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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dijudizieren - Dikasterion
der Palast der Herzöge von Burgund, auch Palast der
Generalstaatcn oder Königswohnung genannt (jetzt
Hotel de Ville), an dem hufeisenförmig davor aus-
gebreiteten Hauptplatz der Stadt, 1367 von Philipp
dem Kühnen begonnen und von Karl dem Kühnen
vollendet, 1592 abgebrannt, dann zu Gunsten der
Prinzen von Conds, die erbliche Gouverneure von D.
waren,wiederhergestelltund1784vollendet,späterder
Ehrenlegion überlassen, ein weitläufiges Gebäude,
das in seinen Sälen ein uaturhistor. und archäol.
Museum, eine Schule der Künste und in neunzehn
Sälen ein Museum der Künste (mit einer reichen
Sammlung von etwa 40000 Kupferstichen, Statuen,
Gipsabgüssen und antiken Vasen) und ein reiches
Archiv birgt; ferner der große alte Iustizpalast, das
Präfekturgebäude, die Rechtsfchule, das Schlacht-
haus, das 1843 an Stelle der alten Kartause er-
baute Irrenhaus und das 1810-28 erbaute Schau-
spielhaus. Auf einem neuen Platze steht seit 1847
eine Bronzestatue des heil. Bernhard, der in dem
3 km entfernten Fontaine-les-Dijon geboren ward;
außerdem besitzt die Stadt Statuen Namcaus und
des Bildhauers Rüde (gest. 1855).
Unterrichtsanstalten und Industrie. Die
Stadt besitzt eine Akademie der Künste und Wissen-
schafts)! (1725 errichtet und 1740 von Ludwig XV.
bestätigt), eine 1722 gegründete Universitätsaka-
demie (für fünf Departements) mit drei Fakultäten
(Rechte, Mathematik und Naturwissenschaften, Litte-
ratur), ein Lyceum, eine Mediziner- und Pharma-
ceutenschule, ein theol. und ein Lehrer- und Lehre-
rinnenseminar, Kunst- und Musikschule, Gewerbe-
schule, Hebammenschule, Ackerbaugesellschaft und
zahlreiche gelehrte Gesellschaften, Bibliothek (80000
Bände, 900 Manuskripte, in der I^cow <1u äroit),
einen botan. Garten mit mehr als 5000 Pflanzen-
artcn, ein Observatorium, eine numismat. Samm-
lung und reichhaltige Archive. Die Bewohner fer-
tigen Wollwaren, Tuch, Leder, Spitzen, Wachs-
kerzen (ZouZi63 ä<3 D.), Senf, Weinessig, Sprit und
Schokolade, treiben Gartenbau und Blumenzucht,
ferner Handel mit Wein, Mehl, Getreide und eige-
nen Fabrikaten.
Befestigung. Die Stadt ist seit 1874 durch
Anlage eines Fortsgürtels zu einem verschanzten
Lager ersten Ranges erhoben, welches der zweiten
Verteidigungslinie gegen Deutschland angehört,
steht durch den befestigten Platz Auronne mit Ve-
sancon in Verbindung und sperrt die sich bei D.
kreuzenden Bahnlinien Paris-Besancon und Lyon-
Chaudenay-Epinal. Der Umfang des Fortsgürtels
beträgt etwa 45 km. Im Norden und Westen hat
derselbe einen größeren Abstand von der an sich
offenen Stadt a!s im Osten und Süden. Im Nor-
den der Stadt liegen die Forts Asnieres und Haute-
ville, im Westen Mont-Äfsrique und Motte-Giron,
im Süden Veauregard, im Osten St. Apollinaire
Varois und Sennecy.
