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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dynamomaschinen
lichst groß zu erhalten, die Länge des Magnetkreises
möglichst kurz und die Querschnitte innerhalb der-
selben überall möglichst groß zu machen habe.
Auf seinen Erfahrungen fußend, führte Kapp
den Begriff des magnetischen Widerstands in die
Theorie der D. ein und gab eine Methode zur Be-
rechnung der zur Erregung einer bestimmten Feld-
stärke (s. d.) erforderlichen Ampcrcwindungszahl
und der von Hopkinson in die Theorie eingeführten
Charakteristik (s. d.). Hopkinson u. a. haben diese
Methode wesentlich verbessert, und heute ist dieselbe
in dieser Form wohl allgemein acceptiert und
dient fast allgemein zur Vorausdcrechnung der Kon-
stanten neu zu konstruierender Maschinen, während
man in dieser Hinsicht vor noch gar nicht langer Zeit
fast absolut auf ein Probieren angewiesen war.
.hinsichtlich der Art der Magneteinschaltung oder,
wie man sich auch ausdrückt, der Erregung des Fel-
des (s. d.), unterscheidet man die D. in Haupt-
strom-, Nebenschluß- und Doppelschluß-
odcr Compoundmaschinen (s. d.). Bei erstcrn,
deren Magnete vom Ankerstrom umflossen werden,
ist die Spannung an den Klemmen der Maschine
sehr veränderlich, sie nimmt mit steigender Strom-
stärke zunächst zu, dann aber wieder ab. Für Zwecke,
wo es auf Konstanz der Spannung ankommt, z. B.
zur Verteilung von elektrifcher Energie von einem
Centralpunkt aus, also für Elektricitätswerke (s. d.)
oder auch nur zur Glühlichtbelcuchtung, für elektro-
chem. Zwecke u. s. w. ist dieselbe daher unbrauchbar.
Besser ist in dieser Hinsicht die Nebenschlußmaschine,
deren Magnete in einem Zweigstromkreise oder
Nebenschlüsse liegen. Ihre Spannung ist nur bei
sehr hoher Belastung stark veränderlich; bei mittlern
Stromstärken ändert sich dieselbe nur sehr unbedeu-
tend und darum finden wir sie auch für die meisten
der oben erwähnten Zwecke in Anwendung. Sind
auch die geringen Schwankungen in der Spannung,
wie sie eine gute Nebenschlußmaschine zeigt, noch Zu
groß und will man einen Regulator, durch den auch
diese zu vermeiden sind, aus irgend welchen Grün-
den nicht anwenden, so kann man durch Kombina-
tion der beiden Schaltungen, wie sie die sog. Com-
poundmaschine zeigt, nahezu völlige Konstanz er-
reichen. Diese Doppelschaltung wurde seiner Zeit
von Vrush angegeben (1878), während die der
Hauptstrommaschine identisch mit der ursprünglichen
von Siemens angegebenen ist und die der Neben-
schluhmaschine nahe gleichzeitig mit der von Sie-
mens von Wheatstone angegeben wurde. Durch
eine Verbindung beider Schaltungen kann man,
wie dies wohl zuerst von Frölich gezeigt worden ist,
übrigens auch umgekehrt nahezu unveränderliche
Stromstärke bei veränderlicher Spannung erzeugen,
wie es für Bogenlampen- und andere Stromkreise
mit hintereinander geschalteten Verbrauchsstellen
erwünscht sein kann. Man unterscheidet dem ent-
sprechend die Compoundmaschinen auch wohl in
Gleichspannmaschinen und Maschinen mit konstan-
ter Stromstärke.
Leitet man einer Dynamomaschine aus irgend
einer Quelle Strom zu, so tritt die entgegengesetzte
Umwandlung wie bei der bisher besprochenen Art
ihrer Anwendung ein: die Stromcnergie verwan-
delt sich in ihr in mechanische; aus der Strom geben-
den Maschine wird eine Strom nehmende, ein
Elektromotor. Kann also jede Dynamomaschine
umgekehrt auch als Elektromotor benutzt werden,
so werden, um gu:e Verhältnisse zu erhalten, die
Motoren in den allermeisten Fällen doch für diesen
ihren besondern Zweck vesonders konstruiert und
als Motoren gebaut.
