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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Duclos - Ducq
Finanzen. In den Mai- und Iunitagen bekämpfte
er mit Eifer die Maßregeln des Velagerungszustan-
des und trat nach der Ernennung Cavaignacs zum
Inhaber der exekutiven Gewalt aus dem Ministe-
rium. Nach Auflösung der Konstituierenden Ver-
sammlung zog er sich von dem polit. Leben zurück,
betrieb mehrere industrielle Unternehmungen, leitete
in Spanien die Kanalisierung des Ebro und trat
dann an die Spitze der Finanzgesellschaft des span.
"Credit modilier". Bei den Wahlen vom 8. Febr.
1871 wurde er Abgeordneter des Depart. Vasses-
Pyre'nses, Mitglied, dann Präsident der republikani-
schen Linken und that sich als Redner besonders in
finanziellen Fragen hervor. Viccpräsident der Na-
tionalversammlung seit 1875, ward er in demselben
Jahre zum lebenslänglichen Senator und 1876 zum
Vicepräsidenten des Senats gewählt. Im Aug. 1882,
nach dem Sturz des zweiten Ministeriums Frcycinet,
beauftragte ihn Gre'vy mit der Bildung eines neuen
Ministeriums, worin D. außer dem Vorsitz das Porte-
feuille der auswärtigen Angelegenheiten übernahm.
Infolge der Ministerkrisis, die durch das 15. Jan.
1883 vom Prinzen Napoleon erlassene Manifest ver-
anlaßt wurde, trat D. 28. Jan. mit seinem Kabinett
zurück. Er starb 21. Juli 1888 zu Paris.
Duclos (spr. dükloh), Charles Pinot, nicht Pi-
neau, franz. Schriftsteller, geb. 12. Febr. 1704 zu
Dinan in der Bretagne, kam in früher Jugend nach
Paris, wo er sich der Litteratur widmete. Er ver-
öffentlichte zuerst Romane, von denen die "(üolltoL-
8i0N8 än cc"int6 äs ^^^> (Amsterd. 1742) großen
Beifall fanden. Nach feinem ersten geschichtlichen
Werke: "IliLtoire äs I^ouis XI" (4 Bde., 1745), gab
D. "00Q8iä6lati0ii8 8ur 168 inwurg ä6 C6 8iöoi6"
(1749) heraus, in denen er sich als geistreicher und
gewandter Charakterzeichner zeigte, sodann als
Fortsetzung die "Nemoii'68 pour 86rvir ü. I'iii^toiro
3e8 inwurs änXVI11^8i6el6"(1751). Vorzügliches
leistete er in den "N6moir68 86er6t8 äo3 1-0^1168 Ü6
I>oui'F XIV et ä6 I^oui8 XV", die er schrieb', nach-
dem er zum Historiographen an Voltaires Stelle er-
nannt worden war/die aber erst später erschienen
ber, 3 Bde., Verl.1792-93). Er wurde 1747 Mitglied
der Akademie, als deren Sekretär er die Redaktion
des "DictionuairL äs i'^cHäömw" (1762) zu be-
sorgen hatte. Die Frucht einer Reise, die er 1766
nach Italien machte, sind die "Vo^Fo ou 1taU6, on
60ii8iä6i'Hti0U8 8ui' i'lwli6" (1791; deutsch von
Schleusner, Jena 1792). D. starb 26. März 1772
in Paris. Seine "Wuvi-68 c0mMt68" gaben
Desessarts (Bd. 1, Par. 1797-1807), später Velin
(3 Bde., ebd. 1821) und Auger (9 Bde., ebd. 1821)
heraus. - Vgl. Barm, 1^68 uioi'3.1i8t68 t'iiii^ai3 ".n
XVIII^ 3ieci6 (Par. 1873); Peigns, (^iar1"8 1). (ebd.
1867); L. Mandon, "D6 1g> valeui- IiiZtoricino ä"8
m6in0ii-68 86ci'6t8 äs 1). (Montpellier 1872).
Du-Comment (student., spr. kommäng) oder
Duz-Comment, dcr Verkehr auf Du und Du;
früher auch die Bestimmung, daß alle Studenten
einer Universität sich mit Du anreden müssen. Die-
ser D. herrschte u. a. in Jena, Halle und Leipzig, ist
aber jetzt in Deutschland überall verschwunden und
findet sich nur noch in Dorpat unter den Studenten
deutscher Nationalität.
