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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dudelsack; Duden; Duderhofsche Berge; Duderstadt; Dudevant

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Dudelsack - Dudevant

4 Bänden (Lond. 1810). Saint Aulaire gab 1859 ihre "Correspondance inédite" (meist Briefe an die Herzogin von Choiseul) heraus. - Vgl. Asse, Mlle. de Lespinasse et la Marquise D. (Par. 1877).

Dudelsack, Sackpfeife, Blasinstrument (grch. askaulos; lat. tibia utricularis), schon dem Altertum bekannt, bis um das 18. Jahrh. fast in ganz Europa verbreitet und in verschiedenen Ländern (Polen, Schottland, Süditalien, dem südl. Frankreich u. s. w.) noch jetzt unter den Landleuten gebräuchlich, klingt scharf und näselnd. Er besteht aus einem ledernen Schlauch oder Sack, der das Windbehältnis ausmacht. Auf der obern Seite desselben befindet sich eine Röhre, durch die der Spieler den Wind in den Schlauch bläst, den er vor sich hält, um ihn zugleich mit dem Arme an sich zu drücken und dadurch den Druck der Luft zu vermehren. Auf der entgegengesetzten Seite ist ein der Oboe ähnliches Instrument mit sechs Tonlöchern im Schlauche befestigt, das den Wind aus dem Schlauche erhält und als Melodiepfeife wie die Oboe behandelt wird. Nächst diesem sind noch einige stets in einem einzigen tiefen Tone fortklingende Pfeifen, sog. Hummeln (s. d.) an der Seite oder auch oberhalb des Schlauchs befestigt, die ebenfalls aus demselben den Wind erhalten. Zu Anfang des 17. Jahrh. kannte man (nach Prätorius) vier an Größe verschiedene Gattungen D., nämlich den (polnischen) Bock, die Schäferpfeife, das Hummelchen und die Dudey. In Calabrien ist der D. (Piva, Cornamusa) noch allgemein im Gebrauch; in Schottland ist er als Bagpipe Nationalinstrument, wird bei schott. Regimentern anstatt der Trompeten gebraucht und übertrifft jedes andere Instrument durch weittragenden Ton. Auch in den andern Ländern Europas spielte er besonders im 17. und 18. Jahrh. eine große Rolle selbst in den Hofkreisen, wo man kostbar durch Stickerei u. dgl. verzierte Instrumente liebte. Eine besondere Art war die franz. Musette.

Duden, Konrad Alexander Friedr., bekannt durch seine Thätigkeit auf dem Gebiete der deutschen Rechtschreibung, geb. 3. Jan. 1829 auf dem Gute Bossigt bei Wesel, studierte in Bonn Philologie, wurde 1859 Gymnasiallehrer in Soest, 1867 Prorektor. 1869 wurde er nach Schleiz berufen, um das dortige Gymnasium nach preuß. Muster zu organisieren, 1876 Direktor des Gymnasiums zu Hersfeld. Er veröffentlichte "Anleitung zur Rechtschreibung" (2. Aufl., Lpz. 1878), "Die deutsche Rechtschreibung" (ebd. 1872), "Die Zukunftsorthographie nach den Vorschlägen der (Berliner) Konferenz" (ebd. 1876), "Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache" (4. Aufl., ebd. 1893), "Orthographischer Wegweiser für das praktische Leben" (2. Aufl., ebd. 1884), die Neubearbeitung der "Grundzüge der neuhochdeutschen Grammatik" von Fr. Bauer (21. Aufl., Münch. 1891), "Die Verschiedenheiten der amtlichen Regelbücher über Orthographie" (ebd. 1886), "Etymologie der neuhochdeutschen Sprache" (Münch. 1893).

Duderhofsche Berge, Höhen im Kreis Zarskoje Selo des russ. Gouvernements Petersburg, südlich von Zarskoje Selo und südöstlich von Krasnoje Selo, unmittelbar an der Baltischen Eisenbahn, 165 m hoch, mit einer kaiserl. Villa in schweiz. Stil. Nördlich daran breitet sich das große Zeltlager von Krasnoje Selo aus.

