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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Donau
der im N. befindlichen Neograder Karpaten. Vei
Waitzen wendet sie sich südwärts über Budapest
(110 m) der niederungar. Ebene zu, durch deren
einförmige Steppen sie mit geringem Gefalle, in
unzähligen Schlangenwindungen zwischen niedri-
gen, öden Sandusern, verpesteten Moorflächen und
Sumpfwaldungen, inselreich und vielarmig dahin-
strömt. Ihre Tiefe beträgt zwischen Preßburg und
Vsnek 6 -37 m, unterhalb Ofen 8-12 m, ihre
Breite 1000 m, zwischen Venek und Földvar 570
-1260 in. Die von ihr gebildeten vier größten In-
seln sind Szent Endre' (Szent Andräs-Infel zwischen
Waitzen und Ofen), Csepcl, Sar und Margita bei
Mohäcs. Erst unterhalb der Draumündung bei
Vukovär, wo sie von den syrmischen Hügeln (der
FruZka Gora) nach OSO. gedrängt wird, fließt sie
wieder bis Peterwardcin (82 m) und Slankamcn,
wo sie ihren größten Zufluß, die Theiß, aufnimmt
und hierdurch ihre Wasfcrmenge wesentlich vermehrt,
durch anmutigere Gegenden, zwischen Vukovär und
Palanka nur 390 m, bei Semlin bis zu 1560 m
breit und bis 14 in tief; hier wendet sich ihr Lauf
von O. wieder nach S. bis Semlin und Belgrad
(76 m), von wo aus sie die Grenze zwischen Ungarn
und Serbien bis Orsova bildet. Bei Bazias treten
links die Ausläufer der siebenbürg. Karpaten, rechts
die der serb. Gebirge dicht heran und erzeugen zwi-
schen hier und Kladovo die großartigste Flußenge
Europas (128,6 km lang), Klissura oder das Eiserne
Thor (s. d.). In ihr fällt der Fluß von 37,3 m Höhe
auf 11 m und wird von 1900in mehrfach bis auf 100,
einmal sogar auf 60 m Breite eingeengt, bei einer
Wassertiefe von 20 bis 50 m, ja bis 75 in. Klippen
und Felsbänke durchsetzen das Bett, und das Ge-
falle, welches zwischen Belgrad und Vaziäs nur
4 cm auf 1 Km betragen hat, steigert sich hier auf
540 cm, ja im Eisernen Thor sogar auf einer Strecke
von 750 m auf 13 m.
Unterlauf. Beim Endpunkt des Felfenthors
beginnt der eigentliche Unterlauf. Die D. strömt
zuerst in vielfach gewundenem Laufe gegen S., dann
unterhalb Vidin von Akcar an über Nikopoli, Sistov
(den südlichsten Punkt des ganzen Laufs), Nustschuk,
Srkstria und NaHova ostwärts in einer Breite von
700 bis 1000 m mit unbedeutendem Gefalle durch die
große Ebene der Walachei zwischen weiten Sumpf-
niederungen, die von zahlreichen Nebenarmen des
Stroms, von großen Lachen stehenden Wassers und
toten Armen durchschnitten sind. Vei Cernavoda,
nur 50 Km vom Meere entfernt, verändert die D.,
von der vorliegenden Platte der Dobruoscha (s. d.)
seitwärts gedrängt, plötzlich ihre östl. in eine nördl.
Äichtung überHirßova und Vraila, teilt sich auch
in dieser Stromstrecke in ein Labyrinth von Armen
und wird erst nach der Einmündung des Sereth
durch die nördl. Platte von Galatz wieder in ihre
frühere östl. Hauptrichtung gezwungen, worauf sie,
außer dem Pruth, links zahlreiche, von den Neben-
gewässern gebildete Fluhseen mit sich verbindet.
