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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dulcin - Duller
sahen von einer gewaltsamen Einnahme D.s ab
und verlangten die Übergabe der Stadt in Aus-
führung des Vertrags. Auf Anraten Deutschlands
und Frankreichs befahl der Sultan im Oktober die
Übergabe des Platzes, welcher 17. Nov. 1880 von den
türk. Truppen unter Derwisch Pascha eingeschlossen
und nach kurzem, aber heftigem Kampfe 23. Nov.
besetzt und an Montenegro ausgeliefert wurde.
Dulcin, s. Dulcit.
Du/cinea von Toboso, die Geliebte des Don
Quirote in Cervantes' Roman; dann scherzhaft
D. soviel wie Geliebte.
Dulcums oder Dolcino, s. Apostoliker.
Dulcit, Dulcin, Dulcose, Melampyrin,
Evonymit, eine krystallisierte, süßlich schmeckende,
dem Mannit ähnliche und mit diesem isomere Sub-
stanz von der Zusammensetzung Ogll^Og. Der
D. wird aus einer von Madagaskar eingeführ-
ten Mannasorte unbekannter Abkunft (Dulcit-
manna) durch Auflösen derselben in heißem Wasspr
und Auskrystallisierenlassen gewonnen. Er findet sich
auch in vielen Pflanzen, besonders Melampyrum-
Arten und in der Cambiumschicht der Zweige von
Nvon^irmL 6UI-0M63.2^. Der D. bildet farblose, glän-
zende, durchsichtige Prismen, ist in Wasser löslich,
in Alkohol schwer, in Äther unlöslich und schmilzt
bei 188°. Der D. ist ein sechswertiger Alkohol:
0Ü2 Oll - ^HOII - 0II0II - 0H0II - OllOH - (N2 0II
und steht in demselben Verhältnis zur Galattose,
wie der Mannit zum Traubenzucker. Er entsteht
aus der Galattose durch Reduktion mit Natrium-
amalgam. Beim Erhitzen auf 200° geht er unter
Verlust von Wasser in Dulcitan, (^H^O.., über;
mit Salpetersäure oxydiert, liefert er Schleimsäure.
Dulcitan, Dnlcofe, s. Dulcit.
Duldung, s. Toleranz.
Dulk, Albert Friedr. Venno, Schriftsteller, geb.
17. Juni 1819 zu Königsberg, studierte seit 1837
Medizin und Naturwissenschaften, ging 1844 nach
Gumbinnen in Ostpreußen, wo er sein erstes Drama
"Orla" schrieb (Zür. und Winterthur 1844; 2. Aufl.,
Mannh. 1847). 1845 wurde er aus Leipzig, wohin
er sich zur Fortsetzung seiner Studien begeben
hatte, wegen Teilnahme an studentischen Unruhen
ausgewiesen, promovierte in Vreslau, konnte aber
vom Ministerium Eichhorn die Erlaubnis, in Königs-
berg Vorlesungen zu halten, nicht erlangen. 1848
schrieb er das revolutionäre Drama "Lea". Veim
Beginn der Reaktion verließ er Deutschland und
ging in den Orient; 1850 von dort zurückgekehrt,
lebte er am Genfersee und arbeitete an dem Werke:
"Stimme der Menschheit" (2 Bde., Lpz. 1875-80),
schrieb auch sein durch geniale Einzelnheiten ausge-
zeichnetes Schauspiel "Jesus der Ehrist, ein Stück
sür die Volksbühne" (Stuttg. 1865); in dem Drama
"Simson" (ebd. 1859) behandelte er den Kampf
zwischen Judentum und Heidentum. Weitere dramat.
Werke sind: "Konrad der Zweite. Histor. Schau-
spiel" (2 Bde., Lpz. 1867), "Willa", Schauspiel
(Wien 1875), die polit. Komödie "Die Wände" (mit
O. Seemann, Königsb. 1848), die von Abert kom-
ponierte Opcr "König Enzio", die Lustspiele "Das
Mädchenklccblatt" (1865) und "Die Gemsjagd".
1858 zog D. nach Stuttgart, 1871 nach dem nahen
Nntcrtürkhcim. Infolge seiner immer mehr dem
Socialismus und radikalen Theorien sich zuwen-
denden Geistesrichtung sprach er sich in dem Flug-
blatt "Patriotismus und Frömmigkeit" (Kaisersl.
