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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dorn (Joh. Albrecht Beruh.) - Dörnberg
sikalische Ausbildung besonders in Berlin unter
L.VerMHelterund Vernh.Klein, bekleidete seit 1828
Musildirektorstellen in Königsberg, Leipzig, Ham-
burg, Niga, Köln (1843) und wurde 1849 Nicolaiv
Nachfolger als Kapellmeister an der königl. Oper in
Berlin. Wider Willen 1809 pensioniert, lebte er als
Musitlehrer und Kritiker in Berlin, wo er 10. Jan.
1892 starb. Mehrere Opern von ihm (unter diesen
die "Nibelungen", 1854) gelangten zur Aufführung,
ohne sich einbürgern zu können. Unter seinen Lie-
dern sind besonders die humoristischen beliebt ge-
worden. Als gewandter Dirigent wurde D. allge-
mein geschätzt. Er veröffentlichte "Aus meinem
Leben" (6 Vochn., Verl. 1870-79).
Dorn, Joh. Albrecht Vernh., Orientalist, geb.
11. Mai 1805 zu Schcuerfelo im Herzogtum Co-
burg, studierte in Halle und Leipzig zuerst Theolo-
gie, dann orient. Sprachen. Nachdem er sich 1825
zu Leipzig habilitiert hatte, erhielt er 1826 einen
Nuf als ord. Professor der Morgenland, sprachen
an die Universität in Charkow, wurde 1835 Pro-
fessor der Geschichte und Geographie Asiens am
Orientalischen Institut in Petersburg und nach
Aushebung dieses Lehrstuhls 1843 Oberbibliothekar
der kaiscrl. öffentlichen Bibliothek. Die Ernennung
D.s zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaf-
ten und zum Direktor des Asiatischen Museums war
bereits 1839 und 1842 erfolgt. Die Jahre'1860 und
1861 verbrachte D. auf einer wissenschaftlichen Reise
in den Kaukasus, nach Mascnderan und Gilan.
Er starb 31. Mai 1881 in Petersburg, ^eine amt-
liche Stellung veranlaßte D. zur Bearbeitung deö
Unix" (Petersb. 1852) sowie des Werkes "Das Asia-
tische Museum der kaiserl. Akademie der Wissenschaf-
ten" (ebd. 1846). D.s wissenschaftliche Bestrebungen
waren vorzüglich auf Erforschung der Geschichte
und Sprache der Afghanen sowie auf die Geschichte,
Geographie und Sprachen Kaukasiens und der südl.
Küstenländer des Kaspischcn Meers gerichtet. In die-
ser Beziehung sind zu nennen: "Grammatische Bemer-
kungen über die Sprache der Afghanen" (Petersb.
1840), "^ elir68wiii3^l^ ol tlio I^iäliw c,r ^k^iian
1nnFuiiz6" (mit Glossar, ebd. 1847) und die "Histcu-v
0t' t1i6 ^tAilUIZ) ti'aN8illt6<1 flOIN t1l6 1^61813.11 Ol
Xt^mM-UilkW) (2 Bde., 1829-36), die Ausgaben
verschiedener orient. Quellenschriften über "Gefchichtc
von Tabaristan, Rujan und Mascnderan" (Petersb.
1850) und Gilans (ebd. 1858), von Ali ibn Schemsed-
dins "Chemisches Geschichtswerk" (ebd. 1857) und
"Auszüge aus mohammed. Schriftstellern, betreffend
die Gefchichte und Geographie der südl. Küstenländer
des Kaspischen Meers" (ebd. 1858). In den "Bei-
trägen zur Kenntnis der iran. Sprachen", Bd. 1 u.2
(ebd. 1860-66),veröffentlichte er in Verbindung mit
Mirsa Mohammed Schafy die ersten Texte in dem
pers. Dialeit von Masendcran. Ein Ergebnis seiner
Reise in den Kaukasus war das umfangreiche Wert'
"Caspia. Ubcr die Einfälle der alten Russen in Ta-
baristan" (Petersb. 1875).
Dornach, Fabrikort im Kanton Mülhausen-Süd,
Kreis Mülhauscn des Bezirks Oberelsaß, 3 km west-
lich von Mülhausen, dessen Vorort es geworden ist,
an den Linien Mülhausen-Colmar und Mülbausen-
Wesserling der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, im An-
fang des ^19. Jahrh, mit nur 250 E., bat (1890)
5657 meist kath. E., Post zweiter Klasse, Telegraph:
bedeutende Baumwoll- und Wollspinnereien sowie
-Webereien, Packleinwandfabrilen und die berühmte
Vrockhaus' Konvcrsations-Loxilon. 14. Aufl.. V.
photogr. Anstalt Braun, Element ck Cie. (s. d.). D.
