Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

692
Eckerö - Eckhard
fahrt. - E. wird als Stadt schon 1261 als Ekeßren-
vorde erwähnt. Am 7. Dez. 1813 schlug der russ.
General Wallmoden hier die Dänen. Am 5. April
1849 fand hier ein für die dentschen Waffen rühm-
volles Gefecht zwischen dentschen Strandbatterien
und einem Geschwader der dän. Flotte statt, woran
die Denkmäler auf dem Platze der frühern Schanzen
erinnern. Von Alsen her waren unter dem dän.
Kapitän Paludan das Linienschiff Christian V1I1.
(92 Geschütze), die Fregatte Gefion (54 Geschütze),
die Dampfer Hekla und Geyser (zu je 7 Geschützen)
und 3 Transportfahrzeuge mit Infanterie gegen E.
entsendet worden, um die dortigen, mit 10 schweren
Geschützen unter Befehl des Hauptmanns Iungmann
besetzten beiden Batterien zu zerstören. Die dän.
Schiffe eröffneten um 7^ Uhr das Feuer gegen die
Nordbatterie, die mit glühenden Kugeln antwortete.
Um 1 Uhr brach auf dein Christian VIII. Feuer aus,
worauf Paludan unter der Drohung, die Stadt zu
beschießeil, die Einstellung des Feuers und freien
Abzug forderte. Um 4^2 Uhr wurden die Verhand-
lungen von deutscher <^eite abgebrochen und das
Feuer wieder eröffnet. Um 5^ Uhr strich Gefion,
um 6 Uhr Christian VIII., das beste Schiff Däne-
marks, die Flagge. Während der Ausschiffung der
Verwundeten und Gefangenen floa. Christian VIII.
gegen 8 Uhr auf, da das Feuer dle Pulverkammer
erreicht hatte. Am 1. Febr. 1864 mußten bei E. drei
dän. Kriegsschiffe dem Feuer der preuß. gezogenen
Sechspfünder weichen, worauf E. besetzt wurde.
Besonders schwer litt die Stadt durch die Sturm-
flut vom 13. Nov. 1872.
Gckerö (Ekkerö), eine der Mandsinseln (s. d.),
westlich der Insel Aland und zum Kreis Aland des
sinn. Län Äbo-Björneborg gehörig, hat 82,8 likm
und 1196 E. (Schweden). Hauptort ist Eckcrö-Storby
mit Post, Telegraph und Grenzzollamt.
Eckersberg, Christopher Wilhelm, dän. Maler,
geb. 2. Jan. 1783 zu Varnäs in der Nähe von
Apenrade, widmete sich seit 1803 der Kunst auf der
Akademie zu Kopenhagen und bereiste als Stipen-
diat derselben Italien und Frankreich, wo er Louis
Davids Schüler wurde; er ist als der Regenerator
der neuern dän. Malerei anzusehen, ist wie diese
nüchtern aber wahr und natürlich, ein vortrefflicher
Zeichner aber schwach in der Farbe. Seine her-
vorragendsten Gemälde sind: Moses befiehlt dem
Roten Meer nach seinein Durchgang sich zu schließen
(1817), die drei Frauen am Grabe Christi, Baldurs
Tod nach der Edda geschildert, eine großartige und
ausdrucksvolle Darstellung; ferner eine Scene aus
Öhlenschlä'gers Trauerspiel "Axel und Valborg".
Auch als Vildnismaler war E. mit Glück thätig,
wie ein Gemälde, die königl. Familie (1821) dar-
stellend, sowie seine Bildnisse von Thorwaldsen,
Öhlenschlägcr u. a. beweisen, sodann schuf er auch
Scestücke, unter denen die Reede von Helsingör
(1826) hervorzuheben ist. Er starb 22. Juli 1853
zu Kopenhagen.
Gckersdorf, Dorf im Kreis Neurode des preuß.
Reg.-Vez. Vreslau, hat (1890) einschließlich des
Gutsbezirks (183 E.) 1941 meist kath. E., Post, Tele-
graph, Schloß mit großem Garten (namhafte Orchi-
deenzucht), Zuckerfabrik, Dampfmühle und die Stein-
kohlengrube Frischauf. In E. wurde um 1790 die
erste Merinoschäferei Schlesiens gegründet.
