Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dundee (Viscount) - Dunfermline
Handel mit Jute- und Le'menwaren ist trotz der
hohen Zölle zu 60 Proz. nach den Vereinigten
Staaten gerichtet. Außerdem hat die Stadt die
Ausrüstung von Dampfschiffen für den Walfisch'
fang in der Davisstraße und Vaffinbai und ^den
Robbenschlag um Ian-Mayen monopolisiert. 1890
wurden 48100, 1891 89300 Stück Seehunde ge-
fangen und 205) t. Öl sowie 3^ t Walfischbcin ge-
wonnen. D. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Dundee (spr. dönndih), Viscount, s. Graham.
Dundonald(spr.dönndönneld),Gras,s.Cochrane.
Dunedin (spr. ddnniddln), Stadt auf der Südinsel
Neuseelands, die Hauptstadt der frühern Provinz
Otago, etwa 14 km von Port Chalmers, seinem
Hafenorte, entfernt und mit demselben sowie mit
Ehristchurch und Invercargill durch Eisenbahnen
verbunden, wurde 1848 als eine Niederlassung der
^i-66 Kirk ok 8o0tlanä begründet und nahm einen
raschen Aufschwung als 1861 in dem gegen 100 km
entfernten Gabriels Oully außergewöhnlich reiche
Goldfelder entdeckt wurden. D. ist gut gebaut, hat
s1891) 22376 E., mit den Vorstädten Eaversham,
St. Kilda, South-Duncdin, Mornington, Noslyn,
Maori-Hill, North-East-Valley und West-Harbour
45 869 E., ein Hospital, eine öffentliche Bibliothek,
einen botan. und einen Acclimatisationsgartcn, zwei
Theater, zahlreiche Zeitungen und eine Universität.
Von Port Chalmers nach Melbourne sowie nach den
verschiedenen Städten Neuseelands besteht regel-
mäßige Dampfervcrbindung ; 1892 liefen 499 Schiffe
mit 269769 t fast nur brit. Nationalität ein. Es
werden auch viele deutschen Waren eingeführt.
Dunen, s. Federn.
Dünen, öde, nackte, langgezogene Hügel oder
zu mehrern parallel hintereinander liegende Hügel-
reihen, welche dadurch entstehen, daß der Wind den
Sand vor sich her treibt, bis er an einem Hindernis,
z.V. Baumstümpfen, sich staut und so lange hügel-
artig sich anhäuft, bis das Hindernis ganz bedeckt
ist. Dann kann die Düne weiter wachfen, soweit es
das Material und der Wind gestatten. Manche D.
sind in einem beständigen Vorrücken in das Fest-
land begriffen und im stände, fruchtbare Gegenden,
ja ganze Dörfer zu begraben. Auf Sylt schreiten
z. B. die D. jährlich 4,4 in, in der franz. Bretagne 9 m
i'eit bereits 200 Jahren vorwärts. Durch Anpflan-
zungen (Dünenhafer) ist es zum Teil gelungen, die
D. zu begrenzen, zu verfestigen und nutzbar zu
inachen. Als natürliche Schutzwälle gegen das Vor-
dringen des Meers sind sie für flache Sceküsten
geradezu Daseinsbedingungen und werden als solche
gehegt und beschirmt. Die D. bilden sich entweder
an Flachküsten, und zwar in desto größerm Maße,
je größer der Unterschied zwischen Ebbe- und Flut-
stand dcs Wassers ist, oder in Sandwüftcn, wie
z. V. der Sahara. Die sanftere Seite der Düne ist
immer auf der Windseite. Die Höhe der Düne wech-
selt von mehrern Metern bis zu 180 m (Sahara
bei Kap Vojador). Drei Dünenreihen sind für wohl-
ausgebildete D. typisch: die Vordüne zuuächst dem
Meere, die hohe Düne, die auf Kosten der Vordüne
wächst, in der Mitte, und die niedrige Innendüne,
mit welch letzterer das hinter der Düne gelegene Ge-
bügel bezeichnet ist. Hinter der Düncnzone breitet
sich meist eine Reihe von Sümpfen, Mooren, Teichen
und Seen aus, die füßes Wasser bergen und Torf
bilden. Weil die D. die Küste vor Zerstörung durch
den Wellenschlag schützen, werden sie oft künstlich
durch Zäune veranlaßt. Die entstandene Düne wird
durch Bepflanzung mit geeigneten Pflanzen gefestigt.
