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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Douglas (Geschlecht)
seine Tapferkeit eine von dem Scotenkönig Solva-
thius gegen Donald, König der westl. Inseln, ge-
lieferte Schlacht entschied und wegen seiner dunkeln
Gesichtsfarbe in kelt. Sprache vliu ^las (der schwarze
Mann) genannt wurde. Er erhielt zur Belohnung
seines Heldenmuts Ländereien in der Grafschaft
Lanark. Nach andern wäre die Familie flamänd.
Ursprungs und erst im 12. Jahrh, nach Schottland
gekommen. - William de D., "der Kühne", war
der jüngere zweier Söhne von Sir William de D.,
"Langbein", seit 1288 Lord D. Gegner John Ba-
liols (s. d.) und Eduards I. von England, geriet er
zweimal in engl. Gefangenschaft, ln der er 1298
starb. Seine Güter gab Eduard I. an Sir Robert
Clifford. Sein ältester Sohn, Sir James de D.,
"der Gute", treuer Genosse von Robert Bruce,
focht mit bei Vannockburn, war ein Krieger von ge-
fürchteter Tapferkeit, lag in beständigem Grenz-
kampf mit den Engländern und erhielt im Frieden
von Eduard III. auch die in England liegenden Be-
sitzungen zurück. Nach seines Königs, Robert Bruces,
Befehl sollte er nach dessen Tod (1329) sein Herz ins
Gelobte Land zur Bestattung bringen, fiel aber in
Spanien, wo er König Alfons XI. von Castilien
gegen die Mauren half (25. Aug. 1330). Im Heili-
gen Land ist er nicht gewesen. Sein Sohn, Wil-
Uam Lord D., siel 1333 bei Halidon-Hill (s. d.).
<HirArchibaldD., jüngster Bruder des "guten"
Lord James, einer der Regenten für König David II.,
fiel wie fein Neffe 1333 in der unglücklichen Schlacht
bei Halidon-Hill. Sein Sohn, Sir William D.,
kämpfte gegen die Engländer und tötete seinen Ver-
wandten Sir William D., Ritter von Liddesdale,
wegen verräterischer Beziehungen zu Eduard III.
Dieser Ritter von Liddesdale ist fälschlich als natür-
licher Sohn des "guten" Lord James D. angesehen
worden, sein Vater James und der "gute Lord"
waren Vetterskinder. Sir William wurde 1358 von
König David II. zum ersten Grafen von D. er-
hoben. Er starb 1384. Sein natürlicher Sohn,
GeorgeD.,wurdeersterGrafAngus(s.unten)von
der Douglas-Linie, sein ehelicher Sohn, James,
zweiter Graf D., lebte wie fein Vater in Grenz-
kämpfcn mit den Engländern und siel 1388 jung
und ohne Erben. Die Grafenwürde ging über auf
einen unehelichen Sohn des "guten Lord" James
D., Archibald D., dritten Grasen D., "den
Grimmigen". Er war ein energischer und kühner
Grenzhäuptling. Dessen Sohn Archibald, vier-
ter Graf D., trug Mitschuld an der Ermordung
des schott. Thronerben, des Herzogs von Nothesay,
des Sohnes Roberts III., 1402. In demselben Jahr
wurde er Gefangener von Percy Heißsporn, an dessen
Verschwörung gegen Heinrich IV. von England er
darauf teilnahm. In der Schlacht von Shrewsbury
geriet er 1403 in eine bis 1408 dauernde engl. Ge-
fangenschaft. Er nahm weiter an Grenzkämpfen
teil; 1423 führte er Karl VII. von Frankreich schott.
Hilfstruppen zu und wurde von diesem zum Herzog
von Touraine erhoben. Bei Verneuil wurde er
17. Aug. 1424 geschlagen und getötet. Weil er in
allen Unternehmungen Unglück hatte, erhielt er den
Beinamen ^neman, der Verlierer. Sein Sohn
Archibald, fünfter Graf D. und zweiter
Herzog von Touraine, behielt von feinem Her-
zogtum nur den Titel, war nach Jakobs I. Tod
(1437) einer der Regenten für den unmündigen
Jakob II. und wurde Generalstatth alter des Reichs,
starb aber schon 1439. Seine beiden Söhne, Wil-
liam, sechster Graf D. und dritter Herzog
von Touraine, und David D. wurden von den
Neidern der Macht ihres Hauses, an deren Spitze
der Kanzler Crichton stand, 1440 hingerichtet; ihr
Großonkel, James, wurde siebenter Graf D.,
die Herzogswürde von Touraine blieb erloschen.
