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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Düppel-Schanzen-Papier - Dupray
um 10 Ubr früh den Kampf für beendet und ließ
einen Teil der Truppen in ihre Quartiere abrücken.
Die Dänen unternahmen jedoch um 11 Uhr einen
neuen Angriff, wobei die Sachsen etwas an Boden
verloren, während die Bayern sich behaupteten.
Abends gingen die Dänen nach dem Brückenköpfe
und nach Alsen zurück.
Im Deutsch-Dänischen Kriege von 1864 batten
hier die Dänen mit allen Mitteln der Befesti-
gungskunst eine ungemein starke Stellung ge-
schaffen, mit einer Frontausdehnung von nur
3000 m, durch 10 Schanzen gedeckt, die, auf einem
Höhenkranze angelegt, das ganze vorliegende Ge-
lände beherrschten. Die Werte waren zwar nur in
Erde gebaut, enthielten aber cementierte, völlig
bombensichere Pulvermagazine und starke Vlock-
hausreduits. Die vordere Linie bestand durchweg
aus geschlossenen Werken. Beide Flügel waren
dabei an das Meer gelehnt und durch die dän.
Flotte geschützt, der rechte noch überdies durch die
Batterien aus Nlsen unterstützt. Mit dieser Insel
selbst war die Verbindung durch einen großen
Brückentopf und zwei Brücken sowie eine große
Fähre gesichert. Diese Stellung wurde von den
Preußen, die unter Prinz Friedrich Karl 11. Febr.
vor dieselbe rückten, nach einer Reihe von Ne-
kognoscierungsgefechten vom 28. März an formlich
belagert und endlich nach einer heftigen Beschießung
18. April 10 Uhr morgens erstürmt. Die Schanzen
wnrden binnen 10 Mmuten von den sechs Sturm-
kolonnen genommen, darauf die dän. Neserven
zurückgeschlagen und gegen 2 Uhr nachmittags anch
der Brückentopf erstürmt. Die Preußen verloren
hierbei 71 Offiziere und 1130 Mann, erbeuteten
119 Geschütze und viel Kriegsmaterial; die Dänen
verloren 110 Offiziere, 4706 Mann, darunter
56 Offiziere, 3549 Mann an Gefangenen. Die nach
dem Kriege in der Umgebung von Sonderburg und
anf den gegenüberliegenden Düppeler Höhen er-
richteten Festungswerke, Wrangel-Schanzen
genannt, sind später vollständig niedergelegt, da
dieselben durch die Befestigung Kiels ihren Wert
verloren. An die Kämpfe des 1.1864 erinnern das
Düppel-Denkmal am Platze einer frühern Scbanze
und das Alsen-Denkmal bei Arnkiel am Alsensund.
^-Vgl. Neumann, übcrdenAngriffaufdieDüppeler
Schanzen in der Zeit vom 15. März bis 18. April
1864 (Berl. 1865); F. Schöller, Forfvaret af Dyb-
döllstillmgen i 1864 (Kopenh. 1867); Der Deutsch-
Dänische Krieg von 1864 (hg. vom Großen Gene-
ralstabe, 2 Bde., Verl. 1886-87).
Düppel-Schanzen-Papier oder Pyro-
papier, nitriertes Papier, das also zu den Nitro-
cellulosen gehört. D. verpufft angezündet mit heller
Flamme und ist bekannt als gefährliche Spielerei.
Duprat (spr. düprah), Äntoine, Kanzler von
Frankreich, der erste und bedeutendste Minister
Franz' I., geb. 1463 zu Issoire (Auvergne), wurde
am Parlament zu Toulouse Advokat, dann (1507)
an demjenigen zu Paris erster Präsident. Lud-
wig XII. hatte ihn emporgebracht; doch schloß sich
D. an den Thronfolger Franz von Angouleme an
und wurde erst von diesem, vielleicht durch Ver-
mittelung des Connstable von Vourbon, auf den Gip-
fel polit. Thätigkeit gehoben. Franz I. machte ihn
1515 zum Kanzler, d. h. zum Haupte des Gerichts-
wesens und der innern Angelegenheiten überhaupt.
Es sche'mr, daß D. es vor allem war, der den abso-
lutistischen Staatsgedanken auf das Banner der
neuen Negierung schrieb; er verhandelte für Franz I.
zu Bologna mit Leo X. das Konkordat, das die
franz. Kirche und den franz. Adel in die Hände des
Königtums lieferte; mit dem Parlament entzweite
er sich indes bald. Die königl. Gunst, die ihm bis
an sein Ende treu blieb, verschaffte ihm das Erz-
bistum Sens und 1527 den Kardinalshut, und
mit Recht hat man ihn einen Vorläufer der zwei
großen Kardinäle des 17. Jahrh, genannt. Wäh-
rend Franz' Abwesenheit und Gefangenschaft führte
er 1525 - 26 mit dessen Mntter dle Regentschaft.