Zuerst geschieht dies durch Gräser, wie ^runäo
und N1)'mu3; wenn sich dann durstiger Nasen
gebildet hat, kommen Sträucher an die Reihe, wie
die Dünenweide (8g.1ix äap1iQ0iä63 /v.), der Sand-
dorn (Hiz)p0i)1ia6 l1iamlioiä68 ^.) u. a. Der Anbau
der Strandkiefer (?inu8 pinNLter >3o?.), der in Süd-
europa und Frankreich von großem Erfolg begleitet
war, ist in Deutschland mißglückt. Sturmfluten
vernichten aber häufig den Stranddünenbau. -
Vgl. Hartig, über Bildung und Befestigung der D.
(Berl. 1831); Krause, Der Düncnbau auf den Ost-
seeküsten (ebd. 1850); Wessely, Der europ. Flugsand
und seine Kultur (Wien 1873); Czerny, Die Wir-
kungen der Winde auf die Gestaltung der Erde (im
Ergänzungsheft Nr. 48 zu Petermanns "Mittei-
lungen", Gotha 1876); Keller, Studien über die
Gestaltung der Sandküsten und die Anlage von
Seehäfen im Sandgebiet (Berl. 1881).
Dünenhafer oder Strandhafer, s. Nl^mus.
Dünetvald,Joh.Heinr., Graf, österr. General der
Kavallerie, geb. um 1620 im Kurkölnischen, that sich
1672 im Kriege gegen Ludwig XIV. im Treffen bei
Envheim hervor, wurde aber bei Mühlheim gefangen
und bald darauf ausgewechselt. D. deckte hiernach
Montecuccolis Übergang über den Rhein und wurde
1675 zum Reichsgrafen und General der Kavallerie
ernannt. Als Wien 1683 von den Türken belagert
wurde, verteidigte er Krems und schlug dort eine
starte Heeresabteilung der Türken; am Entsatz der
Hauptstadt nahm er ebenfalls thätigen Anteil und
leitete nach dem Treffen bei Parkany die Verfolgung.
Er führte fodann 1684 die schwäb. Hilfstruppcn zur
ersten Belagerung von Ofen, schlug 1686 bei der
zweiten Belagerung dieser Festung ein türk. Entsatz-
heer zurück und führte nach der Schlacht bei Mohäcs
(1687) ein Korps gegen die bei Esset zurückgebliebene
türk. Reserve, die er nach Belgrad zurückdrängte.
Hiernach eroberte D. ganz Slawonien und nahm
alle dortigen Festungen. 1688 führte er die Reiterei
des Heers des Herzogs Karl von Lothringen und
deckte die Belagerung von Belgrad; 1689 focht er am
Rhein und entsetzte Heidelberg; 1690 kämpfte er
wieder gegen die Türken und hatte großen Anteil
am l^iege bei Szlankamen (1691), wurde jedoch nach
Wien zurückberufen, da er beständig in Zwist mit
dem Oberbefehlshaber war. Im Begriff, die Rück-
reife anzutreten, starb D. 31. Aug. 1691 in Essek.
Dunfermline (spr. dönnföhrsn^lin), Stadt in
der schott. Grafschaft Fife, 26 I^m im NW. von
Edinburgh, 5kin nördlich vom Firth of Forth rei-
zend gelegen, hat (1891) 19647 E., 16 Kirchen, ein
Stadthaus, Ruinen eines Schlosses, worin Karl I.
geboren wurde und Karl II. Aug. 1650 den Cove-
nant unterzeichnete, und eine Äbtci in normann.
Stil mit den Gräbern Robert Bruces und anderer
schott. Herrscher. Sehr bedeutend sind die Manufak-
turen in Leinwand und Damast, sowie Färbereien,
Eisengießereien, Seifensiedereien, außerdem werden
Steinkohlengruben und großartige Kalksteinbrüche
bearbeitet. Der Handel ist ansehnlich.
Dunfermline (spr. dönnföhchnUln), James
(Jakob) Abercromby, seit 1839 Lord D., geb.
! 7. Nov. 1776 als dritter Sohn dcs Generals Sir
! Ralph Abercromby (s. d.), wurde Sachwalter, trat
1807 als Whig ins Unterhaus ein, war 1827-28
unter Canning Generalauditeur und 1830 erster
schott. Schatzlord bis zu der von ihm selbst befür-
worteten Abschaffung dieser Würde 1832. Sodann