Die Ausbildung der Wechselstrommaschine,
deren Anwendung nach der raschen Folge von Ver-
bcsserungen der Gleichstrommaschine sehr zurücktrat,
hat in den letzten Jahren mit der der letztcrn wieder
gleichen Schritt gehalten. Die fortschreitende Ent-
wicklung der Elektricitätswerke, der Wunsch, immer
größere und größere Gebiete mit dem Leitungsnetz
derselben zu überspannen, den Strom als Licht- und
Kraftquelle auch in vom Verkehrscentrum entfernte
Stadtgcgendcn zu tragen, zwang zur Anwendung
immer höherer und höherer Spannungen. Diese
lassen sich mit Gleichstrommaschinen aber nur bis zu
einem gewissen, beschränkten Grade erreichen, da der
Kollektor mit seinen vielen Isolationen stets einen
wunden Punkt nach dieser Richtung hin bildet. Es
kommt hinzu, daß Wechselstrom sich ohne Anwen-
dung maschineller Einrichtungen transformieren,
d. h. in solchen niederer Spannung bei höherer
Stromstärke und umgekehrt umwandeln läßt, daß
man also die an den Konsumstellen erforderliche
Niederspannung durch Aufstellen eines Transfor-
mators ls. d.) im Hause selbst erzeugen kann. Man
hat daher der Wechselstromtechnik wieder mehr und
mehrIntcresse zugewendet, und die heutigen Wechsel-
strommaschincn sind den Gleichstrommaschinen min-
destens ebenbürtig. Man verlegt, um Schleifkontakte
ts. d.) für den hochgespannten Strom zu vermeiden,
bei ihnen den Induktor meist in das ruhende Gestell
und läßt das Magnetsystem rotieren, kehrt also in.
dieser Beziehung zu der Maschine von Pirii zu-
rück. An Konstruktionen sind neben den ältern von
Gramme mit Ringarmatur und von Siemens <k
Halske mit Scheibenarmatur (s. Scheibenanker) vor-
zugsweise zu nennen dievonZipernowsky, gebaut
von Ganz & Co. und der Aktiengesellschaft Helios
und von letzterer in Frankfurt ausgestellt (f. Tafel II,,
Fig. 8 u. 10) und die ihr sehr ähnliche, in Frankfurt
ausgestellte der Firma Siemens & Halske, beide mit
Polarmatur (s. Polanker), und die von Fcrranti, von
Vrown und von Mordey mit Scheibenarmatur und
endlich die von Förderreuthcr-Schuckert mit Flach-
ring und von Wcstinghouse mit Trommelarmatur.
Neuesten Datums ist eine dritte Gattung von
D. und Motoren, die der namentlich durch die
Frankfurter Ausstellung, speciell die Lauffen-
Frankfurter Kraftübertragung, auch in weitcrn
Kreisen bekannt und populär gewordenen Maschi-
nen mit rotierendem Feld oder, wie man sie nicht
ganz zutreffend genannt hat, der Drehstrom-
Dynamo (vgl. Drehstrom). Das System ver-
dankt seine Ausbildung vorzugsweise dem Um-
stand, daß dem Wechselstrommotor bis in die aller-
neueste Zeit gewisse übelstände anhafteten, nament-
lich daß er synchron mit der Strom gebenden. Ma-
schine laufen muhte und daher unter Belastung
nicht anging und, wenn er durch Überlastung aus
dem Synchronismus fiel, sehr leicht zum Stillstand
kam. Kraftübertragungen mit Wechselstrom hatten
daher ihre Schwierigkeit, und doch drängte der
Wunsch zur Ausnutzung noch brach liegender ent-
legener Wasserkräfte, deren Energie auf größere
Entfernung zu übertragen, immer mehr auf Hoch-
spannung und damit auf die Anwendung von
Wechselftrom. Da kam der Drehstrom- oder, wie
man ihn jedenfalls weitaus bezeichnender auch ge-
nannt hat, der Mehrp Hasen st rommotor wie