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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eck (Leonhard von) - Eckardt
1510 ward E. Professor der Theologie in Ingol-
stadt und zugleich Kanonikus von Eichstätt. Durch
ungewöhnliche Gelehrsamkeit und große Gewandt-
heit im Disputieren ausgezeichnet, schrieb E. gegen
Luthers Thesen sog. "OdeliLci", d. h. "Spießchen",
die nicht gedruckt, aber Luther und seinen Freunden
bekannt wurden. Karlstadt (s. d.) schrieb zu Luthers
Verteidigung "OoncwLioiikL"; zwischen ihm und E.
wurden dann noch mehrere Streitschriften gewechselt.
Luther beteiligte sich an dem Kampf durch die
"^8t6ri8ci NäverLus OdeliLcog Nccii" sowie durch
die Leipziger Disputation, 27. Juni bis 16. Juli
1519. E. reiste 1520 nach Rom, überreichte dem
Papste seine Schrift "vs primaw?6tri aäv6r8n3
I^uääeruni", wirkte mit zum Erlaß der Bannbulle
gegen Luther vom 16. Juni 1520 und wurde mit
deren Bekanntmachung in Deutschland beauftragt.
1521 und 1523 war E. zum zweiten- und drittenmal
in Rom, den Papst zu energischem Vorgehen gegen
die Neuerung zu veranlassen, 1523 wohnte er dem
Reichstage zu Nürnberg bei, 1524 beteiligte er sich
bei dem zu Regensburg zur Unterdrückung der
Neuerer geschlossenen Bündnis, 1525 besuchte er
Heinrich V11I. von England, dem er sein "Nucliii-i-
<ii(m locorum conimuuiuiu ucivoräUZ I^utkerum et
klioz koste" eccikZiao" gewidmet hatte. Um die
Reformation der Schweiz zu hindern, stellte sich E.
21. Mai bis 6. Juni 1526 zu einer Disputation zu
Baden im Aargau, lehnte es aber ab, 1528 in Bern
Zwingli selbst gegenüber zu treten. Auf dem Reichs-
tage zu Augsburg war er das Haupt der röm. Theo-
logen, die der Augsburgischen Konfession (s. d.) die
Ooututatio entgegenstellten. Um der Verbreitung
der Lutherschen Bibelübersetzung in Bayern ent-
gegenzuwirken, veranstaltete E. 1537 eine deutsche
Bibelübersetzung. 1541 nahm E. an den Religions-
gesprächen zu Worms und zu Regensburg teil und
veranlaßte die kath. Stände, das Regcnsburger In-
terim abzulehnen. Er starb 10. Febr. 1543 zu Ingol-
stadt. Seine wichtigsten Schriften sind enthalten in:
"Operum ^o. Nckii contra. I^iMerum tom. I-V"
(Augsb. 1530-35). - Vgl. Th. Wiedemann, Dr.
Johann E. (Regensb. 1865).
Eck, Leonhard von, bayr. Rat und Kanzler, geb.
vor 1480 zu Kelheim aus einem edlen bayr. Ge-
schlecht, studierte zu Ingolstadt und Siena die
Rechte und trat zuerst in den Dienst Markgraf
Georgs von Brandenburg-Ansbach, dann bald in
den des Herzogs Wilhelm IV. von Bayern, dessen
Politik er, seit 1519 Kanzler, mit meist unbeschränk-
tem Einfluß leitete. Er vertrat streng die kath.
Interessen und unterdrückte seit 1522 nach Kräften
die prot. Regungen in Bayern und dem Gebiet des
Schwäbischen Bundes, solange dieser seiner Leitung
folgte, begründete aber auch die bald offene, bald
versteckte Opposition Bayerns gegen das Habsburg.
Kaiserhaus. Im Bauernkrieg war er beim Schwä-
bischen Bund die eigentliche Seele des Widerstands
gegen die Revolution. Auf den Reichstagen von
Augsburg, Negensburg, Nürnberg und ^peyer
1530 - 44 trat er stets für die schärsste Unter-
drückung dcr evang. Partei ein und intrigierte mit
Philipp dem Großmütigen, Joh. Zapolya, den Fran-
zosen , der Kurie gegen die kaiserl. Politik. Trotz-
dem schloß er in der - später jedoch getäuschten -
Hoffnung, bei dieser Gelegenheit für seinen Herrn
den Kurhut von dcr Psalz zu gewinnen, 7. Juni
1546 das Kriegsbündnis mit dem Kaiser gegen die
Schmalkaldcncr, während diese ihn noch für neutral
Brockhauö' Konverjations-Lexrlon. 14. Aufl.. V.
hielten. Aber trotz seiner offenkundigen Bestechlich-
keit suchte E. doch stets im Interesse seines Fürsten
zu wirken. Er war einer der begabtesten und rück-
sichtslosesten Vertreter des fürstl. Partikularismus,
der "Libertät" gegen die "Monarchie" der Habs-
burger. Er starb 17. März 1550. - Vgl. W. Vogt,
Die bayr. Politik im Bauernkrieg und der Kanzler
Dr. L. von E. (Nördl. 1883).