Ducos (spr. dükoh), Roger, Graf, franz. Politi-
ker, geb. 23. Juli 1754 zu Dax (Landes), war beim
Ausbruche der Revolution Advokat, kam 1792
in den Nationalkonvent und stimmte hier für die
Verurteilung Ludwigs XVI. Jan. 1794 zum Prä-
sidenten des Iakobinerklubs gewählt, verstand er
durch kluge Zurückhaltung den Sturz der Partei zu
überdauern. Sein Einfluß begann nach der Empö-
rung des 13. Vende^miaire (5. Okt. 1795) wieder zu
steigen. Als Mitglied des Rates der Alten ward er
4. Sept. 1797 dessen Präsident, wurde aber 1798 aus-
geschlossen und zog sich in das Privatleben zurück, aus
dem ihn Barras Juni 1799 zum Mitglied des Direk-
toriums erhob. Bei den Vorbereitungen zum Sturze
der Negierung trat D. rückhaltlos den Entwürfen
Sieycs' bei, wofür er nach der Katastrophe vom
18. Vrumaire (9. Nov. 1799) mit diesem und Vona-
parte zum Mitglied des provisorischen Konsulats ge-
macht wurde. Als er dann Lcbrun sein Amt über-
lassen mußte, ward er als Vicepräsident in den Se-
nat versetzt und bei Errichtung des Kaiserreichs in den
Grafenstand erhoben, 1815 aber, nach Napoleons
Rückkehr, zum Pair ernannt. Nack der zweiten
Restauration mußte D. als sog. Köniqsmörder
Frankreich verlassen und fand bei Ulm 16. Oärz 1816
durch Umwerfen seines Wagens den Tod.
Du Couret (spr. dükurch), genannt Abd ul-
H amid Bei, franz. Abenteurer, geb. 1812 zu Hü-
ningen, bereiste 1834 die Nilländer und Abessinien,
trat zum Islam über, pilgerte nach Mekka und
durchzog Arabien und Persien, worauf er 1847 nach
Frankreich zurückkehrte. Später ging er wieder nach
Kairo, wo er I.April 1867 starb. Die Zuverlässig-
keit seiner Reiseberichte ("1^68 m)'8t6i'68 äu ä636i-t",
1859, und die in den "Imi)i'683ion8 äs vo^HFe" von
A. Dumas veröffentlichte Schrift "I^ral)i6 ii6u>
l6U86", 1860) ist namentlich von H. Kiepert an-
gegriffen worden.
Ducpetiaux (fpr. dückpetloh), Edouard, belg.
Publizist, Mitglied der Belgischen Akademie, geb.
29. Juni 1804 zu Brüssel/betrat die Advokatcn-
laufbahn in seiner Vaterstadt und that sich als Mit-
arbeiter am Brüsseler Oppositionsblatt "^oui-i-im-
ä68 ?9^8-I5a8" hervor. Ein polit. Preßprozcß brachte
ihm 1828 ein Jahr Gefängnis ein. Nach der Re-
volution, an deren Kämpfen cr sich in aktiver Weise
beteiligte, erhielt er, bereits durch seine 1827 er-
schienene Schrift gegen die Todesstrafe bekannt, die
Stelle eines Gencralinspcktors der belg. Gefäng-
nisse und Wohlthätigkeitsanftaltcn, legte abcr 1861
infolge von Differenzen mit dcr liberalen Regierung
diefes Amt freiwillig nieder. Einen thätigen An-
teil nahm D. später an den statist. und ökonomi-
schen Kongressen. Er starb 21. Juli 1868 in Brüs-
sel. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervor-
zuheben: "1)6 1a conäitiou pli^iqn? et inoralo 6e8
^6UN68 ouvrisrä" (2 Bde., Vrüss. 1843), tt^Iö-
mmr6 3ur 16 Mupoli8in6 ä68 I^I^uäi'63" (ebd.
1850), "VuäF6t.8 L00Q0Ini(1UL8 (168 cw8868 OUVI-iei'^
(M VelFihHE" (ebd. 1855), "I^H qu68ti0n ä6 1k cllH-
1'it6 6t 668 a880ciHtioN8 1'6ii^16U868 6U V6lg'i(1N6"
(ebd. 1858). Neben seiner eifrigen Mitwirkung an
der Reform des Gefängniswescns in Belgien ver-
dient auch feine Schöpfung, die Strafanstalt (^c0l6
ä6 i-6korm6) für junge Sträflinge zu Ruysselede
(Flandern), Erwähnung. - Vgl. Ä. Ncut, ^äon^d
I). ^lotic.6 di0Fi-Hp1ii(iu6 (Brüss. 1868).
Ducq (spr. duck), Jan le, Holland. Tiermaler,
geb. 1636 im Haag, war Schüler von Paul Pvtter,
soll 1671 als Direktor der Akademie im Haag ge-
storben sein. D. malte Tierstücke in der Weise
Potters; doch erreichte er nicht die Weichheit seines
Meisters. Dagegen sind seine Zeichnungen, die er