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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Duval; Düveke; Duvergier de Hauranne; Duverney

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Duval (Amaury) - Duverney

Seedienste den amerik. Krieg mit, war später Ingenieur und Baumeister, bis ihn während der Revolution seine Neigung auf die Bühne führte. Nachdem er einige Jahre Mitglied des Théâtre français gewesen war, widmete er sich ganz der Litteratur und gehörte zu den Lustspieldichtern, die unter dem ersten Kaiserreich am meisten Erfolg hatten. Seine Stücke zeichnen sich durch geschickte Komposition und feinen Dialog aus. Zu nennen sind: "Édouard en Écosse" (1802), "Le tyran domestique" (1805), "La jeunesse de Henri V" (1812) und der Text zur Oper "Joseph en Égypte" (1807) von Méhul. In seiner Schrift "De la littérature romantique" (1833) wirft er den Romantikern vor, den Niedergang der dramat. Kunst veranlaßt zu haben. Er wurde 1812 Mitglied der Akademie und 1830 Conservateur der Bibliothek des Arsenals. Er starb 10. Jan. 1842 zu Paris. Seine "Œuvres complètes" erschienen 1822-25 (9 Bde., Paris).

Duval (spr. düwáll), Amaury, älterer Bruder des vorigen, franz. Gelehrter, geb. 28. Jan. 1760 zu Rennes, studierte die Rechte, widmete sich später dem diplomat. Fache und wurde 1785 Gesandtschaftssekretär in Neapel. Als er 1792 in Rom war, wurde er Sekretär von Vasseville, dem damaligen Gesandten der franz. Republik. Doch verließ er 1797 den Staatsdienst und begann mit Chamfort, Ginguené, Say u. a. die "Décade philosophique", welche Zeitschrift 1807 mit dem "Mercure de France" vereinigt wurde, den D. bis 1816 herausgab. Unter dem Direktorium wurde er Bureauchef für Wissenschaft und Kunst im Ministerium des Innern, 1811 Mitglied des Instituts. Erstere Stelle verlor er 1815. Er starb 12. Nov. 1838 zu Paris. Seine Schrift "Des sépultures chez les anciens et les modernes"(Par. 1801) wurde preisgekrönt. Er gab den Text zu Denons "Monuments des arts du dessin chez les peuples tant anciens que modernes" (4 Bde., Par. 1829), zu Valtards "Paris et ses monuments" (3 Bde., ebd. 1803 fg.) und zu Moisys "Fontains de Paris, anciennes et nouvelles" (1813), und war Mitarbeiter an der "Histoire littéraire de France". - Vgl. A. D. Souvenirs 1829-30 (Par. 1885).

Duval (spr. düwáll), Edgar Raoul, franz. Politiker, s. Raoul-Duval.

Duval (spr. düwáll), Matthias, franz. Anatom, geb. 7. Febr. 1844 zu Grasse, studierte in Paris und ist Professor der Histologie an der Pariser Universität sowie Mitglied der Académie de médicine. Er schrieb zusammen mit Léon Lereboullet "Manuel du microscope dans ses applications au diagnostic et à la clinique" (Par. 1873: 2. Aufl. 1877); allein "Précis de technique microscopique et histologique ou introduction pratique à l'anatomie générale" (ebd. 1878), veröffentlichte zahlreiche Abhandlungen aus der Entwicklungsgeschichte, besonders über Spermatogenese, und gab einen ausgezeichneten "Atlas d'embryologie" (ebd. 1888) heraus.