Duderstadt. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Hildesheim, hat 223,93 qkm und (1890) 25568 (11619 männl., 13 949 weibl.) E., 1 Stadt und 29 Landgemeinden. - 2) Selbständige Stadt und Hauptort des Kreises D., 18 km östlich von Göttingen in einem fruchtbaren Thale (früher "Goldene Mark" genannt), an den Flüßchen Brehme und Hale und an der Nebenlinie Wulften-D. der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 4809 (2220 männl., 2589 weibl.) E., darunter 1496 Evangelische und 81 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, Landratsamt, Amtsgericht (Landgericht Göttingen); eine schöne kath. Kirche aus dem 14. und eine protestantische aus dem 13. Jahrh., altes Rathaus, Mariensäule (12,5 m); bischöfl. Rektoratsschule (seit 1887), früher kath. Progymnasium (seit 1830), 1669 als Gymnasium gegründet, ein königl. simultanes Realprogymnasium, höhere kath. und höhere paritätische Mädchenschule (Ursulinerinnenkloster); Fabrikation von Flanell, Woll- und Baumwollstoffen, Handschuhen und Cigarren; Lohgerbereien. Tabakbau, Getreide- und Pferdemärkte. - Die Stadt, urkundlich zuerst 929 erwähnt, kam 974 an das Stift Quedlinburg, 1358 an das Erzstift Mainz, 1802 an Preußen, 1808 an Westfalen, 1816 an Hannover und 1866 wieder an Preußen.

Dudevant (spr. düd'wáng), Amantine Lucile Aurore, Baronin von D., geborene Dupin, franz. Romanschriftstellerin, schrieb unter dem Namen George Sand. Sie wurde 5. Juli 1804 zu Paris geboren; ihr Vater, Maurice Dupin, der unter der Republik und dem Kaiserreich als Offizier mit Auszeichnung gedient hatte und 1808 starb, war der Enkel des berühmten Marschalls Moritz von Sachsen. Sie wuchs auf dem Schlosse Nohant (bei Lachâtre in Berry) unter der Obhut ihrer Großmutter, Mad. Dupin de Francueil, im freien Verkehr mit den Landkindern auf und vollendete ihre Erziehung 1817 - 20 bei den Englischen Fräulein in Paris. Frühzeitig lernte sie J. J. Rousseau kennen, dessen Glauben an die ursprüngliche Güte des Menschen und an die Verderbtheit der Gesellschaft auch ihr Evangelium wurde. Sie wurde 1822 mit dem Baron D. verheiratet, konnte aber in diesem Bunde ihr Glück nicht finden; 1831 trennten sich die Gatten, Frau D. ging nach Paris. Eine förmliche Scheidung (1836), wobei sie ihre Kinder zurückerhielt, erlangte sie auf gerichtlichem Wege. Durch das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und nach einem Lebensberuf zur Litteratur geführt, schrieb sie mit ihrem Freunde Jules Sandeau (s. d.) den Roman "Rose et Blanche" (1831), der unter dem Namen Jules Sand herauskam. Berühmt wurde dies Pseudonym mit dem andern Vornamen "George" durch ihre Romane "Indiana" (1832), "Valentine" (1832), "Lélia" (1833), die ein ursprüngliches kraftvolles Talent offenbarten. In diesen charakteristischen Seelengemälden, von oft deklamatorischem Vortrag, wurde das Recht freier Herzenswahl verkündet und eine aus den persönlichen Erfahrungen der Verfasserin hervorquellende Tendenz der Auflehnung gegen lieblosen Zwang der Ehe ausgesprochen. Auch die folgenden Werke entstanden unter der unmittelbaren Wirkung eigener Schmerzen und Empfindungen; so erschienen, nachdem sie 1833 mit A. de Musset eine Reise nach Italien gemacht und in Venedig mit ihm gebrochen hatte, außer "Jacques" (1834), worin sie ihr Ideal des Liebhabers zeichnet, in der "Revue des Deux Mondes" die Romane: "Leone Léoni" (1835), "André" (1835), "Mattea", "Simon", "Mauprat" (1837), "La dernière Aldini", "L'Us- ^[folgende Seite]