Geschi ch t e. D., schon unter den Römern ein be-
festigter Ort, Divio oder lüa.3ti-um 1)ivion6ii86, zur
Zeit der Merowinger und Karolinger zum I'^ug
^163161^813 oder ^i86N8ig gehörig, ist historisch
merkwürdig durch die 525 erfolgte Gründung der
mächtigen Abtei St. Wniqne; 737 wurde D. durch
die Saracenen, 888 durc!) die Normannen einge-
äschert; 1077 und 1199 wurden hier Kirchenver-
sammlungen abgehalten. Als Lehn des Bischofs
von Langres kam der Ort an die Grafen von D.,
die 1107 ausstarben. Dann siel D. an die Herzöge
von Burgund, erhielt 1183 Stadtrechte und ward
deren Residenz. Nach Karls des Kühnen Tod (1477)
fiel es an Ludwig XI. von Frankreich, der hier das
Parlament von Burgund errichtete. 1513 wurde es
von 20000 Schweizern belagert, welche indes für
Geld wieder abzogen. D., stets katholisch, hing der
Ligue an, unterwarf sich aber 1595 Heinrich IV. 1731
wurde zu D. ein Bistum errichtet. - 30. Okt. 1870
fand beiderStadtein G efe ch tzwifchen der badischen,
zu Werders Korps gehörigen Division und vorgc-
schobenenTeilen der Armee von Lyon statt. Nachdem
die Stadt selbst 31. Okt. mehrere Stunden lang hart-
näckigen Widerstand geleistet hatte, kapitulierte sie,
und General Werder nahm sein Hauptquartier da-
selbst. Als gegen Ende Dez. 1870 die franz. Ost-
armee unter Vourbaki heranrückte, ward D. 27. T^.
von den Deutschen geräumt und 28. Dez. von Gan-
baldi besetzt. Am 21. und 23. Jan. 1871 fanden m
der Gegend von D. Gefechte zwischen den Garibal-
dianern und detachierten Abteilungen des 2. deut-
schen Armeekorps statt, durch welche Garibaldi mit
seinem Korps bei D. festgehalten wurde, während
General von Mantensfel der Armee Bourbakis die
Rückzugslinien abschnitt. Garibaldi mußte 31. Jan.
die Stadt räumen, worauf 1. Febr. die Deutschen
wieder einzogen. - Vgl. Bougaud und Garnier,
(In-0iiiqu6 (l6i'^.dI)H76 8^int-Z6niFN6 ä6v. (1876);
Vaschi, 1). 6t 868 6nvii'0H8 (Dijon 1888).
Dijudizieren (lat.), urteilen, entscheiden; Di-
judikation, Entscheidung, Aburteilung.
Dikabrot, Adika, Dika, eine der Schokolade
ähnliche Masse, die durch Zusammenkneten der fett-
reichen Samenkerne eines an der afrik. Küste von
Sierra Leone bis Gabun reichlich vorkommenden
Baumes aus der Familie der Burseraceen, Ii'vin^ia
Lart6ri Äoo^., gewonnen wird und für die Einge-
borenen ein wichtiges Nahrungsmittel ist. Das-
selbe^enthält 60-66 Proz. eines bei 33° schmelzen-
den Fettes, das zur Kerzenbereitung tauglich ist und
neuerdings nach Europa versandt wird. Dieses
Fett, im Handel als Dika- oder Adika fett be-
zeichnet, hat die Konsistenz der Kakaobutter, ist
frisch weiß, wird beim Altern gelb, hat im frischen
Zustande einen an Kakao erinnernden Geruch und
milden Geschmack. Man benutzt es angeblich znm
Verfälschen der Kakaobutter.
Dikafett, s. Dikabrot. , ^ .,
Dikaiarchos, s. Dicäarchus.
Dikäos, Vorstand einer Skete (s. d.).
Dikasterion (grch.), im alten Griechenland Be-
zeichnung für Gerichtshof. In Athen war der
älteste und angesehenste Gerichtshof der des Areo-
pagus (s. d.); daneben bestanden noch, wenigstens
seit den Zeiten des Drakon, vier "Blutgerichts-
höfe", in welchen das aus 51 Mitgliedern bestehende
Kollegium der Epheten unter dem Vorsitz des zwei-
ten Archon (Archon Vasileus) über verschiedene Fälle
von Totschlag, Anstiftung zum Mord, Notwehr
u.dgl. zu Gericht sah: die Gerichtshöfe beim Palla-
dion, beim Delphinion, beim Prytaneion und in
Phreattys (letzteres an der Südfeite der piräischen
Halbinsel). Als Solon die Geschwornengerichte
(Heliasten) eingeführt hatte, wurden 10 D. in ver-
schiedenen Teilen der Stadt Athen errichtet, in wel-
chen eine je nach der Schwere des Falles verschie-
dene Zahl von Geschwornen (die Zahlenangaben
schwanken zwischen 200 und 2000) unter dem Vor-
sitz der sechs untern Archonten (Thesmotheten) oder
anderer Beamten zu Gericht saßen. Jeder Ge-