Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

356
Disputation - Dissidenten
Freskogemälde Raffaels, darstellend die Verherr-
lichung des christl. Glanbms, das dieser, als er
von Papst Julius II. 1508 nach Rom berufen ward,
in der 8tan?3. dolla. se^natura. des Vatikans aus-
führte; einen Kupferstich (etwa 2,4:1,7 m) lieferte
Ios. von Keller (1844-56).
Disputation (lat.), Wortkampf, besonders ein
vor der Öffentlichkeit geführter gelehrter Streit, bei
dem die eine Partei (der Opponent) das zuwider-
legen fucht, was die andere (der Resp ond ent oder
Defendent) behauptet hat. Öffentliche D. waren
jrüher sehr gebräuchlich, als Verfuche, über ab-
weichende Meinungen ins reine zu kommen, oder
zum Zwecke der Übung oder zur Erlangung gelehr-
ter, namentlich akademischer Würden und Rechte.
Daher die Ausdrücke Inauguraldisputation,
Habilitationsdisputation, Promotions-
disputation (äiZputatio pro Fi-aäu) u. s. w. Die
Sitte der öffentlichen D. hat sich an den Univer-
sitäten teilweife noch erhalten, aber fast nur als
Formalität. Mutation (s. d.) führen.
Disputieren (lat.), einen Wortkampf, eine Dis-
Dis^ualifizieren (neulat.), zu etwas unfähig,
untauglich machen; Disqualifikation, man-
gelnde Befähigung, Untauglichkcit.
Disquirieren (lat.), genau untersuchen, erfor-
schen; Disquisition, Untersuchung, besonders
gelehrte Untersuchung.
Disraeli (spr. -rehli oder -reihli), Benjamin,
engl. Staatsmann und Schriftsteller, s. Veacons-
field, Graf von.
Disraeli (spr. -rehli oder -reihli), Isaak, engl.
Literarhistoriker, geb. im Mai 1766 zu Ensield als
einziger Sohn Benjamin D.s (1730-1816), eines
venet. Kaufmanns, der sich 1748 in England nieder-
gelassen hatte. D. erhielt seine erste Erziehung in der
Schule zu Enfield, wurde dann nach Amsterdam und
Leiden geschickt, wo er die neuern Sprachen und die
Klassiker studierte, und ging 1786 nach Frankreich,
dessen Spracke und Litteratur er genau kennen lernte.
Nach seiner Rückkehr schrieb er einige Gedichte für
"11i6 (?6nt1oinlm'3 NaFÄ2iQ6" und veröffentlichte
1791 eine "HelEncs ok poeti-^", die er jedoch felbst
unterdrückte. Im Besitz eines unabhängigen Ver-
mögens, war er im stände, sich feinem Lieblings-
studium, der Litteraturgeschichte, ganz zu widmen.
Der 1. Bd. der "(Xiri03iti68 ol litei awi 6 " erschien
1791, der 2. 1793 und der 3. 1817, im ganzen
6 Bde. bis 1834 (neue Aufl., 10 Tlc., Lond. 1891 fg.).
Diesem Werke schließen sich "I^itoi'ai^ mi8c^11ani68"
(1801), "(^1kiniti68 ok autlioi'ä" (1812-13) und
"Yuai'i-6i8 ol autliorZ" (1814) an, die, alle durch
leichte und unterhaltende Darstellungsart ausge-
zeichnet, nicht wenig dazu beitrugen, in England
die Vorliebe für litterarhistor. Forschungen zu ver-
oreiten. Seine "<Ü0inm6iitNi'i68 ov tlw 1ik6 anä
rei^n 0lciiari68l." (5 Bde., Lond. 1828-31), die
ihm den Ehrendoktorhut von Oxford verfchafften,
sind toryistisch gefärbt; feine "^inLniti68 ok litera-
wr6" (3 Bde., ebd. 1841) vollendete er, feit 1839
erblindet, mit Hilfe feiner Tochter. Eine Frucht sei-
ner oricnt. Studien war die Erzählung "N^nouu
and I^eilll., t^6 ^i-Hdi^n ?6ti'3.i-o1i and I^aur","
(1797); deutsch als "Der arab. Werther" (Lpz. 1804).
D. starb 19. Jan. 1848 auf feinem Landsitze Vraden-
Ham-Zoufe (Vucks); bereits 1817 war er nebst
allen Kindern, darunter Benjamin (s.Vcaconssield),
zum Christentum übergetreten. Seine gesammelten
Werke (Lond. 1849-51, 1858-59,1862-63) gab
mit einer Skizze seines Lebens (zuerst "Oulio3iti63",
1849) sein Sohn heraus.
