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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dschub - Dsungarei
und ebensoviele Segel, die aus Matten gefertigt sind
und sich beim Herunterlassen in eine Reihe Falten
zusammenlegen lassen. Die D. sind leicht und ohne
viel Kunst zusammengefügt, sodaß sie schwere See
und die Schüsse von schwerem Geschütz nicht er-
tragen. Ihre Form ist äußerst plump und schwer-
fällig. In der Mitte niedrig, gehen sie krumm
nach vorn und hinten aufwärts. Sie können nicht
lavieren, sondern nur mit günstigem Winde fahren
und machen daher zwischen China und Singapur
oder Java jährlich nur eine Reise hin und zurück,
weil dort halbjährige Winde (Monsuns) wehen,
die nur auf einer Tour günstig sind. Die Kriegs-
Dschonken unterscheiden sich von den Handels-
Dschonken durch bessere und schärfere Bauart. Sie
sind vortreffliche Segler, aber meist nur für Flüsse
und Küsten bestimmt, da sie die schwere See nicht
bewältigen können. Jede chinesische D. hat an jeder
Seite ihres Bugs ein großes Auge gemalt, weil
nach der Meinung der Chinesen ohne dieselben das
Fahrzeug seinen Weg nicht finden kann.
Dschub, Fluß in Nordojtafrika, f. Iub.
Dschubbe (arab.), das aus Tuch oder Woll-
stoff angefertigte Obergewand des orient. Mannes.
Es wird von: offen getragen, hat enge, nicht ganz
an das Handgelenk reichende Ärmel, aus dem die
Ärmel des Unterkleides Entari (s. d.) hervorragen,
und reicht bis zu den Knöcheln herab. In Syrien
ist D. heute ein bis auf die Füße herabreichender
europ. Mantel mit weiten Ärmeln.
Dfchudi, Gebirge, s. Ararat (Hochebene).
Dschuf, El- (arab. "Leib"), Landschaft in der
Westsahara, die tiefste Einsenkung dieses Teils der
Wüste, nach Lenz aber in keinem Punkte unter 120 in
über dem Meeresspiegel liegend; eine Dünenreaion
ganz ohne Weide, durch die die Straße von Ma-
rokko nach Timbuktu führt. Im Norden das Dorf
Taudeni mit berühmter Salzlagerstätte.
Dschufut-Kale, s. Bachtschisaraj.
Dschuga, Dschulacha, Dorf, s. Dschulsa.
Dschulamerg (Dschulameck), ursprünglich
im Armenischen Dschelamath, bei den Kurden
abgekürzt Dschemar, Ort im türk. Kurdistan, im
obern Thale des Großen Zab, nahe rechts am Flusse
und am Fuße eines 1715 m hohen, das Schloß
tragenden Felsens, etwa 200 km im NNO. von
Mosul. D. ist der Hauptort im Bezirke des wilden
kurdischen Stammes der Haltiari, mitten im Lande
der Nestorianersekte der Chaldäer oder Chaldani.
Dfchulfa, armenisch Dschuga, türk. Dschu-
lacha, Dorf im Kreis Nachitschewan des Gouverne-
ments Eriwan in Russisch-Transkaukasien, 194 km
südöstlich von Eriwan, links am Aras und an
der Karawanenstraße von Tiflis nach Persien, hat
200 E., Post und Telegraph und 24 meist in Trüm-
mern liegende Kirchen. D. war im Altertum eine
große Stadt mit 8000 Familien. Als Schah Abbas
1603 Armenien eroberte, zwang er die Bewohner
von D. nach Ispahan in Persien überzusiedeln, wo
sie eine besondere Vorstadt, Nor-Dschuga(Neu-
Dschulfa), bildeten. Durch D.gehen jährlich etwa
80-90 Karawanen mit türk. und pers. Waren im
Werte von 1,6 Mill. Rubel.
