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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Durham (in Nordamerika) - Dürkheim
Lateinschule, ein Priesterseminar der Hochkirche,
ein Handwerkerinstitut und zahlreiche Wohlthätig-
keitsanstalten. Die Industrie erstreckt sich auf Fa-
brikation von Teppichen, Papier, Hüten, Senf,
Leder-, Eisen- und Messingwaren. Der Handel steht
mit dem Kohlenbergbau in Zusammenhang.
Durham (spr. oörrem), Hauptstadt des gleich-
namigen County im nordamerik. Staate Nord-
carolina, nordwestlich von Raleigh, hat (1890)
5485 E., sehr bedeutende Tabakmdustrie (1889
mehr als 30 Firmen, darunter Duke's Factory,
eine der größten Cigarettenfabriken der Welt, 250
Mill. Cigaretten jährlich), zwei Seminare für Mäd-
chen, Baumwollwaren- und Düngemittelfabrik.
Durham (spr. dörrem), John George Lamb-
ton, Graf von, engl. Staatsmann aus altem, in
der Grafschaft D. angefessenem Geschlecht, wurde
12. April 1792 geboren und zu Eton herangebildet.
1813 trat er als Whig ins Unterhaus, Verfocht
energisch die Volksrechte und Parlamentsreform
und wurde, feit 1828 zum Lord D. ernannt, im Re-
formmimstenum Greys, seines Schwiegervaters,
Geheimsiegelbewahrer. Zum Viscount Lambton
und Grafen von D. erhoben, ging er 1832 in außer-
ordentlicher Sendung nach Petersburg, trat nach
seiner Rückkehr, wegen seiner dortigen Thätigkeit
vielfach angegriffen, 1833 aus dem Ministerium
aus, übernahm aber in den folgenden Jahren neue
Sendungen nach Paris und Rußland. Beim Aus-
bruch der canad. Unruhen (f. Canada, Vd. 3, S. 892a)
wurde er 1837 zum Generalgouverneur und General-
tapitän fämtlicher nordamerik. Kolonien ernannt.
Wegen feines diktatorischen, aber völlig durch die
Lage und durch den Erfolg gerechtfertigten Vor-
gehens wurde er heftig von den Tones angefeindet,
und als er die revolutionären Häupter des Auf-
standes auf unbestimmte Zeit nach der Infel Ber-
muda verbannte, bewirkten feine Gegner die An-
nahme einer Vill im Oberhause, die diese Mahregel
für eine Überschreitung seiner Vollmacht erklärte.
Ais das Ministerium Melbourne diesem Antrag
nachgab und ihm seine Mißbilligung aussprach,
nahm D. in höchster Erbitterung seinen Abschied und
hielt sich bis zu seinem Tod, 28. Juli 1840, zu Cowes
auf der Insel Wight von dem öffentlichen Leben fern.
Sein Enkel, John George, geb. 19. Juni 1855,
ist der gegenwärtige Träger des Namens.
Durillo (fpr. -iljo), Goldmünze, f. Escudillo.
Düriugsfeld, Ida von, Schriftstellerin, geb.
12. Nov. 1815 in Militfch in Niederschlesien, lieh
zuerst untcr dem Namen Thekla "Gedichte" (Lpz.
1835), einen Cyklus von Romanzenkränzen ("Der
Stern von Andalusien", ebd. 1838) und anonym
1845) erscheinen. 1845 vermählte sie sich mit dem
Freiherrn Otto von Reinsberg. Seitdem ver-
weilte sie in Italien, Belgien, der Schweiz, Frank-
reich und an verschiedenen Orten Deutschlands. Sie
starb 25. Okt. 1876 zu Stuttgart, ihr Gatte folgte
ihr einen Tag später freiwillig in den Tod. Ida
von D. gehörte zu den fruchtbarsten Schriftstellerin-
nen Deutschlands, zumal auf dem Gebiete des Ro-
mans. Der Gattung des Salon- und Familien-
romans gehören an: "Skizzen aus der vornehmen
Welt" (4 Bde., Vresl. 1842-45), "Graf Chala"
(Berl. 1845), "Eine Pension am Genfersee" (2 Bde.,
Vresl. 1851), "Esther" (2 Bde., ebd. 1852), "Clotilde"
(Berl. 1855), "Norbert Dujardin" (Bresl. 1861) und
die mißglückten satir. "Litteraten" (2 Bde., Wien
1863). Ihre histor. Romane ruhen auf guten Vor-
studien: "Margareta von Valois und ihre Zeit"
(3 Bde., Lpz. 1847) und "Antonio Foscarini"
(4 Bde., Stuttg. 1850). Sie veröffentlichte ferner
die Liederfammlung "Für Dich" (Bresl. 1851;
2. Aufl., Lpz. 1865) und die Märchendichtung
"Amimone" (Vresl. 1852). In "Vöhm. Nofen"
(ebd. 1851) und "Lieder aus Toscana" (Dresd.