Etwa 7 km oberhalb Tulcea (Tultscha) beginnt ihr
Deltaland, eine 2558 <^km große Wildnis, mit 3 m
hohem Schilfgrase bewachsen, in welchem sich Vüffcl-
berden, Wölfe und Scharen von Wasservögeln auf-
halten. Die äußersten Mündungsarme liegen 89 km
voneinander entfernt. Der linke (nördl.) Arm,
mehrfach gespalten und seeartig erweitert, geht über
Ismail nach 101 km langem Laufe als Kilia-
mündung mit sieben Armen ins Meer, dem er
63 Proz. der ganzen Donauwassermasse zuführt.
Trotzdem erreicht seine Tiefe oft nicht 3 m und vor
seiner Mündung zieht sich 4 km weit eine Untiefe
mit nur 1 m Wasser. Der rechte Arm teilt sich
unterhalb Tulcea in den (mittlern) Sulina- und
den (südl.) St. Georgsarm. Ersterer, von der
zweiten Gabelung an noch 90 km lang, fließt fast
genau östlich, und ist, obgleich er nur 7,4 Proz. der
ganzen Wassermenge führt, der einzige durchweg
schiffbare, 100-130 m breite Arm. Seine Tiefe
steigt bis zu 16 m, auf einer Barre hat er nur 5 m
und vor der Mündung liegt ebenfalls eine bedeu-
tende Barre. Durch einen im Mai 1894 vollendeten
Durchschnitt wurde eine sichere Einfahrt geschaffen.
(S. Sulina.) Der dritte, 6-11 m tiefe St. Georgs-
arm (türk. Khidr-illis) ist von der ersten Gabelung
an 125, von der zweiten 110 km lang, hat aber aus
der seine Mündung sperrenden Barre nicht mehr
als 1,5 m Wasser. Die D. sührt durchschnittlich
35,2i9 Mill. odm Wasser per Stunde dem Meere zu.
Die Entfernung der Donauquelle von der Mün-
dung des Stroms beträgt 1684, die Stromlänge
2860 km, von denen auf die schwäbische D. von der
Vregquelle bis Ulm gegen 215 km, auf Bayern 366,
also auf das Deutsche Reich (Oberlauf) 58:, auf
Deutsch-Österreich 373, auf Ungarn von Preßburg
bis Orsova 940, auf die ganze Österreichisch-Unga-
rische Monarchie (Mittellauf) 1313, auf die bulgar.-
rumän.-russ. Strecke (Untertauf) 966 km entfallen.
Das Stromgebiet umfaßt 817100 ykm, wovon
etwa ein Siebentel auf Deutschland, etwa vier Sie-
bentel auf die österreichisch-Ungarische Monarchie
kommen. Abgesehen von den kürzern Wasserläufen
hat die D. 120 Nebenflüsse, darunter 60 grö-
ßere, von denen 34 als schiffbar bezeichnet werden.
Die namhaftesten sind rechts Iller, Lech, Isar, Inn,
Traun, Enns, Ybbs, Erlas, Pielach, Traisen, Tulln,
Wien, Schwechat, Fischa, Leitha, Raab, Särviz,
Dräu, Save, Morava, Timok, Isker, Osma, Iantra
und Lom; links Wörnitz, Altmühl, Naab, Negen,
Ilz, Kleine und Große Mühl, Krems, Kamp, March,
Waag, Gran, Eipel, Theiß, Temes, Schyl (Iiulu),
Aluta (Oltu), Ardschisch (Arges), Ialomitza (Ialo-
mita), Sereth, Pruth. Schiffskanäle im Donau-
geb'iet sind der Main-Donau-Ludwigskanal (s. d.) in
Bayern, der fürstl.Schwarzenbergsche Holzschwemm-
kanal, der die Moldau mit der Mühl (di-ese rechts mit
der D.) verbindet, der Wien-Neustädter, der Bacser-
oder Franzens- und der Vegakanal in Ungarn. Das
Projekt eines danubisch-Pontischen Schiffskanals
zwifchen Oernavoda und Küstendze ist wegen der
Terrainschwierigkeiten aufgegeben worden. Hin-
gegen wird der Plan eines Donau-Oder-Kanals
mÖsterreich ernstlich erörtert. Die D. ist außer-
ordentlich reich an Fischen, namentlich an Hausen,
Huchen (3li1m0 Iiucko 1^.), Lachsen, Welsen und
Karpfen. Früher erreichten die Hausen über 20 Ctr.
Gewicht, die Störe 7 Ctr.; jetzt findet sich ersterer
noch bis zu 8 Ctrn., letzterer zu 2-4 Ctrn.
Indem die D. ein Gebiet, das durch die Alpen
und den Balkan einerseits und durch die deutschen
Mittelgebirge und die Karpaten andererseits vom
Meere geschieden wird, ostwärts mit der See ver-
bindet, spielt sie eine bedeutsame Nolle als Ver-
mittlerin des Handels zwischen Ost und West. Die
Bedeutung wird erhöht durch die Verschiedenartig-
keit der Bodenerzeugnisse und den reichen Wechsel
der Völkerschaften, aber teils aus natürlichen, teils
aus polit. Gründen beeinträchtigt. Die ersternliegen
m der großen Menge von Hindernissen, welche