(1216 Turnachc) gehörte einst der adligen Familie
zu Rhein, deren dortiges Schloß noch erhalten ist.
Dornach, Dornach-Vrugg, Pfarrgemcinde
und Dorf in der Schweiz, f. Dorneck.
Dornanszieher, antike Vronzefigur eines auf
einem Felsblock sitzenden nackten Knaben, der sich
einen Dorn aus der Sohle des linken Fußes zieht.
Sie befindet sich in der neuen Kapitolinischen Samm-
lung in Rom (s. Tafel: Griechische Kunst 11,
Fig. 3). Die frühere Ansicht, nach welcher die Figur
in die hellenistische Zeit gesetzt wurde, hat sich neuer-
dings als irrig erwiesen. Der frische Naturalismus
sowohl in der Auffassung des Motivs als auch in
der stilistischen Durchführung läßt in ihr das Werk
eines gricch. Künstlers aus der ersten Hälfte des
5. Jahrh. v. Chr. vermuten. Eine Replik in Marmor
besitzt das Museum in Berlin, eine andere das
Britische Museum in London. Modern ist das
Motiv von G. Eberlein in einer Statue (National-
galerie zu Berlin) behandelt.
Dorna-Watra, Markt in der öfterr. Bezirks-
hauptmannschaft Kimpolnng in der Bukowina, nahe
der siebenbürg. Grenze, an der Goldenen Vistritza,
wo das von hohen bewaldeten Bergen umsäumte
Thal sich mit dem schönen Thal der Dorna vereinigt,
bat (1890) 4309 mcistrumän. E. (etwa 1000 Teutsche),
Post, Telegraph, Bezirksgericht (6 Gemeinden und
Ortschaften, 2 Gutsgebiete, 12163 E.) und ist durch
seine kräftigen Eisenquellen beliebt geworden.
Dornbach, früher westl. Vorort'von Wien und
zu dessen Polizeirayon gehörig, und ehemals Dorf
in der niederösterr. Vezirkshauptmannschast und
dem Gerichtsbezirk Hernals, seit 1890 mit den Ge-
meinden Hernals und Neuwaldegg den XVII. Ge-
meindebezirk (Hernals) von Wien bildend, hat
(1890) 3370 E., Post und Telegraph. D. ist ein we-
gen seiner landschaftlichen Reize von den Wienern be-
vorzugter Sommeraufenthaltsort und durch Pferde-
bahn mit Wien verbunden. An D. grenzt unmittel-
bar der kleine, aber mit prachtvollen Villen ge-
schmückte, nunmehr ebenfalls mit Wien (XVII. Be-
zirk) vereinigte Ort Neuwaldegg (1890: 358 E.),
in dessen Gebiet sich der große, von Feldmarschall
Graf Lasey 1766-96 mit großen Kosten angelegte
Naturpark (363 Im) befindet, der nach dem Tode
Laseys 1801 in den Besitz der fürstl. Schwarzen-
bergseben Familie überging. Lascy ließ auch das
Schloß in seiner jetzigen Gestalt umbauen.
Dörnberg, Ferd'. Wilh. Kaspar, Freiherr von,
bekannt durch sein Unternehmen gegen den König
Mröme von Westfalen 1809, geb. 14. April 1768
in Hausen bei Hersfcld, stammte aus einer alten
Familie .Hessens. Er trat in hefs., dann 1796 in
prcuß. Kriegsdienste, kämpfte 1806 bei Jena, geriet
mit Blüchers Korps zu Lübeck in franz. Gefangen-
schaft, ging nach England, um dort für einen Auf-
stand in Hessen gegen die Franzosen zu wirken, und
war unter König Iéröme von Westfalen Oberst der
Gardejäger. Empört über die Bedrückung seines
Vaterlandes, nahm er an den geheimen Verbin-
dungen teil, die durch ganz Deutschland zur Ab-
werfung des fremden Jochs unterhalten wurden.
Ein Aufstand war sür ganz Niederhessen im An-
schluß an die Versuche von Hirschfeld, Katt, Schill
und des Herzogs von Brannschweig unter D.s Lei-
tung vorbereitet, brach aber gegen oefsen Willen zu
früh aus. D. flüchtete auf die Nachricht aus Cassel,
stellte sich in Homburg 22. April 1809 an die Spitze
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