Gckardt, auch Eckhart (mit dem Beinamen
Meister), Mystiker, wahrscheinlich in Straßburg
(nach andern in Thüringen) um 1260 geboren, war
Dominikanermönch und 1300 Prior zu Erfurt und
Vikarius für Thüringen. Später war er Lehrer
am Kollegium von St. Jakob zu Paris, wo er 1302
Licentiat der Theologie wurde. 1303 wurde E. Or-
densprovinzial für Sachsen, 1307 Generalvikar von
Böhmen; doch kehrte cr 1311 nach Paris zurück. Er
lebte 1316 als Vikar des Ordensmeisters zu Straß-
burg und ging von dort als Prior der Dominikaner
nach Frankfurt a. M. Hier wurde er wegen ketze-
rifcher Lehren verklagt, aber freigesprochen; 1325
ordnete ein Ordcnskapitel zu Venedig eine neue
Untersuchung an, und wahrscheinlich jetzt wurde E.
verboten, seine spekulativen Lehren dem Volke vor-
zutragen. 1327 erneuerte der Erzbischof von Köln
die Untersuchung: E. appellierte an den Papst und
erklärte 13. Febr. in der Klosterkirche zu Köln, er sei
sich keiner Abweichung von dcr Kirchenlchre bewußt,
sei aber bereit, zu widerrufen, was er etwa Kctzeri-
fches vorgebracht habe. Bald darauf starb E. Erst
27. März 1329 erschien die Bulle In cosua vomiui,
worin 28 Sätze E.s teils als ketzerisch, teils als
mißverständlich verurteilt wurden. Von E.s zahl-
reichen Schriften sind nur wenige erhalten. Eine
Sammlung deutscher Schriften, meist aus Hand-
schriften (Predigten und Traktate), hat Pfeiffer
im 2. Bande der "Deutfchen Mystiker des
14. Jahrh." (Lpz. 1857) geliefert. Von den lat.
Schriften E.s hat Denifle einige wieder aufgefun-
den und in dem "Archiv für Litteratur- und Kirchen-
geschichte des Mittelalters", Bd. 2 (Frcib. i. Br.
1886), veröffentlicht. Ausgewählte Predigten und
verwandte Schriftstücke finden sich bei Schöpsf,
^ "Meister E." (Lpz. 1889). E. war ein Mann von
^ hochfliegendem Geiste, dessen Ideen durch ihre Tiese
^ und Kühnheit Bewunderung erregen, zugleich in
hohem Grade Meister der Sprache und der Form
und gehört zu den besten deutschen Prosaisten.
Sein Hauptthema ist das völlige Einswerdcn der
Menschenseele mit Gott, nicht nur moralisch, son-
dern auch metaphysisch, wodurch er dem Pantheis-
mus zugetrieben wurde. Die Zahl seiner Schüler,
darunter Tauler und Suso, war ebenso groß als das
Ansehen, dessen er in Deutschland genoß und das
durch seine Verurteilung keinerlei Einbuße erlitt.
- Vgl. Martensen, Meister E., eine theol. Studie
(Hamb. 1842); Bach, Meister E., der Vater der
deutschen Spekulation (Wien 1864): Lasson, Meister
(5., der Mystiker (Berl. 1868): Iundt, Nä^i 8ur le
mMiciäuis 8p6cul3.tikä6 mkitre 15. (Straßd. 1871);
Linsenmann, Der ethische Charakter der Lehre Mei-
ster E.s (Tüb. 1873); Preger, Geschichte der deutschen
Mystik im Mittelalter, Tl. 1 (Lpz. 1874).
Eckardt, Iul. von, Publizist, geb. 1. Aug. 1836
zu Wolmar in Livland, studierte in Petersburg,
Dorpat und Berlin Jurisprudenz und Geschichte,
bekleidete 1860-67 die Stellung eines Sekretärs
des livländ. Landeskonsistoriums in Riga und gab
gleichzeitig mit Bärens die "Rigasche Zeitung",
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