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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Donatio mortis causa - Donativgelder
über gab es eine Urkunde, welche die Kirche für echt
ausgab, die in Handschriften verbreitet, in ihrem
entscheidenden Teile in einen: Nachtrage zum veers-
tuin (^ratiani (s. d.) äi8t. 96 c. 14 dem Oorpus ^uli8
cHnoiiici (s. d.) einverleibt wurde. Die Urkunde be-
zeichnete sich als OonFtiwwm äoinni ^on8tHiiriiii
iinperatoriZ. Der Kaiser legt darin das orthodoxe
Glaubensbekenntnis ab, erzählt wie er vom Papst
Sylvester getauft und hierbei von dem Aussatz
geheilt sei. In Dankbarkeit erkennt er den Primat
des Papstes über alle christl. Kirchen an und weist
seiner geistlichen Umgebung den hohen weltlichen
Würdenträgern entsprechende Stellungen an; dem
Papst widmet er die Herrschaft über Rom, Italien
und die abendländ. Provinzen, indem der Kaifer
sich nach Vyzanz zurückzieht; denn es sei nicht
recht, dah da, wo das Haupt der christl. Religion
herrsche, ein irdischer Kaiser Gewalt habe. Das
Mittelalter glaubte an die Echtheit der Schen-
kung, selbst Geister wie Dante (Hölle 19,115), der
Verfasser des Sachsenspiegels (3, 63, §§. 1, 2) und
Walther von der Vogelweide. Nur bestritten die
auf Seiten der spätern Kaiser stehenden Juristen
die Rechtsgültigkeit der Schenkung. Im 15. Jahrh,
ist nachgewiesen, dah die ganze Urkunde eine dreiste
Fälschung ist, deren Echtheit nun auch nicht mehr
von der Kirche behauptet wird. überwiegende Gründe
sprechen dafür, daß die Fälfchung in Rom im
8. Jahrh, zu praktischen Zwecken verübt ist. - Vgl.
Döllinger, Die Papstfabeln des Mittelalters (Münch.
1863); Brunner und Zeumer, Die Constantinische
Schenkungsurkunde (Berl. 1888); Friedrich, Die
Constantinische Schenkung (Nördl.1889); Martens,
Die falsche Generalkonzession Konstantins d. Gr.
(Münch. 1889). fton Todeswegen.
Vona.tio inortls oansa. (lat.), s. Schenkung
Donatio proptor nuptias (lat., "Schenkung
wegen der Hochzeit"), ein Vermögen, welches der
röm. Ehefrau vom Manne für den Fall ausgefetzt
wurde, daß die Ehe durch Schuld des Ehemanns
getrennt wurde, ausgedehnt auf den Fall der Ver-
armung des Ehemanns und auf den Fall, daß die
Ehe durch dessen Tod getrennt würde. Da ihre Höhe
der von der Ehefrau eingebrachten Mitgift (Aus-
steuer) gleichgestellt wurde, so ward sie auch conti-a-
äo8 (Wiederlage) genannt. Die röm. Bestim-
mungen wurden zum Teil auf die Wiederlage deut-
scher Partikularrechte übertragen, welche der Ehefrau
bei kinderlofer Ehe nach Österr. Vürgerl. Gefetzb.
§. 1230 immer zum Eigentun:, anderwärts nur
wenn sie keine Kinder hat, fönst zum Nießbrauch
und nur an einem Kindesteil zu Eigentum gehört.
Auf dem Gedanken einer solchen Wiederlage bericht
das votklicium der norddeutschen Partikularrechte.
Die Witwe hatte einen gesetzlichen Anspruch auf
ein von der Höhe ihres Eingebrachten abhängiges
Wittum, welches ihr nach einigen Rechten in Kapital,
gewöhnlich aber nur als Leibgeding zu einem er-
höhten Zinsfuße ausgezahlt wurde. Dieses gesetzliche
Ilotaiiewni galt namentlich für die adlige Witwe
und bei Lehngütern in den Ländern fächs. Rechts,
ist aber hier meistens, namentlich im Königreich
Sachsen, beseitigt. >und Kometen.
