Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

373
Döbel (Heinr. Wilh.) - Doberan
Fällen bis 4,51<F schwer, lebt in der Jugend von
Würmern und Insekten, später von kleinen Fischen,
Krebsen, Fröschen, selbst Mäusen und hat ein kurzes,
weißes, mit reichlichen Gräten gespicktes mageres
Fleisch, weswegen er auch mehr als Futter für an-
dere Fische, denn als Speise für den Menschen ge-
schätzt ist. Die kleinere Art, der Hasel, Häsling
(8(iualiu8 I6uci8cu8 1^.), ist gestreckter, der Kopf
schmächtiger, spitzer, der Rücken schwarzblau, die
Länge höchstens 20 cm. Der Fisch gilt als guter
Köder für Forellen und wird deshalb an vielen Orten
auch Angelfisch genannt.
Döbel, Hcinr. Wilh., Forstmann, geb. 1699
im sächs. Erzgebirge, einer der bedeutendsten "hirsck-
und holzgerechten" Jäger seiner Zeit, besuchte nach
Vollendung seiner Lehrzeit von 171? an die Wäl-
der und Jägereien Deutschlands. Nach einer wecksel-
vollen Laufbahn befand er sich um 1733 als Ober-
pUcur am Hofe des Kurfürsten Friedrich Angnst II.
in Hubertusburg. Hin 1757 soll er Förster zu Falken-
derg und Schmeckcndorf (in Sachsen) gewesen sein.
D. starb nach 1760 in Warschau oder in Pleß. Die
Jägerei stand ihm viel höher als das Forstwesen.
Eemebedeutendste Schrift erfchien 1746 (Leipzig) u.d.
T. "Neu eröffncteIäger-Practica oder derwoblgeüdte
und erfahrene Jäger. Darinnen eine vollständige
Anweisung zur gauzen, hohen und niedern Jagd-
wissenschaft"(4Tle.,mitv:elenKupscrtafeln;4.Anft.,
3 Tle., 1828, hg. von K. F. L. Döbel und F. W. Be-
Dobelbad, s. Tobelbad. Knicken).
Döbeldecke, s. Decke (Bd. 4, S. 857 a).
Döbelin (auch Döbbelin), Karl Theodor,
Scbauspicler, geb. 27. April 1727 zu Königsberg
i. Pr., ging, nachdem er in Halle und Leipzig Jura
studiert hatte, vorher auch einige Zeit Soldat gewesen
war, zur Gesellschaft der Neuberin, nabm 1752 ein
Engagement bei derSchuch, 1754 bei der Ackcr-
mannschen Gesellschaft an und gründete 1756 in
Erfurt eine eigene Gesellschaft, deren Vorstellungen
im April ihren Anfang nahmen. Schon in der zwei-
ten ^tadt seiner direktorialen Wirksamkeit, in Wien,
mußte er seine Gesellschaft aufgeben: auch eine neue,
die er 1757 begründete und mit welcher er in Köln
und Düsseldorf spielte, löste sich 1758 wieder auf. Bis
1766 war D. abermals Mitglied der Ackermannschen,
dann der Schuchschen Gesellschaft und gründete
1767 die dritte Gesellschaft, die er bis 1789 leitete,
dann aber an den Hof in Berlin abtrat und die somit
die Grundlage des Berliner Zoftheaters wnrde. D.
starb 10. Dez. 1793 zu Berlin. Er verstand nicht
nur viele der besten Kräfte (u. a. Fleck, Christ, Ma-
dame Schick, Mattausch) um sich zu scharen, sondern
erstrebte auch mit Bewußtsein die Reform der Bühne.
Er brach dem Lefsingfchen Drama und damit dem
Drama der Zukunft in glänzender Weise die Bahn.
Seine Unternehmungslust hieltdas VerlinerThcater-
leben in Fluß.
DobeU, Sydney Thompson, engl. Dichter, geb.
1824 zu Eranbrook in Kent, trat 1850 mit dem
dramat. Gedichte "^ke Noinkn" mit Beifall als
Schriftsteller anf. Daranf hielt er sich einige Zeit
in der Schweiz auf, später, bis 1857, in Edin-
burgh, endlich auf den Cotswold-Hills bei Glou-
ccfter. Von feinen Dichtungen sind noch weiter zu
nennen: "Laläer. ?lnt tlie tii-8t" (Lond. 1854),
"3oun6t8 0Q tlie -n^i-" (ebd. 1855), zusammen mit
A. Smith; "UnFimiä in time ot>vai'" (ebd. 1856),
"NiFiauä's clg.v" (1871), eine geistreiche Heraus-
forderung an Vismarck, Präsident Grant und
! Gortschakow in lyrischer Form; eine kleinere Samm-
! lung Verse u. d. T. "I^ovs. ^0 a linis ^ir!"