Diß, Stadt in der engl. Grafschaft Norfolk,
32 km im SSW. von Norwich, links am Wavc-
ney, hat (1891) 3763 E., Flachsspinnerei und Bon-
netcriefabrikation. ^legen.
Dissecieren (lat.), zerschneiden, zergliedern, zer-
Disscktion (lat.), Zergliederung.
Dissettionsbrille, s. Brille (Bd. 3, S. 539a).
Disseminieren (lat.), aussäen, ausbreiten (ein
Gerücht); Dissemination, das Aussäen, Aus-
breiten.
Difsen, Flecken im Kreis Iburg des preuß. Neg.-,
Bez. Osnabrück, 24 km von Osnabrück, am südl.
Rande des Teutoburgerwaldes sowie an der Neben-
linie Vrackwede-Osnabrück (Station D.-Nothen-
felde) der Preuß. Staatsbahncn, bat (1890) etwa
1800 evang. E., Post, Telegraph, Volksbank, Mittel-
schule; bedeutende Fabrikation von Fleischwaren
(die Fabrik von F. Homann verarbeitet jährlich
15000 Schweine und 3000 Rinder), Margarine,
Segeltuch,SackleinwandundFalzziegeln,Ziegeleien,
Seilereien,Schweinezuchtund-Kandel. Inder Nähe
das Solbad Rothenfeldc mit Saline und große
Steinbrüche. - Der Ort war schon um 800 vorhan-
den als kaiscrl. Pfalz Tiffene oder Tistene; 822
wurde sie dem Bischof gefchenkt; der letzte Inhaber
ftarb 1236, worauf die Burg zerstört wurde.
Dissen, Ludolf, Philolog, geb. 17. Dez. 1784 zu
Großen-Schneen beiGöttingcn, studierte Philologie
in Göttingen, habilitierte sich 1808 mit eiuer Schrift
"1)6 t6mp0i'idu8 6t inoäi3 v6ldi Ai-H6ci", wurde
1812 außcrord. Professor in Marburg, 1813 nach
Göttingen zurückberufen uuo erhielt 1817 eine oro.
Professur. D. starb 21. Sept. 1837. D.s Ausgaben
des Pindar (Gotha 1830; 2. Aufl., von F. W. Schnei-
dcwin, 1843-47), des Tibullus (2Tle., Gott. 1835)
und des Dcmosthenes "1)6 corona.') (ebd. 1837) haben
besonders Hermeneutischen Wert. Seine Abhand-
lungen sind gesammelt in den "Kleinen lat. und
deutschen Schriften" (nebst biogr. Erinnerungen von ,
Fr. Thiersch, F.G. Welcker, K. O. Müller, Gott. 1839).
Disfens (lat. äi386U8U8), Meinungsverschie-
denheit.
Diffenters, früher Nonkonformisien (engl.
1^011-C()nf0i'mi8t3), in England alle nicht zur
Staatstirche gehörigen Protestanten, also vornehm-
lich Prcsbyterianer, Independenten, 3)tethodisten,
Baptisten,Ünitarier,Irvingianeru.a. Sie erhielten
1689 Duldung, durch Aufhebung der Teftakte 1829
bürgerliche Gleichberechtigung. Seit 1868 haben sie '
leine Abgaben mehr an die ^taatskirche zu zahlen
und feit 1871 Zutritt zu den Universitäten Oxford
und Cambridge.
Diffentieren (lat.), anderer Meinung sein, an-
ders denken, von der herrschenden Ansicht abweichen.
Disscntis, Dorf im schweiz. Kanton Graubün-
den, s. Discntis.
Differieren (Dissertieren, lat.), einen wissen-
schaftlichen Gegenstand erörtern (schriftlich oder
mündlich); Differtation, gelehrte Abhandlung
(s. d.), befonders auf Universitäten die zum Zweck
der Habilitation oder der Erlangung der Doktor-
würde verfaßte wissenschaftliche Abhandlung.
Dissertation (lat.), s. Disseriercn.
Dissidenten (lat.), Gesamtbezeichnung für die-
jenigen Personen und Neligionsgesellschaften, welche
außerhalb der fog. Landeskirchen und des Juden-
tums stehen. Das Dissidentengesetz von 1847 bahnte