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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dolcan - Dôle

Dolcan (Dulcan, Dulzain, ital. dolce), Name der Flötenstimmen der Orgel; sie sind so konstruiert, daß beim Antönen nur eine geringe Menge Luft in die Pfeifen tritt, wodurch ein besonders sanfter und zarter Klang bewirkt wird. Das Dolcissimo ist ein noch zarteres Register. (S. auch Dolzflöte.)

Dolce (ital., spr. doltsche), auch con dolcezza, musikalische Vortragsbezeichnung: sanft, lieblich (vgl. Dolcan).

Dolce (spr. doltsche), Carlo, ital. Maler, s. Dolci.

Dolce (spr. doltsche), Lodovico, ital. Dichter undGelehrter, geb. um 1508 zu Venedig, wo er sein Leben zubrachte, sich durch Unterricht, litterar. Arbeit und als Korrektor der Drucker Giolito den Unterhalt erwarb und in großer Armut 1568 starb. Er verfaßte eine ungeheure Anzahl von Werken in Poesie und Prosa auf allen Gebieten der Litteratur, überall aber ist er flüchtig und mittelmäßig. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Dialogo della pittura" (Vened. 1557; neue Ausg., Mail. 1863; deutsch von Cerri, Wien 1871, in Quellenschriften für Kunstgeschichte", II), "Delle diverse-sorti di gemme" (Vened. 1565), "Della qualità, diversità e proprietà dei colori" (ebd. 1565), "Tragedie" (ebd. 1560, 1566 u. ö.), "Commedie" (ebd. 1560 u. ö.), "L'Achille et l'Enea" (ebd. 1571), "I ^[Druckfehler?] quattri libri delle osservazioni" (ebd. 1562), "Le prime imprese del Conte Orlando" (ebd. 1572, episches Gedicht in 25 Gesängen), "Le Trasformazioni", Ovids Metamorphosen in Oktaven (ebd. 1553 u. ö.).

Dolce far niente (ital., spr. doltsche far nĭente), das süße Nichtsthun, der holde Müßiggang.

Dolcesuōno (ital., spr. doltsche-), s. Dolcian.

Dolch, Kriegsmesser oder verkleinertes Schwert, eine der ältesten Waffen. Sie findet sich bereits unter den Steinwaffen. Als pugio wurde der D. zur röm. Kaiserzeit von den Kaisern als Zeichen des Rechtes über Leben und Tod getragen und auch an hochgestellte Offiziere als Auszeichnung verliehen, über die mittelalterlichen Dolchformen des Skramasar, Miséricorde und Linkhand, über den malaiischen Kris und den schott. Dirk s. diese Artikel. Ein D., dessen Klinge sich beim Stoß in drei Teile teilte, wird den Femrichtern zugeschrieben.

Dolchstichtaube (Geotrygon cruenta Lath.), eine schöne Wildtaube von den Philippinen, erst seit neuerer Zeit lebend nach Europa eingeführt, jetzt in allen zoolog. Gärten und auch vielfach bei den Liebhabern verbreitet sowie neuerdings gezüchtet. Im allgemeinen ist ihre Haltung wenig dankbar und ihr Preis, 50-100 M. das Paar, ziemlich hoch. Ihren Namen erhielt die D. wegen des einer Stichwunde ähnlichen blutroten Fleckes in der Kropfmitte. Sie ist oberseits violett, schwach grünlich glänzend, mit hellgrauer Stirn, dunkelgraubraunen Schwingen und graubraunem, schwarz gebändertem Schwanz; an der ganzen Unterseite ist sie weiß. Die Augen sind rot und die Füße düster bläulichrot (s. Tafel: Tauben, Fig. 9).