! (1863). Ferner veröffentlichte D. eine Flugschrift
! "Ol parliamLiNai'^ relorm; 9. letter to 9. ^oliticia,ii"
! (Lond. 1865), die für eine klassenmäßige Abstufung
^ des Wahlrechts eintrat. Er starb 1874. Nach fei-
! nem Tode erfchiencn: "^6 i>06tica1 ^vorkä ol ä^ä-
l nev D., >vitd intioänctm'^ notics luiä inemoir d^
! ^s. XieiwI" (2 Bde., Lond. 1875), "IIwuMg 011
! art, pkii080i)1iv auä i-eÜFioii)) (hg. von Nichol, ebd.
! 1876), "^1)6 1it'6 3.llä I6tt6l8 0k 3^(IllL^ I)., 6(1it6ä
^ 1)7 ^1i88 1^. ^011^" (2 Bde., ebd. 1878). D. war
ein Dichter von lebendiger Einbildung und dichte-
rifcker Kraft, auch in der Form ein Meister.
Döbeln. 1) Amtshauptmaunschllft in der sächs.
Kreishauptmannschaft Leipzig, hat 583,93 ^km,
(1890) 107 203 (53490 münnl., 53 713 weibl.) E.,
darunter 1724 Katholiken, in 6 Städten und 195
Landgemeinden. - 2) Hauptstadt der Amtshaupt-
mannschaft D., 67 kin süd-
östlich von Leipzig, zum Teil
(innere Stadt) auf einer Insel
der Freiberger Mulde, in
fruchtbarer Gegend, in einem
reizenden Thaltesfel, an den
Linien Leipzig-D.-Dresden,
Nöderau - Niefa-Chcmnitz und
der Nebenlinie D.-Mügeln
(19,5 km) der Sächf. Staats-
bahncn, ist Sitz der Amtshauptmannschaft, eines
Amtsgerichts (Landgericht Freiberg), einer Be-
zirksschul-, Straßen- und Wasserbau-, Vrand-
vcrsichcrnngs- und Gewerbe- Inspektion und hat
(1890) 13892 (7361 männl., 6531 weibl.) E., dar-
unter 334 Katholiken, in Garnison das 1., 2. und
4. Bataillon des 139. Infanterieregiments, Post-
amt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, Fern-
sprechanstalt', Stadttirche St. Nikolai mit knnst-
reichcm, altertümlichem Altar; zwei Bürgerschulen,
darunter eine auf dem l^chloßberg, wo früher
ein 1429 von den Hnfsiten zerstörtes markgräfl.
schloß stand, ein Stadttheater (1871), ein königl.
Realgymnasium (1869 eröffnet, Rektor Dr. Nühl-
mann, 26 Lehrer, 16 Klaffen, 207 Schüler), seit
1872 mit einer Landwirtschaftsfchule (4 getrennte
Klaffen, 77 Schüler) verbunden, Vürgerfchule, Haw
delsfchulc, Waisenhaus (1875) im Wappenhensch-
stift, städtische Sparkasse, Wasserwerk, Schlachthof
(1888) und Pferdebahn. In der nördl. Vorstadt
(Staupitzbcrg) liegt das Staupitzbad, eine Anstalt
für irifch-römische, Kiefernadel- und andere Bäder.
Die bedeutende Industrie erstreckt sich auf Woll-
fpinnerci, Eisengießerei, Wagenbau, Metalldruckerei
und -Prägcrei, sowie Fabrikation von Tuch, Leder,
namentlich Lack- und Kidleder, von landwirtschaft-
lichen Maschinen, lackierten Blechwaren, Brücken-
wagen, Cigarren, Silberwaren, Dachpappe, Holz-
cement, Asphalt, Feuerspritzen, Drechslerwaren und
Klaviere; in der Umgebung werden Tuch, Papier,
Pappe und Drahtstifte fabriziert. D. ist Mittelpunkt
eines bedeutenden Getreidehandels mit Getreide-
börse und hat ansehnlichen Butterhandel. - Vgl.
Chronik von D. und Umgegend, hg. von Viltz und
Hingst (2 Bde., Döbeln 1870-72); Mürkel, D. und
Umgebung (ebd. 1893).
Döben, Schloß bei Grimma (s. d.).
Dobenek, Theolog, s. Cochlaeus, Johs.
Doberan, Dobberan, Stadt im Domamal-
amt D. (10186 E., 5133 männl., 5053 weibl.) des