1871) gegen die Fortsetzung des Krieges von 1870
und den Franzosenhaß aus. 1872 bereiste er Lapp-
land und veröffentlichte darüber in Verbindung mit
H. Härtung: "Fahrten durch Norwegen und die Lapp-
mark" (Stuttg. 1877). Werke ähnlichen religions-
philos. Inhalts sind noch: "Der Tod des Bewußt-
seins und die Unsterblichkeit" (Lpz. 1863), "Tier
oder Mensch" (ebd. 1872), "Was ist von der christl.
Kirche zu halten?" (Zür. 1877), "Die Moral der
Freidenker, Flugblatt des deutschen Freidenkerbun-
des" (die erste deutsche Freidenkergemeinde gründete
D. 1882 in Stuttgart), "Der Irrgang des Lebens
Jesu" (2 Bde., Stuttg. 1884-85). Er starb 30. Okt.
1884 in Stuttgart. D. besaß eine starke Begabung für
das pathetische Drama. Eine Gesamtausgabe seiner
Dramen erscheint seit 1893 (Stuttgart, hg.^von Ziel).
Dülken, Stadt im Kreis Kempen des preuß. Reg.-
Vez. Düsseldorf, 4 1cm westlich von Viersen, 15 km
von der niederländ. Grenze, an der Linie München-
Gladbach-Venlo und der Nebenlinie D.-Brüggcn
(14,7 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 8526
E., darunter 568 Evangelische und 106 Israeliten,
Post zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrich-
tung, Amtsgericht (Landgericht Eleve), königl.
Steuerkasse, Steuer- und Katasteramt; evang. und
kath. Kirche im got. Stil, Synagoge, Realpro-
gymnasium, höhere Mädchenschule, Handwerker-
Fortbildungsschule, israel. Privatschule; Kranken-,
Waisen-, Alrersversorgungshaus, Gemeindespar-
kasse, Gewerbcbank, städtische Gas- und Wasserlei-
tung; Fabrikation von Seiden- und Sammetwaren,
Plüsch, Zwirn, Leinenwaren und Cigarren, Flachs-
spinnereien (Aktiengesellschaft Niederrheinische
Flachsspinnerei), Baumwollspinnerci, Färbereien
und Appreturen, Eisengießereien und Vierbraue-
reien. Die Stadt wird mit der Landgemeinde
D. (3686 E.) zusammen verwaltet. - D. wird be-
reits 1135 erwähnt und ist seit 1390 Stadt. - Vgl.
Norrenberg, Chronik der Stadt D. (in den "Bei-
trägen zur Lokalgeschichte des Niederrheins", Bd. 3,
Viersen 1874).
Dullen oder Dollen, s. Dollbord.
Duller, Eduard, Dichter und Historiker, geb.
8. Nov. 1809 zu Wien, studierte daselbst Philosophie
und Rechtswissenschaften, befchäftigte sich aber da-
neben früh mit poet. Versuchen. Bereits in seinem
17.Jahre schrieb er sein 1828 mit Beifall aufgeführ-
tes Drama: "Meister Pilgram" (Wien 1829), dem
1830 die Tragödie "Der Rache Schwanenlied"
(Stuttg. 1834) folgte. Die seinem freisinnigen
Streben ungünstigen österr. Verhältnisse veranlaß-
ten ihn, nach München zu gehen, wo er u. a. einen
Valladenkranz: "Die Wittelsbacher" (1831), ver-
öffentlichte. Nachdem er seit 1832 in Trier gelebt,
wo er mit Sallet den innigsten Freundschaftsband
fchloh und sein dramat. Gedicht "Franz von Sickin-
gen" schrieb, wandte er sich 1834 nach Frankfurt
a. M., 1836 nach Darmstadt und nahm dafelbst an
der deutschkath. Bewegung hervorragenden Anteil.
1849 siedelte er nach Mainz über, wurde daselbst
1851 Prediger der deutschkath. Gemeinde und starb
24. Juli 1853 zu Wiesbaden. D. hat als Journalist,
Dichter und Geschichtschreiber eine große Fruchtbar-
keit entwickelt und in fast allen seinen Schriften leb-
haft für den religiösen Freisinn gekämpft. Seine
bedeutendste Leistung auf lyrischem Gebiet ist "Der
Fürst der Liebe" (Lpz. 2842- 2. Aufl., Cass. 1854);
kleinere Dichtungen enthalten die "Gedichte" (Berl.
1845). Tendenziös sind die histor. Romane "Kronen
und Ketten" (3 Bde., Franks. 1835), "Loyola" (3 Bde.,