Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

369

Divulgieren – Dixon

Divulgieren (lat.), etwas unter das Volk bringen, kundmachen; Divulgation, Kundmachung.

Divulsion (lat.), Zerreißung.

Divus (lat., weiblich: diva), göttlich, Prädikat vergötterter Menschen, namentlich in der röm. Kaiserzeit Ehrentitel verstorbener Kaiser.

Dîwân (pers.), ursprünglich Register (Militärrollen), dann deren Herstellungs- oder Aufbewahrungsort (Kanzlei-Archiv). Später wurde der Ausdruck auch auf den Staatsrat (im türk. Reiche) übertragen, dann auf den Versammlungssaal des Staatsrates; endlich bezeichnet es überhaupt einen Versammlungsort zur Beratung und Rechtsprechung. Von der Einrichtung eines solchen, nämlich der die Wände entlang laufenden Polsterbank, ist der nur in europ. Sprachen gebräuchliche Ausdruck D. für eine Art Sofa entlehnt (s. Bett, Bd. 2, S. 912a). Ferner bezeichnet D. eine Liedersammlung, namentlich die nach dem Endbuchstaben alphabetisch geordnete Gedichtsammlung der Ghaselen eines und desselben Verfassers. Durch Goethes «Westöstlichen D.» ist D. in der Bedeutung Liedersammlung eingebürgert worden.

Diwāno, Divano, in Abessinien Name des ägypt. Para von 1/40 ägypt. Piaster (s. d.), als Bruchteil des Goldpiasters = 0,519 Pf. Gegenwärtig gilt der D. in Abessinien etwa 1/800 österr. Konventions-Speciesthaler oder Maria-Theresienthaler (s. d.), also etwa 3/8 Pf. (S. auch Dahab.)

Diwisch, Prokop, Naturforscher, geb. 1. Aug. 1696 zu Senftenberg in Böhmen, trat 1720 in den Prämonstratenserorden, erhielt 1726 die Priesterweihe und wurde Professor der Philosophie und Theologie am Stift zu Bruck. Er wurde 1740 Pfarrer in Brenditz bei Znaim, wo er 21. Dez. 1765 starb. D. wies 1750 das Ausströmen der Elektricität aus Spitzen nach und stellte 15. Juni 1754, also vor Franklin, auf seinem Pfarrhof den ersten Blitzableiter mit eigentümlichen Saugvorrichtungen unfern seines Wohnhauses auf. In seinem Todesjahr erschien: «Längst verlangte Theorie der meteorolog. Elektricität» (Tüb. 1765; 2. Aufl. 1768). D. erfand ferner ein musikalisches Instrument, genannt Denisdor. – Vgl. Frieß, Prokop D. (Olmütz 1884).

Diwra, türk. Stadt, s. Dibra.

Dixcove oder Nfuma, brit. Ort an der Goldküste in Oberguinea, in der Provinz Ahanta; eine kleine Festung von strategischer Bedeutung, nahe dem Kap der drei Spitzen.

Dixi (lat.), ich habe gesprochen, Formel für den Schluß einer Rede in lat. Sprache, D. et salvāvi animam meam, ich habe gesprochen (wie es meine Pflicht war) und meine Seele gerettet, d. h. ich bin schuldlos, wenn meine Warnung in den Wind geschlagen wird, ein auf Hesekiel 3,18–21 und 33, 8 und 9 beruhender sprichwörtlicher Ausdruck.

Dixmuiden (spr. -meud'n; frz. Dixmude, spr. dismühd), Stadt in der belg. Provinz Westflandern, an der kanalisierten Yser und an den Linien Lichtervelde-Veurne und D.-Nieuport (17 km) der Belg. Staatsbahnen, hat (1890) 4133 E., Leinenindustrie, Handel mit Butter und Vieh. In der St. Nikolauskirche eine Anbetung der drei Könige von Jordaens und ein im reichsten Flamboyantstil zu Anfang des 16. Jahrh. erbauter Lettner.

Dixon (spr. dicks'n), Hauptort des County Lee im nordamerik. Staate Illinois, 158 km westlich von Chicago in ackerbautreibender Gegend am Rock-River, Eisenbahnknotenpunkt, hat (1890) 5161 E.

