghausen und
Grimma, wurde 1861 Direktor in Planen, und war
1866-72 Rektor und Professor in Grimma. Er
starb 30. Dez. 1875 in Thonberg bei Leipzig. D.
war 1847 - 62 einer der Leiter der "Neuen Jahr-
bücher für Philologie und Pädagogik". Seine wissen-
schaftliche Hauptleistung ist die Herausgabe des
Saklust (2 Bde., Lpz. 1843 - 46, und in neuer kri-
tischer Bearbeitung, 2 Bde., 1859; 4. Ausg., ebd.
1874), ferner hat D. den Eutropius, Cornelius
Nepos, Cäfar, Ciceros Briefe (in Auswahl) und
Herodot herausgegeben. Sehr verdienstlich ist auch
seine pädagogische Thätigkeit, besonders für die
Geschichte ("Lehrbuch der allgemeinen Geschichte",
3 Bde., Lpz. 1847-51 u. ö., und "Grundriß der all-
gemeinen Geschichte", 3 Bde., ebd. 1854 u. ö.), wissen-
schaftlich wertvoll sein "Versnch über Thucydides"
Dietz, Stadt, s. Diez. Md. 1865).
Dietz, Feodor, Historienmaler, geb. 29. Mai
1813 zu Neunstetten in Baden, studierte 1827-32
auf dem Polytechnikum in Karlsruhe und widmete
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