Dolci (spr. doltschi) oder Dolce, Carlo, ital. Maler, geb. 25. Mai 1616 in Florenz, kam mit 9 Jahren in das Atelier Vignalis. 1646 wurde er in die Akademie seiner Vaterstadt aufgenommen und starb daselbst 17. Jan. 1686, von tiefer Schwermut ergriffen. D.s Art, heilige Gestalten zu malen, fand großen Beifall; das Süße, Weiche im Ausdruck seiner Köpfe, die träumerisch-wehmütige Stimmung seiner Marien und Magdalenen entsprach dem Geschmacke des Zeitalters ebenso sehr wie die Eleganz, mit der er dieselben darzustellen verstand. Dem Verlangen seiner Besteller folgend beschränkte er sich allmählich auf gewisse Motive, die in seinen Gemälden stets wiederkehren: Christus mit der Dornenkrone, Die Schmerzensmutter (Stich von Mandel), Die heil. Magdalena, Die heil. Cäcilie u. a. Eins seiner edelsten Werke ist: Die orgelspielende heil. Cäcilie, in der Dresdener Galerie; ebendort Herodias mit dem Haupte Johannes des Täufers, Christus Brot und Wein segnend. Die kaiserl. Galerie in Wien besitzt u. a. von ihm: Maria mit dem Christkind, und Die Allegorie der Aufrichtigkeit; die Alte Pinakothek in München: Madonna mit Christkind, Büßende Magdalena und Ecce homo. Von seinen Ölgemälden, von denen sich die Mehrzahl in Florenz befindet, sind ferner hervorzuheben: Heil. Andreas betet auf dem Gange zum Richtplatz sein Kreuz an (1646), Christus am Ölberg (Stich von Dröhmer), Heil. Rosa (1668; sämtlich nebst andern im Palast Pitti), Madonna mit Christkind, Der Friede, Die Poesie (im Palast Corsini). Sein Selbstbildnis (1674) befindet sich in den Uffizien zu Florenz. Seine Tochter Agnese, gest. 1680, war ebenfalls Malerin; sie kopierte besonders die Originale ihres Vaters.

Dolcian (Dulcian), Dolcesuono, Kortholt, Sordune, Name des Fagotts (s. d.) im 16. und 17. Jahrh.

Dolcīno (spr. doltsch-), Fra, s. Apostoliker.

Dolcissĭmo (ital., spr.doltsch-; Superlativ von dolce), musikalische Vortragsbezeichnung für möglichst zart; auch ein Register der Orgel (s. Dolcan).

Dolde (Umbella), m der Botanik eine Form der monopodialen Blütenstände mit stark verkürzter Hauptachse, deren einzelne Verzweigungen mit je einer Blüte abschließen, ohne sich vorher weiter zu verzweigen (s. Blütenstand und zugehörige Tafel, Fig. 1d u. 5).

Doldengewächs, im weitern Sinne alle Pflanzen, deren Blüten in Dolden angeordnet sind; im engern Sinne die Umbelliferen (s. d.).

Doldenhorn, Gipfel der westl. Berneralpen, südwestlich von der Blümlisalp (s. d.), zwischen Öschinensee, Kander- und Doldenthal. Das Große D. erreicht eine Höhe von 3647 m, das Kleine 3488 m. Ersteres wird häufig bestiegen.

Doldentraube, Ebenstrauß (Corymbus), Blütenstände, bei denen die Blütenstiele zwar in verschiedener Höhe an der Hauptachse angefügt, aber von verschiedener Länge sind, sodaß sämtliche Blüten fast in eine Ebene zu liegen kommen (s. Blütenstand und zugehörige Tafel, Fig. 1 c u. 4).

Doldrums, s. Kalmen.

Dôle, La (spr. dohl), Gipfel des schweizer Juras, erhebt sich 12 km nordwestlich von Nyon im Kanton Waadt unweit der franz. Grenze zu 1678 in Höhe. Die Kette beginnt an dem wichtigen Col de la Faucille (s. d. und Dappenthal) und erstreckt sich in nordöstl. Richtung etwa 12 km lang bis zum Col de St.Cergues (1262 m), über den die Straße von Nyon in das Dappenthal führt. Der südwestl., franz. Teil bildet eine breite Hochfläche mit Alpweiden und Nadelwäldern; im nordöstl. Teile wird das Gebirge rauher und die eigentliche D. bildet einen felsigen Kamm. Die herrschenden Gesteine sind an den Abhängen Kalksteine der untern Kreideformation, auf der Höhe solche der obern Juraformation.

Dôle (spr. dohl). 1) Arrondissement des franz. Depart. Jura, hat 1181,66 qkm, (1891) 69278 E.,