Dixon (spr. dicks'n), Richard Watson, engl. Dichter und Historiker, geb. 1833 zu Islington (London), studierte zu Oxford Theologie und wurde Geistlicher zu Warkworth bei Alnwick, dann in Newcastle on Tyne. 1861 erschien von ihm: «Christ's Company, and other poems», 1864 «Historical odes, and other poems». Auch gründete er mit Rossetti u. a. die Zeitung «The Oxford and Cambridge Magazine», die im Sinne der präraffaelischen Kunstrichtung (s. Englische Litteratur) wirkte. Neuerdings pflegte D. Auch die Geschichtsdarstellung, wovon die «History of the Church of England» (Bd. 1–4,1878–91) Zeugnis ablegt. Poet. Werke D.s sind noch: «Mano, or a poetical history of the time of the close of the 10th century» (1883; 2. Aufl. 1891), «Odes and eclogues» (1884), «Lyrical poems» (1885), «The story of Eudocia and her brothers» (1887).

Dixon (spr. dicks'n), William Hepworth, engl. Schriftsteller, geb. 30. Juni 1821 zu Newton-Heath, wandte sich dem Studium der Rechte und litterar. Bestrebungen zu und war bis 1869, seit 1853 als Hauptredacteur, am «Athenaeum» thätig. Für die «Daily News» schrieb er 1848 eine Reihe von Aufsätzen über sociale Fragen, z.B. «On the literature of the lower orders»; von seiner Darstellung des Londoner Gefängniswesens wurde ein besonderer Abdruck («The London prisons», Lond. 1850) veranstaltet. Diese Untersuchungen gaben auch zu D.s Biographie des Menschenfreundes Howard Anlaß («John Howard, a memoir», Lond. 1849), die 5 Auflagen erlebte. Ihr folgte «William Penn, a historical biography» (Lond. 1850), die Macaulays irrige Angaben über den berühmten Quäker berichtigt und hauptsächlich D.s Ruf begründete. Nach der Veröffentlichung der Flugschrift «The French in England» (Lond. 1852), in der er die Grundlosigkeit der Invasionsfurcht nachwies, sammelte er in den Bibliotheken zu Paris, Venedig und Rom den Stoff zu einer Geschichte der engl. Republik nach gleichzeitigen Urkunden. Eine Episode daraus ist «Robert Blake, admiral and general at sea» (Lond. 1852), die das Andenken dieses Seehelden auffrischte. Ebenso anziehend war D.s «Personal history of Lord Bacon» (Lond. 1861), worin er viele unbekannte oder vergessene Thatsachen beibrachte, um den Begründer der neuern Philosophie von Anklagen zu reinigen. Schätzbare Beiträge zur engl. Geschichte bilden die von ihm in den Archiven von Kimbolton-Castle aufgefundenen Urkunden, die unter seiner Hilfe der Herzog von Manchester in «Court and society of England from Elizabeth to Anne» (2 Bde., Lond. 1861) veröffentlichte. 1864 unternahm D. eine Reise durch die europ. Türkei nach Kleinasien, Ägypten und Palästina, als deren Frucht «The Holy Land» (2 Bde., Lond. 1865; deutsch Jena 1870) erschien. 1866 bereiste er die Vereinigten Staaten und widmete besonders dem amerik. Sektenwesen eingehende Studien, die er nebst andern Ergebnissen in dem vielgelesenen Werke «New America» (2 Bde., Lond. 1867; 8. Aufl. 1869; deutsch Jena 1868) niederlegte. Neue Materialien zur Geschichte der Religionsschwärmerei verarbeitete er in «Spiritual wives» (2 Bde., Lond. 1868; deutsch «Seelenbräute» von Frese, Berl. 1868), einem Werke, das durch die Offenheit in der Behandlung gewisser spiritistisch-sensualistischer Vorgänge großes Aussehen hervorrief. Seine nächste histor. Arbeit «Her Majesty's Tower» (4 Bde., Lond. 1869–71; 7. Aufl. 1885; deutsch, 2 Bde., Berl. 1870) gab eine Geschichte des

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 370.