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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dolmetsch - Dolomit
Aus den Funden schließt man, daß es Grabanlagen,
wahrscheinlich von Fürsten und deren Familien
waren. Man findet gewöhnlich in einem solchen D.
mehrere Skelette, oft sogar Dutzende, gewöhnlich in
hockender Stellung oder, wenn liegend, in gekrümm-
ter Lage beigesetzt, oft mit zahlreichen Beigaben,
bestehend aus Beilen, Lanzenspitzen, Dolchen, Mes-
sern u. s. w. voll Feuerstein, durchbohrten Hämmern
aus Granit, Diorit u. s. w. Ferner kommen als
Schmucksachen oft Bern steinperlen vor oder durch-
bohrte Tierzähne, die auf eine Schnur gereiht, be-
sonders als Halsschmuck verwandt wurden. Auch
Thongefäße, zum Teil ziemlich roh, zum Teil aber
auch schon mit feinen Ornamenten verziert, sind
nicht selten. Bronzegegenstände, selbst Eisensachen
sind auch vereinzelt gefunden worden, doch rühren
diese Fundstücke wohl aus spätern Zeiten her; denn
die D. sind im nördl. Europa vor der Zeit der eigent-
lichen Vronzekultur und der Einwanderimg der Kel-
ten und Germanen erbaut. Da die Verbreitung der
D. eine große ist, können sie nicht von einem einzigen
Volke herstammen, wie man früher gemeint hat.
Sie finden sich im südl. Schweden, in Dänemark,
im westl. Deutschland, in einzelnen Teilen von
Frankreich und Spanien, auf den Inseln des Mittel-
meers, in Afrika und Kleinasien. (S. Tafel: Ur-
geschichte I, Fig^ 5.) - Vgl. F. von Löher, Dol-
menbauten und Hünengräber (in "Westermanns
Monatsheften", Juli 1890).
Dolmetsch oder Dolmetscher, im allgemeinen
Bezeichnung derjenigen sprachkundigen Personen,
welche die Verständigung zwischen Menschen, die
verschiedene Sprachen sprechen, und von denen einer
der Sprache des andern nicht mächtig ist, vermit-
teln. Das Wort stammt aus dem Türkischen (til-
mac), von wo es durch das Slawische (poln. ttu-
1112.02; czech. twmac) bereits ins Mittelhochdeutsche
(tolin6t8c1i6) Wini6t3c1i6) gelangte. D. sind insbe-
sondere dann zuzuziehen, wenn vor Gericht (oder
andern Behörden) unter Beteiligung von Personen
verhandelt wird, welche der Gerichtssprache (s. d.)
nicht mächtig sind, es sei denn, daß die beteiligten
Personen sämtlich, bei Prozeßverhandlungen also
namentlich Nichter, Gerichtsschreiber, Anwälte,
Parteien, Zeugen, der fremden Sprache mächtig
sind. Dieselbe Bestimmung gilt auch für notarielle
Verhandlungen und Handlungen der freiwilligen
Gerichtsbarkeit, z. B. Aufnahme von Testamenten.
Vgl. für Preußen Gesetz vom 28. Aug. 18V6, für
Elsaß-Lothringen Reichsgesetz vom 12. Juni 1889.
Der D. hat, sofern er nicht zugleich Gerichtsschreiber
oder für Übertragungen der betreffenden Art im all-
gemeinen beeidigt ist, einen Eid dahin zu leisten, "daß
er treu und gewissenhaft übertragen werde". Auch
zur Verhandlung mit tauben oder stummen Personen
wird, wenn nicht schriftliche Verständigung möglich,
ein D. hinzugezogen. (S. auch Dragoman.) - Vgl.
Deutsches Gerichtsverfassungsgesetz §§. 186 fg. und
Österr. Strafprozeßordn. §§. 163,164,198.
Dolnja Tuzla. 1) Kreis in Bosnien, hat 8991
ykm und (1885) 313746 E., darunter 141218
Mohammedaner, 132730 Griechisch-Orientalische,
38590 Römisch-Katholische und 1051 Israeliten in
653 Gemeinden und zerfällt in die 10 Bezirke Vjelina
(38455 E.), Vrcka (42433 E.), D. T. (50204 E.),
Gracanica (25 747 E.), Gradacac (40439 E.), Kladanj
(8761E.), Maglaj (23148 E.), Srebrenica (26 525 E.),
Vlafenica (23085 E.), Zwornik (34 949 E.). -
2) Hauptstadt des Kreises und Bezirks D. T., in 272 m
Höhe, an der zur Spreca gehenden Zala und an der
ZweigbahnSiminhan-DobojderBosnabahn,istSitz
der Kreis- und Vezirksbehörden, eines griech.-orient.