Er starb 1535. - Vgl. Duprat, Vi6 ä'^. v. (Par.
1857, wertlos); Hanotaur, ^Wä68 In8torjHii68,
Abteil. 1 (ebd. 1886).
Duprat (spr. düprah), Pascal Pierre, franz. Po-
litiker, geb. 24. März 1815 zu Hagetmau (Depart.
Landes), besuchte das Seminar zu Air-sur-l'Adour,
vollendete seine Studien in Heidelberg und wurde
1839 Lehrer der Geschichte am Lyceum in Algier.
Nach Paris 1844 zurückgekehrt, arbeitete er an der
"Kklorink" mit und leitete die "1^6vu6 inä6p6n-
äantk" (1847). Er schloß sich 1848 der Februar-
revolution an und begründete mit Lamennais die
Zeitung "1.6 I>6upi6 c0N8tit,uHnt", später die Wo-
chenschrift "I.n. ?olitihii6 du p6upi6". Von dem
Depart. Landes in die Konstituierende Versamm-
lnng gewählt, nahm er Platz auf der Linken und
gehörte zu der Partei, welche die Erekutivkommis-
sion stürzte und dem General Cavaia,nac die dik-
tatorische Gewalt übertrug. 1849 wiedergewählt,
trat er gegen Napoleon und die Majorität der Legis-
lative auf, wurde nach dem Staatsstreich vom
2. Dez. 1851 verhaftet, dann freigelassen, ging nach
Belgien und von da aus in die Schweiz; eine Zeit
lang wohnte er in Laufanne, wo er Unterricht gab
nnd ein Blatt "I^eoQ0mi8t6 " redigierte. 1871
vom Depart. Landes in die Nationalversammlung
gewählt, schloß er sich der äußersten Linken an; da-
mals leitete er zwei Blätter, die Wochenschrift "1^6
?6upl6 80iiv8rain" (1870-72) und später "1^6
5souv6Mi Journal"; 1876 und 1877 vertrat er das
17. Arrondissement von Paris in der Deputierten-
kammer, wurde aber 1881 nicht wieder gewählt.
1883 ging er als Gesandter nach Chile und starb
17. Aug. 1885 auf der Rückreise nach Frankreich.
In seiner Vaterstadt wurde ihm 1892 ein Stand'
bild errichtet. Von seinen Werken sind zu erwähnen:
"1^883.1 1ii8t0!'i(1I16 8Iir 168 rll.068 3.Nci6NI268 6t MO-
^6rn63 ä6 1'^triHU6 86pt6ntri0N9.i6" (Par. 1845),
tt^imon 6t 89.I0A1HU6" (ebd. 1845), "1^68 ta,di68 ä6
pro8criz)ti(in d6 I^oui8 Louap9.rt6 6t 868 coinplic68 "
(3 Bde., Lüttich 1853), "1^68 6n<^cl0psäi8t68,16ur8
tl'HVKUX, 16UI-8 ll00trin68 6t I6U1' inÜU6N06" (Brüss.
1865), "I^k coi^uration ä68 p6tit8 6tat8 6nNui'0p6"
(Par. 1867), "1.68 r6vo1ution8" (1870), "^rsä^ic
La8tiat" (2. Aufl., ebd. 1878), "I^'68prit ä68 rövow-
tion8') (2 Bde., ebd. 1879). - Vgl. über ihn Nigoul,
I>I.8ca1 v. (ebd. 1867).
Dupray (spr. düprah), Henri Louis, franz. Ma-
ler, geb. 3. Nov. 1841 zu Sedan, war in Paris
Schüler von Pils und Lson Cogniet und stellte 1865
sein erstes Bild aus, das unbeachtet blieb. Bekannt
wurde er erst nach dem Deutsch-Französischen Kriege
von 1870 und 1871 als Maler des franz. Soldaten-
lebens durch die Gemälde: Marschall Ney bei Wa-
terloo (1870), Hauptwache vor Paris (1872), Besuch
des Generals Ducrot bei den Vorposten (1874),
Herbstmanöver (1877), die Kaiserin Eugenie verläßt
Paris nach der Proklamation der NeMblik (1884),