Dfchum'a (arab.), soviel als Versammlung. Be-
sonders wird im Islam dies Wort zur Bezeichnung
der Gemeindeversammlung angewendet, welche Frei-
tags um Mittag in dem Dschami', d. i. dem ver-
sammelnden Gotteshaus, behuss der Anhörung der
Chutba (s. d.) stattfindet, Der Freitag heißt danach
im Arabischen <Iöw 6i'I)8Lkum'li., Versammlung^-
tag, im Türkischen DscimuiH 6ünü. Auch in Orts-
namen begegnet man häusig dem Worte D. und
zwar für Flecken und Städte, in denen ein Freitags-
Wochenmarkt abgehalten wurde oder noch wird, so
Eski-Dschuma (Altdschuma) westlich von Schumla im
Fürstentum Bulgarien, D. am obern Strymon u.a. m.
Dfchumblatieh, s. Drusen (S. 5439.).
Dfchunaid, eine der hervorragendsten Autori-
täten des Sufismus (s. d.) in seiner ältern Periode,
lcbte in Bagdad und starb daselbst l)W.
Dschungel, s. Dschangal.
Dschungelhuhn (OlU1u8 8taM)i (,>ll?/), s.
Hühner (echte).
Dschunke, soviel wie Dschonke (s. d.).
Dschunkölvskij, Stepan Semenowitsch, russ.
Staatsmaun und Gelehrter, geb. 5. Jan. 1763 zu
Lebedin aus einer kleinruss. Familie, empfing seine
Erziehung in dem Kollegium zu Charkow. Nach
einem siebenjährigen Aufenthalt in Ena^nd 5ehrtc
er über Frankreich und Deutschland 1792 nach Pe-
tersburg zurück und wurde zum Hofrat und Lehrer
der Töchter Kaifer Pauls ernannt. 1802 wurde D.
Direktor im Departement der Staatswirtschaft und
öffentlichen Bauten, welches Amt er bis 1828 be-
kleidete. Fast alle Reformen, die in dieser Zeit in
den wirtschaftlichen Verhältnissen Rußlands statt-
fanden, hat man seiner Einwirkung zu verdanken.
Die von ihm angebahnte Abschaffung der Leibeigen-
schaft scheiterte jedoch an dem Widerstände des
Adels und der Bureaukratie. Auch als beständiger
Sekretär der ökonomischen Gesellschaft, zu welchem
Posten er 1803 erwählt wurde, entfaltete er eine nütz-
liche Thätigkeit. Er starb 15. April 1839 zu Peters-
burg. Von seinen Schriften ist ein im Stil Delilles
gehaltenes Lehrgedicht über Gartenbau (2. Aufl.,
Charkow 1810) und das hauptsächlich von ihm be-
arbeitete "Neue und vollständige System der Land-
wirtschaft" (15 Bde., Petersb. 1817) zu nennen.
Dfchurdschelvo, rumän. Stadt, s. Giurgiu.
Dschurdfchura, Gebirgsstock im kleinen Atlas
Dfchut, soviel wie Jute (s. d.). j^s. d.).
Dsikr, s. Derwisch.
Dsilhiddfche, s. Dsul-Hiddsche.
Dsilka'da, s. Dsul-ka'da.
Dsjeja, Nebenfluß des Amur, s. Seja.
Dso, s. Kuki und Lohitavölker.
Dsongarei, s. Dsungarei.
Dsp., Abkürzung für Deutschenspiegel ls. d.).
Dsulfikar (arab., "das mit Rückenwirbeln be-
gabte"), Name eines Schwertes des 'Ali. Moham-
med hatte dasselbe von einem Ungläubigen erbeutet
und schenkte es dem 'Ali. Es wurde lange Zeit in
der abbassidischen Familie bewahrt und vererbt. Die
Fätimiden (s. d.) gaben vor, das Schwert, mit wel-
chem sie sich umgürteten, sei das D.
Dsul-Hiddsche oder Dsilhiddsche, der 12.Mo-
nat des mohammed. Mondjahrs, in dessen erste 10
Tage die Ceremonien des Haddsch (s. d.) fallen.
Dsul-ka'da oderDsilka'da, der 11. Monat des
mohammed. Mondjahrs.
Dsungarei (Söngarei, Dsongarei), nach
den Dsun garen, einem westmongol. Volke, be-
nannter Teil des unter chines. Herrschaft befind-
lichen westl. Innerasiens. Der Name wird von den
Europäern willkürlich bald einem größern, bald
einem kleinern Gebiete gegeben, umfaßt aber immer
die Gebiete Tarbagatai (s. d.) und Kurkara-ussu
zwischen dem Irenchabirga und dem Ektag Altai,