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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Differentialtarif - Differenzenreihe
Differentialtarif, im Zollwesen eine Zusam-
menstellung von Differentialzöllen (s. d.), wie z. V.
der franz. Konventionstarif. - nber D. im Eisen-
dahnwesen s. Eisenbahntarrfe.
Mfferentialwinde, auch Differential-
haspel, Gegenwinde oder chinesische Winde,
eine zum Aufwinden von Lasten dienende Vor-
richtung, bei welcher zum Zweck erhöhter Kraftum-
setzung die Differenz zweier entgegengesetzten Winde-
bewegungen zur Wlrlung lommt. Veistehende Figur
zeigt die Anordnung
der D. Dieselbe be-
steht aus zwei um die
gleiche Achse dreb-
baren und fest mit-
einander verbunde-
nen Seiltrommeln a
und d von verschie-
denem Durchmesser.
An diesen sind die
beiden Enden eines
Seils befestigt, wel-
ches derart um die
Seiltrommeln gelegt
ist, daß sich bei Um-
drehung derselben mittels des Speichenradcs Ii zum
Zweck der Hebung einer an der losen Roller hängen-
den Last 1 das Seilstück 8 auf d aufwickelt, während
8; von a. sich abwickelt. Die Aufwicklung ist in dem-
selben Verhältnis größer wie die Abwicklung, als
der Halbmesser der Trommel d größer ist wie der
Halbmesser der Trommel a, und es ergiebt sich das
Mah der Hebung aus der Differenz des aufgewickel-
ten Seilstückes und des sich gleichzeitig abwickeln-
den Seilstückes. Je mehr die Durchmesser der beiden
Seiltrommeln gleich sind, um so geringere Kraft,
um so mehr Zeit ist aber zum Heben notwendig.
Differentialzölle, Zölle, die entweder als Mit-
tel zum innern Ausbau eines Schutzzollsystems oder
zur Erleichterung oder Erschwerung des Handelsver-
kehrs mit bestimmten auswärtigen Staaten dienen.
In dem erstern Falle werden z. V. zur Begünstigung
der inländischen Reederei oder zur Beförderung des
direkten Handels mit den überseeischen Ländern
niedrigere Zollsätze von denjenigen Waren erhoben,
welche unter nationaler Flagge oder direkt aus
einem überseeischen Produktionslande (im Gegen-
satz zu der Einsuhr aus einem vermittelnden aus-
ländischen europ. Hafen) oder auch (wie in Österreich-
Ungarn bei Kakao, Kaffee, Thee, Gewürzen, Indiao,
Cochenille, Gummi und Harzen, in Rußland bei
Gußeisen) überhaupt zur See importiert werden,
als (bei gleicher Qualität) von denjenigen, deren
Einfuhr auf andere Weise erfolgt. Man betrachtet
die höhern Zölle in den letztcrn Fällen auch wohl
als durch besondere Zuschläge gebildet, nämlich
dnrch den Flaggenzuschlag (f. d., Liii-taxo äo Mvillon)
und den Entrepotzuschlag (Untcrscheidungszoll, 8ur-
tax6 ä'6ntr6p0t, s.d.). In der neuern Zeit wurden
die D. dieser Art besonders von Frankreich zu einem
verwickelten System ausgebildet, während die cngl.
Schiffahrtsgefetzgcbung (s. Navigationsakte) statt
der D. einfach in großem Umfange völlige Verbote
der Einfuhr ausländischer Waren auf fremden
Schiffen oder aus europ. Zwischenhäfen aufwies.
Niedrige Zölle waren auch besonders zur Zeit des
Mcrkantilsystems den Produlten der Kolonien bei
der Einfuhr in das Mutterland bewilligt. In der
Gegenwart hat die Bedeutung dieser D. sehr abge-
nommen, obwohl auch in Deutschland eine Agi-
tation zu Gunsten einer Besteuerung der indirekten
Einfuhr (des Mosleschen Unterscheidungs-
zolles) versucht worden ist.
Die andere Klasse von D. beruht entweder auf
vertragsmäßigen Konzessionen, die ein Staat dem
andern hinsichtlich seiner Schutzzölle macht, oder es
bandelt sich um specielle Zollerhöhungen, die den
Charakter von Kampfmahregeln gegen gewisse Län-
der haben (s. Retorsionszölle). Sind die niedrigern
Zollsätze mit mehrern Ländern gesondert und in
verschiedener Höhe vereinbart, so entsteht eine große
Verwicklung, zumal die richtige Bestimmung der
Herkunft der Waren bei den hentigen Verkehrsver-
hältnissen immer schwieriger wird. Man nahm da-
ber in die Handelsverträge, die seit 1860 nach dem
Typus des franz.-engl. Vertrags geschlossen wur-
den, die sog. Meistbegünstigungsklausel auf,
durch welche dem einen Kontrahenten auch alle Zu-
geständnisse gesichert wurden, die der andere Teil
irgend einem dritten Staate künftig gewähren
würde. In Frankreich entstand so neben dem Hoch-
schutzzöllnerischen und teilweise prohibitiven allge-
meinen (General-)Tarif ein besonderer für alle
diesem Vertragssystem angehörenden Staaten gel-
tender Vertrags-(Konventional-)Tarif, welcher mit
Gefetz vom 11. Jan. 1892 durch einen Doppel-
tarif ersetzt wurde, dessen höhere Skala dem Ge-
neraltarif entfpricht, während die niedrigere Skala
(Tarifminimum) auf die Provenienzen jener Länder
Anwendung findet, welche Frankreich die Meistbe-
günstigung gewähren. Das Deutsche Reich hat seit
l. Febr. 1892 wieder einen auf den Verträgen mit
Österreich-Ungarn, Italien, Griechenland, Belgien
und der Schweiz beruhenden Vertragstarif. (S.
Schutzzollsystem, Freihandel, Handelsverträge.) -
Vgl. Mosle, DerUnterfcheidungszoll (Vrem. 1880);
Schanz, Engl. Handelspolitik gegen Ende des Mittel-
alters (Lpz. 1881); Leris, Die neueste Litteratur über
den Unterscheidungszoll (im "Jahrbuch für National-
ökonomie und Statistik", Nene Folge, II, 282-293).
Differentiieren, s. Differenzieren.
Differönz (lat.), Unterschied: in der Logik das
Merkmal, das eine Art von der andern oder ein
Individuum vom andern unterscheidet. - über
D. in der Mathematik s. Subtraktion; überpsychro -
metrische D. s. Psychrometer; über die speci-
fifche D.f. Art.
Differenzenquotient, f. Differentialrechnung.
Differenzenreihe, in der Mathematik eine Reihe
(s. d.), die dadurch entsteht, daß man bei einer vor-
bandenen Reihe von ic zwei benachbarten Gliedern
die Differenz bildet und diefe Differenzen als Glieder
einer neuen Reihe betrachtet, die man die D. der
urfprünglichen Reihe nennt; von dieser D. kann
man wieder die D. bilden u. s. f., wie folgendes
Beispiel zeigt:
4 7 11 18 31 54 92 151
3 4 7 13 23 38 59
1 3 6 10 15 21
2 3 4 5 6
1111
Die Bildung der D. ist ein Mittel, die Natur
einer Reihe zu untersuchen; kommt man nämlich
bei einer Reihe durch fortgesetzte Bildung der D.
auf gleiche Zahlen, wie in vorliegendem Bei-
spiel, so ist die Reihe eine arithmetische (s. Pro-
gression) und zwar vom mtcn Grade, wenn die