Bischofs und des Kommandos der 39. Infanterie-
brigade und hat (1885) 7189 meist mohammed. E.,
darunter 1072 Griechisch-Orientalische, 795 Römisch-
Katholische und 134 Israeliten, in Garnison das
19. ungar.-kroat. Jäger- und 7. bosn. Infanterie-
bataillon; bedeutenden Vieh- und Produktenhandel
und in der Nähe große Salzsiedereien. Während
der Besetzung Bosniens durch die Österreicher kam
es hier 9. Äug. 1878 zu einem hartnäckigen, für
die Österreicher glücklichen Kampfe, doch verstärkten
sich am folgenden Tage die Insurgenten derart, daß
erstere sich zum Rückzüge entschließen mußten.
Dolo, Hauptstadt des Distrikts D. (33427 E.) in
der ital. Provinz Venedig, 21 km westlich von Ve-
nedig, an der Linie Padua-Venedig des Adriatischen
Netzes, mit Trambahn nach Padua, Mestre und
Fusina, hat (1881) 3216, als Gemeinde 6331 E.,
Post, Telegraph, eine stattliche Kirche; Mühlen,
Schleusen, Werften und befuchte Märkte.
Dolomieu (spr. -mlöh), Dsodat Guy Silvain
Tancrede Gratet de, franz. Geolog und Mineralog,
geb. 24. Juni 1750 zu D. in der Dauphins, wurde
schon als Kind in den Malteserorden aufgenom-
men und trat mit dem 18. Jahre sein Noviziat
an, verließ aber bald den Waffendienst des Ordens
und machte Reisen zu wissenschaftlichen Zwecken. Er
kehrte 1791 nach Frankreich zurück, wurde 1796 zum
Ingenieur und Professor an der Vergschule und bei
Errichtung des Instituts zu dessen Mitglied ernannt.
D. begleitete die Expedition nach Ägypten und er-
hielt zu Paris den Lehrstuhl der Mineralogie am Mu-
seum der Naturgeschichte, starb aber schon 26. Nov.
1801 zu Chateauneuf. Er schrieb: "Vo^a^s aux ilsg
ä" I^ipari" (Par. 1783), "Nemoii'ö 3ur 1s tremdik-
m6nt ä6 t6ri'6 äs 1a (Ü3.iHl)i'6" (Rom 1783), "N6-
Ui0ir68 LUl 168 ii63 ?0Q068" (Par. 1788), "?1ii1o-
80p1ii6 niiQ6rai0Zitiu6>) (1801) u. a. Nach D. ist der
Dolomit (s. d.) benannt.
Dolonnt (nach dem franz. Mineralogen Dolo-
mieu genannt) oder Bitt erkalk, sowohl ein Ge-
stein, als auch zugleich das Mineral, aus dem das-
selbe in seiner normalen Beschaffenheit besteht.
Das Mineral D. krystallisiert (nicht rhomboedrisch-,
sondern) tetartoedrisch-heragonal und spaltet nack
einem Rhomboedcr von 106° 5^ Polkantenwinkel;
chemisch ist es ein Doppelcarbonat von Kalk und
Magnesia von der Formel ^NF^^; das spec.
Gewicht beträgt 2,872. Äußerlich läßt sich das Dolo-
mitgestein oft kaum von dem Kalkstein, dem bloß
aus kohlensaurem Kalk bestehenden Aggregat von
Kalkspatindividuen, unterscheiden; es ist etwas
härter und etwas schwerer als Kalkstein und braust
auch in derben Stücken, nur viel schwächer, mit kal-
ter Salzsäure. Das Dolomitgestein, das normal
aus 54,35 Proz. Calcium- und 45,65 Proz. Magne-
siumcarbonat zusammengesetzt ist, bildet bald sta-
tuenmarmor- oder zuckerähnliche, deutlich krystal-
linische, bald dichte, auch oolithische und cavernöse
Varietäten (Nauchwacke) und tritt einerseits schon
im Gebiet der alten krystallinischen Schiefer, anderer-
seits in fast allen sedimentären Formationen jed-
weden Alters auf, am reichlichsten entwickelt im De-
von, der obern Dyas, der Trias und dem Jura,
vielfach in gewaltigen, höhlenreichen Felsformen
mit zerrissenen, ruinenähnlichen Konturen (Gegend
von Al'tenstcin und Liebenstein in Thüringen, von