Duval (spr. düwáll), Valentin, franz. Gelehrter, geb. 12. Jan. 1695 als Sohn eines armen Bauern zu Artonay in der Champagne, hieß eigentlich Jameray, war in seiner Jugend Viehhüter und brachte sich selbst Lesen und Schreiben bei. Durch Zufall fanden ihn die jungen Prinzen von Lothringen, die ihn in den Stand setzten, seine Studien bei den Jesuiten zu Pont-à-Mousson fortzusetzen. In kurzer Zeit machte er solche Fortschritte, daß der Herzog Leopold 1718 ihn mit sich nach Paris nahm. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn

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Leopold zu seinem Bibliothekar und zum Professor der Geschichte an der Ritterakademie zu Lunéville. Als Lothringen 1735 an Stanislaus Leszczynski abgetreten war, ging er mit der dorthin geschafften herzogl. Bibliothek nach Florenz, wo er zehn Jahre wohnte. Kaiser Franz I. rief ihn als Vorsteher der Münz- und Medaillensammlung nach Wien, wo er 13. Sept. 1775 starb. Seine "Œuvres" wurden von Koch (2 Bde., Straßb. 1784) herausgegeben. - Vgl. Kaiser, Leben D.s (2. Aufl., Regensb. 1788), zum Teil aus D.s eigener Handschrift bearbeitet.

Düveke, s. Dyveke.

Duvergier de Hauranne (spr. düwärschĭeh dĕ oránn), Prosper, franz. Politiker und Publizist, geb. 3. Aug. 1798 zu Rouen, wurde 1824 Mitarbeiter am "Globe", dem Organ der Doktrinärs, 1831 Mitglied der Deputiertenkammer und verteidigte hier eifrig die Politik der Julimonarchie. Als aber 1837 das Ministerium Mols ans Staatsruder kam, ging D. zur Opposition über und schrieb im "Constitutionnel" und im "Siècle" für die Partei des linken Centrums. Zu derselben Zeit ließ er seine Schrift "Des principes du gouvernement représentatif" (Par. 1838) erscheinen. Als 1840 Guizot das Ministerium übernahm unter Bedingungen, die gänzlich mit den Grundsätzen der Doktrinärs im Widerspruch standen, verharrte D. fest in seinen Überzeugungen; namentlich veröffentlichte er in der "Revue des Deux Mondes" eine Reihe von Aufsätzen, in denen er die Handlungsweise seines alten Freundes entschieden verdammte, und gehörte zu den Förderern der polit. Reformbankette, die der Februarrevolution unmittelbar vorangingen und sie herbeiführten. Diesen Zwecken diente seine Schrift "De la réforme parlementaire et de la réforme électoral" (1847). Als Abgeordneter für das Depart. Cher hielt er sich in der Konstituante zur royalistischen Minorität, und in der Legislative stimmte er mit der monarchischen Rechten. Einer der heftigsten Gegner der Politik Napoleons, wurde er 2. Dez. 1851 eingekerkert, sodann verbannt, durfte aber schon nach 6 Monaten nach Frankreich zurückkehren. Sein litterar. Hauptwerk ist die "Histoire du gouvernement parlementaire en France de 1814 à 1848" (10 Bde., Par. 1857-72). Die andern Schriften D.s bestehen in zahlreichen Artikeln für Revuen, in Kammerreden, Berichten über parlamentarische Anträge u. s. w. 1870 wurde er zum Mitglied der Académie française erwählt. Er starb 19. Mai 1881 aus seinem Schloß Herry bei Samergues im Depart. Cher. - Sein Sohn Erneste, geb. 7. März 1843, gest. 12. Aug. 1877, war Mitglied der Nationalversammlung nach 1871 und der Deputiertenkammer 1876 und gehörte dem linken Centrum an. Er schrieb unter anderm: "La coalition libérale" (Par. 1869), "La république conservatrice" (ebd. 1873).

Duverney (spr. düwärneh), Guichard Joseph, franz. Anatom, geb. 5. Aug. 1648, studierte in Avignon Medizin und ging 1667 als Arzt nach Paris, wo er sich durch seine Vorträge über Anatomie rasch berühmt machte, bereits 1674 in die Académie royale des sciences aufgenommen und 1679 Professor der Anatomie am Jardin royal wurde. D. starb 10. Sept. 1730. Aus seinen zahlreichen Arbeiten sind namentlich seine Abhandlungen über das Gehörorgan hervorzuheben; er veröffentlichte die erste Ohrenheilkunde: "Traité de l'organe de l'ouie, contenant la structure, les usages et