Gckert, Karl, Musiker, geb. 7. Dez. 1820 zu
Potsdam, genoß 1836 - 39 zu Leipzig den Unter-
richt Mendelssohn-Bartholdys, lebte dann zu Berlin
und München, ließ sich nach mehrern Kunstreisen in
Paris nieder, wo er 1850 und 1851 Kapellmeister
der Italienischen Oper war, und begleitete 1852
Hennette Sontag als Dirigent ihrer Konzerte nach
Amerika. 1853 folgte er einem Ruf als Kapell-'
meister an das Hofoperntheater in Wien, zu dessen
artistischem Direktor er 1855 ernannt ward. 1861
- 67 wirkte er als Hofkapellmeister zu Stuttgart
und seit 1869 als solcher zu Berlin, wo er 14. Okt.
1879 starb. Schon 1830 komponierte E. eine Oper
("Das Fischermädchen") und 1833 ein Oratorium
("Ruth"), leistete aber später als Komponist nichts,
was diesen Anfängen entsprochen hätte; nur einige
Lieder und ein Cellokonzert von ihm sind allgemeiner
bekannt geworden.
Gckerts Koftfwafser, s. Geheimmittel.
Eckesachs, berühmtes Schwert der deutschen
Heldensage, das der Zwerg Alberich schmiedete und
das nacheinander Ruodlieb, Ecke und Dietrich von
Bern gehörte.
Gckewart, der Markgraf, der im Nibelungen-
liede im Dienste Kriemhilts erscheint und die Bur-
gunden vor ihr warnt, beruht wahrscheinlich auf
einer Vermischung des historischen E., der der erste
Markgraf von Meißen war (gest. 1002), mit der
mythischen Gestalt des getreuen Eckart (s. d.).
Eckflügler (Vlmo383.), Gattung derTagschmetter-
linge, Familie der I^mpIiiMIac; (s. d.), mit ge-
zähnten, eckig zugeschnittenen Flügeln. Die Raupen
sind dornig, die Puppen eckig, in der Regel mit
Goldflecken. (^. Fuchs, Pfauenauge, Trauerman-
tel, Weißes C.)
Eckhard, Karl Maria Iosepb, Politiker, geb.
13. März 1822 zu Engen im bad. Oberland, stu-
dierte die Rechte, wurde 1849 wegen Teilnahme an
der Revolution angeklagt, aber von den Gerichten
freigesprochen, ließ sich 1856 als Rcchtsanwalt in
Osjenburg nieder, beteiligte sich an der Agitation
gegen das Konkordat und wurde 1861 von der
Stadt Osfcnburg zum Abgeordneten in die bad.
Zweite Kammer gewählt. Er nahm dort bald eine
hervorragende Stellung ein und steht bis heute
mit an der Spitze der liberalen Partei Badens. Auf
dem Landtag von 1865 zum zweiten Viceprä'siden-
ten und in den landstandischen Ausschuß gewählt,
unterstützte er das Ministerium Lamey gegen die
ultramontane Partei. Er stellte die vom Landtag
angenommenen Anträge auf Einführung der obli-
gatorischen Civilehe und auf Regelung der Verwal-
tung des weltlichen Stiftungsvermogens; beide ka-
men später zur Ausführung. Auch in der Schul-
gesetzgcbung vertrat er, obwohl selbst Katholik, die
Rechte des Staates gegenüber den Ansprüchen des
kath. Kirchenregiments. Außerdem agitierte er für
den Anschluß Badens an den Norddeutschen Bund.
Auf dem Landtag 1869 verteidigte er die national
gehaltene Adresse der Majorität und sprach 1870
als Berichterstatter über die Versailler Verträge für
deren Annahme. 1871 wurde er zum ersten Vice-
präsidenten gewählt; 1871-73 war er als Abgeord-
neter für Ossenburg auch Mitglied des Reichstags,
wo er sich der nationalliberalcn Partei anschloß.
Seit 1870 jurist. Mitglied der Direktion, nachmals
Präsident des Aussichtsrates der Rheinischen Kre-
ditbank zu Mannheim, nahm E. nach Ablauf seiner
Mandate (1873 und 1874) keine neuen mehr an.
Gleichwohl beteiligte er sich am polit. Leben auf
Parteitagen (so 1884 in Heidelberg, wo das neue
Programm der Nationalliberalen ausgestellt wurde).