Donatischer Komet, s. Donati, Giambattista
Donatistcn (genannt nach dem Bischof Dona-
tu s), die Anhänger einer schismatischen Partei, die
in Nordafrika im 4. Jahrh, von der kath. Kirche sich
trennte, weil sie von den einzelnen Christen als Be-
dingung ihrer Zugehörigkeit zur Kirche, von den
I Geistlichen als Bedingung der wirksamen Sakra:
^ mentsverwaltung volle sittliche Reinheit und von
^ der Kirche die strengste Kirchenzucht forderte. Als in
i Karthago 311 Cäcilianus, ein den strenger ge-
^ sinnten Gemeindegliedern verhaßter Geistlicher, zum
Bischof gewählt und gegen alles Herkommen nicht
durch den Primas von Numidien, sondern durch den
als Auslieferer der heiligen Bücher an die heidn.
Obrigkeit verdächtigten Äischof Felix von Aptunga
geweiht wurde, sonderte sich die Partei der Nigo-
risten ab und erhob den Lektor Majorinus und nach
dessen Tode 313 Donatus d. Gr. zum Bischof von
Karthago. Dieser, der mit seinem gleichnamigen
Freunde Donatus, Bischof von Cafä Nigrä in
Nnmidien, das Haupt der Partei war, gab ihr den
Namen (Mr8I)on3,ti, DonNti^e, vouatiaiii). Das
Schisma verbreitete sich über ganz Nordafrika. Kai-
fer Konstantin d. Gr. übertrug die Untersuchung der
Sache dem röm. Bifchof Melchiades, welcher Cäcilian
freifprach und Donatus für abgefetzt erklärte. Ebenso
urteilte eine Synode zu Arles 314 und Konstantin
selbst 316, als er durch die Appellation der D. zu
einer persönlichen Entscheidung gedrängt ward. Er
verbannte ihre Bischöfe, fchloß ihre Kirchen, ließ
sie jedoch bald wieder gewäbren, als diese Mah-
regeln wenig Erfolg zeigten. Kaiser Constans griff
neuerdings zur Gewalt und rief dadurch gewalt-
thätige, halbrevolutionäre Erscheinungen unter den
D. hervor. Die extremen, fanatischen Elemente der
Partei verbanden sich mit den unzufriedenen Bauern
und zogen, kirchliche und socialistische Forderungen
verschmelzend, als Cirkumcellionen (von oei^,
Bauernhütte) oder Agonistiker, d. h. Streiter
(Christi), oder auch (vliinpitaö (von cHmpuF, Feld)
heimatlos im Lande umher, zertrümmerten kath.
Kirchen, übten Gewaltthat an ihren Gegnern, na-
mentlich den kath. Geistlichen, und predigten von
Freiheit und Brüderlichkeit. Nun griff der Staat
nochmals zu den Waffen, und nach längerm Kampf
ward 345 durch Taurinus wenigstens die äußere
Ruhe wiederhergestellt. Das Schisma jedoch dauerte
fort und mehrere Kaifer gingen noch mit scharfen
Edikten gegen die D. vor. Ihr gewaltigster Gegner
erstand ihnen in Augustinus (s. d.). 441 wurde zu
Karthago eine große Disputation abgehalten, auf
welcher 286 kath. und 279 donatistische Bischöfe
zugegen waren. Der kaiferl. Kommissar sprach den
Katholiken den Sieg zu, 414 wurden den D. alle
bürgerlichen Rechte entzogen, 415 die Erlaubnis,
gottesdienstliche Zusammenkünfte zu halten. Den-
noch hielten sie sich, bis die ganze nordafrik. Kirche
durch die Vandalen und Araber vernichtet wurde.
Im Kampfe gegen die D. entschied die Kirche na-
mentlich, daß der Wert der Sakramente objektiv
in ihnen selber liege und nicht abhänge von der
Würdigkeit des spendenden Priesters. - Vgl. Opta-
tus Milevitanus, v6 8o1ii8niHt6v0N9.ti8tarum (Par.
1700); Nibbeck, Donatus und Augustinus (2 Bde.,
Elberf. 1857-58); Deutfch, Drei Aktenstücke zur Ge-
schichte des Donatismus (Berl. 1875); Völter, Der
Ursprung des Donatismus (Freiburg 1884); Thüm-
mel, Zur Beurteilung des Donatismus (Halle 1893).
Donativgelder (d. i. geschenkte Beisteuer), in
zahlreichen deutschen Territorien die unverhältnis-
mäßig geringen Beiträge, welche die Ritterschaft
außer den die Lehnsdienste ablösenden Ritterpferds-
geldern zu den Staatsbedürfnissen bewilligte. Es
sollte durch diese Benennung gegen seden Schluß
auf eine Steuerpflicht des ritterschaftlichen Grund