Dieser James, "der Dicke" zubenannt, that nichts,
seine Neffen zu rächen, sondern stand mit Crichton
auf gutem Fuß, er starb schon 1443. Sein Sohn
William, achter Graf D., erzwang neben Crich-
ton den leitenden Regierungseinstuß und drängte
sogar den König Jakob II. in den Hintergrund, so-
dah dieser, seiner Vormundschaft überdrüssig, ihn
21. Febr. 1452 in Stirling-Castle mit eigener Hand
erdolchte. Sein Bruder James, der ihm als neun-
ter Graf D. folgte, erhob sich gegen Jakob II.,
unterlag aber völlig. Seine Macht wurde gebrochen,
seine Güter ihm genommen und an Seitenlinien
verteilt. Nach langer Verbannung zurückgekehrt,
starb er in Schottland 14. Juli 1488, ohne Kinder
zu hinterlassen. Mit ihm erlosch die ältere Linie der
Grafen von D.
Der natürliche Sohn des ersten Grafen D. und
der Schwester und Erbin des dritten kinderlosen
Grafen Angus von der Linie Stuart, George
D., erhielt trotz seiner unehelichen Herkunft von
König Robert II. 1389 die Grafschaft Angus über-
tragen und heiratete eine Stnart, TochterRoberts III.
Erstarb als engl. Kriegsgefangener 1402. Auch
sein Sohn William D., zweiter Graf Angus,
war ein eifriger Kämpfer gegen England; er starb
1437. Ihm folgten seine beiden Söhne, der kinder-
los 1452 sterbende James D., dritter Graf
Angus, und George D., vierter Graf Angus,
der bei Erhebung des neunten Grafen D. und seiner
Anhänger gegen König Jakob II. (s. oben) zur
königl. Partei stand und bei der Achtung desselben
einen Teil von dessen Besitzungen erhielt. Er starb
1462. Sein Sohn Archibald D., fünfter Graf
Angus, "der große Graf", auch "Leil tks Oat"
genannt, bekämpfte König Jakob III. im Bunde mit
dessen Bruder Herzog von Albany (s. Stuart) und
Eduard IV. von England. Auch später noch ver-
hielt er sich schwankend, verhandelte mit Heinrich VII.
von England gegen Jakob IV., versöhnte sich wieder
mit diesem und starb 1514. Dessen dritter, einzig
ihn überlebender Sohn war Gawin D., Bischof
von Dunkeld, ein bekannter Dichter; er schrieb
"^Ii6 ?g.1i3 ok llonmn'6" und "XinZ Ilart", zwei
Allegorien, und eine Übersetzung der Htneide (Lond.
1553; neue Ausgaben mit dem Leben des Verfassers
Edinb. 1710 u. 1839), deren Wert darin liegt, daß
sie der erste Versuch der Art war. Seine gesammel-
ten Werke sind herausgegeben von Small, "^Vork"
0k 6avw v." (4 Bde., Edinb. 1874). Er nahm auch
teil an den polit. Wirren seiner Zeit und starb als
Verbannter 1522 in London. Seines Vaters Nach-
folger war der Sohn seines bei Flodden gefallenen
Bruders, Archibald D., sechster Graf Angus.
Er heiratete die Witwe König Jakobs IV. und Toch-
ter Heinrichs VII. von England, Margarete, besaß
zeitweise großen Einfluß und spielte besonders in
den Beziehungen Schottlands zu England eine Rolle.
1528 ließ Margarete sich von ihm scheiden, er
wurde als Hochverräter geächtet und mußte nach
England fliehen. Erst 1543 nach Jakobs V. Tode
erhielt er Würde und Besitz zurück und verfocht wie-
der mit Eifer die Interessen seines Landes; er starb
1557. In allen Kämpfen hatte ihm fein jüngerer