1855; 2. Aufl., Prag 1859) hat sie mit vielem
Glück czech. und toscan. Volslieder wiedergegeben.
Als Früchte ihrer Reisen erschienen 7 Bände "Reise-
Skizzen", unter denen besonders "Aus Dalmatien"
(3 Bde., Prag 1857-58) wertvoll ist. Während
ihres Aufenthalts in Belgien fammelte sie die Mate-
rialien zu "Von der Schelde bis zur Maas" (3 Bde.,
Lpz. 1861), worin sie ein Gesamtbild des geistigen
Lebens der Vlämen seit 1830 zu geben versucht.
Ein Buch für die Jugend ist ihr "Buch denkwürdiger
Frauen" (3. Aufl., Lpz. 1877), ähnlicher Art die
Werke: "In der Heimat" (Vresl. 1843), "Byrons
Frauen" (ebd. 1845) und "Am Canale Grande"
(Dresd. 1848). Später hat sie sich in Gemeinschaft
mit ihrem Gatten ethnogr. Studien zugewandt und
mit ihm das "Hochzeitsbuch" (Lpz. 1871), "Sprich-
wörter der german. und roman. Sprachen" (2 Bde.,
ebd. 1872-75) und "Ethnogr. Kuriositäten" (2 Tle.,
ebd. 1879) herausgegeben. Diese ethnogr. Rich-
tung tritt auch in den Novellen "Hendrick" (Lpz.
1862), "Milena" (ebd. 1863) und "Prismen" (2 Bde.,
Berl. 1873) hervor.
Durio, Pflanzengattung, s. Zibethbaum.
vurins, lat. Name des Duero.
Dürkheim oder Dürkheim an der Hardt,
Stadt im Bezirksamt Neustadt a. d. H. des bayr. Reg.-
Vez. Pfalz/13 km nördlich
von Neustadt, in 116 m Höhe,
am Ostfuße der Hardt, vor
dem Eingänge zum Tdal der
Isenach, an der Linie Mons-
heim-Neustadt der Pfalz.
Eisenbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht
Frankenthal) und Rent-
amtes, hat (1890) 6110 E.,
darunter 1012 Katboliken und 346 Israelitm, Post,
Telegraph; eine kath. und zwei evang. Kirchen,
Synagoge, paritätische Lateinschule mit Realkursus
(gegründet 1606 von Graf Emich XI. von Leinin-
gen-Hardenburg), Handelsschule, städtische und
private höhere Mädchenschule: Altertumsverein,
naturwissenschaftlichen Verein mit Naturaliensamm-
lung und Bibliothek im Stadthause; eine Filiale
der Pfälzischen Bank, Vorschuß- und Kreditbank,
städtisches Spital; eine Öl- und drei Papiermühlen,
cine Farbenfabrik, bedeutenden Weinbau und -Han-
del fowie ein besuchtes Volksfest, den sog. Dürk-
heimer Wurstmarkt oder Michaelismarkt. Zur
Stadt gehört die Saline Philippshall, welche aus
sieben Solquellen jährlich etwa 500 t Koch-, Vieh-
und Düngsalz liefert und Handel mit Mutterlauge
treibt. D. ist das einzige Solbad der Pfalz; als
Trinkbrunnen dient hauptfächlich der Vleichbrunnen.
Eine Badeanstalt wurde 1875 erbaut, ein Kursalon
befindet sich im Stadthause, daneben seit 1883 eine
eiserne Kolonnade. Außer den Solbädern zieht vor-
züglich die Traubenkur im Herbst zahlreiche Gäste
herbei. - D. oder Thuringoheim, schon 742
erwähnt, war im Besitz der Frankenherzöge aus dem
>t der Salier. Kaiser Konrad II. schenkte