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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dresden (Haupt- und Residenzstadt)
vier Strombogen von je 31 m Spannung und mehrern Landdogen. Die Verlegung der wegen ihrer engen und zum Strom schiefwinklig stehenden Pfeiler der Schiffahrt hinderlichen Augustusbrücke um einige Meter stromabwärts ist geplant, eine neue (vierte) Brücke zwischen derselben und der Albertbrücke ist im Bau.
Straßen, Plätze, Denkmäler. Die Stadt bat 464 Straßen und Gassen, 57 freie Plätze und mehrere öffentliche Gärten; unter letztern der Herzogingarten in der Altstadt und der Palaisgarten in der Neustadt. Die Hauptadern des Verkehrs sind vom Freiberger bis zum Pirnaischen Platze die Annen-, Wettinerstraße, Ostraallee, PostPlatz, Wilsdrufferstraße, Altmarkt und die 1888 durchgebrochene König Johannstraße, vom Schloßplatz bis zum Böhmischen Bahnhof die Schloß-, See- und Pragerstraße; ferner die Frauen-, Landhaus-, Moritz-, Marschall-, Pillnitzer, Grunaer Straße und die Johann Georgenallee in der Altstadt und deren Vorstädten; die Hauptstraße, die große Meißner, Leipziger, Bautzner, Schiller- und Königsbrückerstraße in der Neu- und Antonstadt. Größere öffentliche Plätze sind in den Stadtteilen links der Elbe der Altmarkt, Neumarkt, Pirnaische, Dippoldiswalder und Georgsplatz, der Schloßplatz, Theaterplatz, Bismarck- und Moltkeplatz, Ferdinand-, Freiberger, Güntz- und Holbeinplatz; ferner in der Neustadt der Markt, Kaiser Wilhelm-, Albert-, Kurfürsten- und Alaun-(Parade-)platz. Die hauptsächlichsten Denkmäler sind das Denkmal Friedrich Augusts I. im Zwinger, sitzende Figur in Erz von Rietschel, 1843 enthüllt, mit Unterbau von Granit, Architektur und Figuren aus Kanonenmetall und mit allegorischen Gestalten am Sockel; auf dem Theaterplatz Reiterstandbild des Königs Johann auf 3 in hohem Syenitsockel von Schilling, zum Wettinfest 18. Juni 1889 enthüllt; Standbild Karl Marias von Weber in den Anlagen am Museum, nach Rietschels Entwurf in Lauchhammer gegossen und 11. Okt. 1860 enthüllt; Standbild des Königs Friedrich August II. von Hähnel, Bronzeguß auf Granitpostament, 3. Aug. 1867 enthüllt; vor der Frauenkirche das 1885 errichtete Lutherdenkmal, Bronzeguß nach dem für das Wormser Denkmal von Rietschel entworfenen Modell und dem von Rietschel selbst modellierten Kopfe Luthers, beide auf dem Neumarkt; auf dem Georgsplatz vor der Kreuzschule das Bronzestandbild Theodor Körners, nach Hähnels Modell von Lang & Herold in Nürnberg gegossen, 18. Okt. 1871 enthüllt; rechts und links davon die Büsten von Julius Otto (von Kietz) und Karl Gutzkow (von Andresen); auf der Brühlschen Terrasse das Rietscheldenkmal (21. Febr. 1876) und das Bronzestandbild Gottfr. Sempers (1. Sept. 1892), beide von Schilling; auf dem Altmarkt seit 1880 das Siegesdenkmal für 1870/71 (eine Germania nach Henzes Modell, in Marmor ausgeführt von Cellai in Florenz, am Sockel vier Idealgestalten); das sog. Moritzmonument, eine vom Kurfürsten August seinem 1553 bei Sievershausen gefallenen Bruder Moritz gewidmete Figurengruppe von Randstein, 1870/71 erneuert; auf dem Neustädter Markt das Reiterstandbild Augusts II. des Starken, von Wiedemann (Augsburg) in Kupfer getrieben und vergoldet, 1736 errichtet, und zwei monumentale Fahnenmasten zum Andenken an den Besuch Kaiser Wilhelms I. 1882, vom Bildhauer Epler und Architekt Schubert (14. Sept. 1893). in den Anlagen an der Weißeritz die eiserne Kolossalbüste des Königs Anton, nach Rietschels Modell und vergoldet, 27. Dez. 1835 enthüllt; an der Theresienstraße das Denkmal des Jugendschriftstellers Nieritz, von Kietz; in der Albertstadt das Mausoleum des Grafen von Fabrice (von Lipsius) mit dem Bronzestandbild desselben (von Schilling), 11. Okt. 1893 eingeweiht. Eine zweite Gruppe von Denkmälern bilden die Monumentalbrunnen. Aus früherer Zeit stammt die berühmte Neptunsgruppe im Park des ehemaligen Marcolinischen Palais, nach Longuelunes Entwurf von Mattielli ausgeführt, 1874/75 erneuert; der Cholerabrunnen auf dem Postplatz, nach Sempers Zeichnung 1844 von dem Freiherrn von Gutschmid errichtet, 1891 erneuert, der Nymphenbrunnen aus dem Moltkeplatz, nach Broßmanns Modell 1866 errichtet; der Gänsediebdrunnen auf dem Ferdinandsplatz, seit 1880 mit einer von Rob. Diez modellierten, von Vierling in Dresden gegossenen Figur des Gänsediebs; endlich die von Hähnel modellierte Bronzefigur des heil. Georg mit dem Lindwurm auf dem St. Georgsbrunnen neben der Sophienkirche (1887).
Kirchen. Unter den 24 Kirchen (15 evangelische, 5 katholische) nimmt wegen ihrer architektonischen Schönheit den ersten Platz ein die Frauenkirche am Neumarkt, 1726-38 von George Bahr erbaut und bis 1745 von Schmidt vollendet, mit hoher Kuppel und Laterne (95 m), und einem prächtigen Hochaltar in Barockstil (s. Tafel: Altäre II, Fig. 6); ferner die kath. Hofkirche, der Augustusbrücke gegenüber, 1737-56 nach dem Plane des Italieners Chiaveri im Barockstil aufgeführt (über 1 Mill. Thlr.), mit Turm (85 m) und berühmter Orgel von Silbermann; oben auf den Brüstungen und an den Eingängen 78 Heiligenbilder in Sandstein von Mattielli, im Innern ein früher berühmtes Altarbild: Christi Himmelfahrt von Raphael Mengs; unter der Sakristei die Gruft der königl. Familie, ein bedeckter Gang führt nach dem ersten Stockwerk des Schlosses; die evang. Hof- und Sophienkirche, dem Zwinger gegenüber, nach der Kurfürstin Sophie benannt, aus dem 13. und 14. Jahrh., Ende des 16. Jahrh. von Christians I. Witwe wieder zum Gottesdienst eingerichtet, 1864-68 nach dem Plane von Prof. Arnold in got. Stil erneuert, im Innern 1875 wiederhergestellt. Die Kreuzkirche, nach dem preuß. Bombardement (1760) 1764-92 anfänglich nach dem Plane des Baumeisters Schmidt, später nach dem von Exner umgeänderten Plane neu aufgebaut, bat einen viel besuchten Turm (95 m); die Johanniskirche an der Pillnitzerstraße, 1878 von Möckel in got. Stil vollendet; die Annenkirche aus dem 16. Jahrh., nach der Zerstörung im Siebenjährigen Kriege wieder aufgebaut, mit Turm (57 m) von 1823; die Anglikanische Kirche (All Saints’ Church), 1868-69 nach dem Entwurf von St. Aubin (London) von Pieger erbaut; die kaiserlich ruß. Gesandtschaftskirche, 1872-74 nach dem Entwurf des russ. Staatsrats Bosse erbaut. Im Bau befinden sich die Trinitatis- und Lukaskirche.
Von den Kirchen in Neustadt sind zu erwähnen: die Dreikönigskirche an der Hauptstraße erbaut 1732-39 mit 94 m hohem Turm von 1854-57, an diesem sieben Statuen, die vier Evangelisten und heiligen drei Könige, von Hähnel; die kath. Pfarrkirche, 1863 nach Bothens Entwurf vollendet, über dem Portal ein Christus von Hähnel, im Schild des Rundbogens eine Maria auf Goldgrund von Kriebel, Altargemälde von Schönherr; die St. Petri- und St. Pauli-^[folgende Seite]