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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eduard I. (König von England) - Eduard III. (König von England)
ist der ein Jahrhundert später festgewurzelte Glaube
zurückzuführen, daß der Träger der engl. Krone
durch feine Berührung Schwärenbehaftete heilen
könne. - Vgl. Freeman, Histor^ ok t1i6 Normkm
0oQ<i!i68t, Bd. 2 (2. Aufl., Lond. 1870).
Gduard I., König vonEngland (1272-1307),
geb. 17. Juni 1239 als Sohn Heinrichs III., hatte
schon bei Lebzeiten feines Vaters an den Baronen-
kriegen teilgenommen und durch die Schlacht bei
Evesham (1265) dessen Thron wieder aufgerichtet.
Beim Tode Heinrichs III. war er abwesend auf einer
Fahrt ins Gelobte Land, von der er erst 1274 zurück-
kehrte. Die für Englands Fortentwicklung epoche-
machende Bedeutung E.s beruht vornehmlich auf
seiner großartigen gesetzgeberischenThätigkeit.In ihr
wurzeln das Recht und die Verfassung des heutigen
Englands. Es wurden die bestehenden Gesetze neu
durchgearbeitet, endgültig geformt und durch neue
ergänzt. Er schuf den Kanzleigerichtshof, befchränkte
die kirchliche Jurisdiktion, ordnete die Verwaltung,
Polizei und das Lehnswefen. Allem voran aber
stehen die Neuordnungen für die Verfassung, die er
zum guten Teil widerwillig gewährte, als die
unvermeidlichen Folgen seiner auswärtigen Po-
litik. Auch hierin schlug er eine neue Richtung ein,
indem er mit seinen Eroberungen sich nicht nach
dem Festlande wandte, sondern auf der brit. Insel
blieb. Lange hatte Wales allen Angriffen getrotzt,
dis E. es in zwei Feldzügen, 1277 und 1282, unter-
warf. Der 1284 zu Carnarvon im Nordwesten der
Halbinsel geborene Thronerbe erhielt den von nun
an dauernd gebrauchten Titel eines Prinzen von
Wales. Dem Fürstentum ward eine der englischen
angepaßte Verwaltung gegeben, aber oftmalige
Erhebungen hielten den König nach diefer Seite
beständig in Atem. Als 1290 in Schottland die
Königsfamilie ausstarb, erzwang er die Anerken-
nung veralteter Ansprüche einer engl. Lehnshoheit
und entschied zwischen den Thronbewerbern, John
Baliol und Robert Bruce, für den erstern, der fein
Königreich als engl. Lehn empfing. Auch hier hatte
E. zur Sicherung des errungenen Einflusses be-
ständig zu kämpfen, besonders als das bedrängte
Schottland Schutz bei Frankreich suchte und mit
ihm verbündet sich erhob, während E. die Gascogne
gegen Philipp IV. verteidigen mußte (1295). John
Baliol wurde zwar abgesetzt und in Haft genom-
men, aber ein neuer Führer erstand den Schotten
in William Wallace und nach dessen Unterwerfung
und Hinrichtung (1305) in dem jüngern Robert
Bruce. Die außerordentlichen Anforderungen,
welche diefe unaufhörlichen Kriege an das Land
stellten, zwangen den König zur Nachgiebigkeit
gegenüber feinen Parlamenten: in der Charte von
1297 muhte er nicht nur die NaSua (Harta. (s. d.)
aufs neue bestätigen, sondern es wurde von jetzt
die Leistung jeder Steuer an die Bewilligung des
Parlaments gebunden. Diese Verfassungsbestim-
mungen hat E. freilich öfter umgangen, denn feine
energische Natur neigte zu Gewaltsamkeiten, wie
er auch die gefamte engl. Iudenschast aus England
hinausgewiefen hat (1290), doch wurde unter ihm
das Fundament des engl. Parlaments in feiner
Gestaltung, zumal durch die Zuziehung der Graf-
schafts- und Städtevertreter neben den Lords, und
in seinen Rechten gelegt. E. starb 7. Juli 1307 zu
Vurgh bei Carlisle auf einem Zuge gegen Schott-
land. - Vgl. Pauli, Geschichte von England, Bd. 4
(Gotha 1855); Stubbs, lüouLtiwtiouai Hiätor^,
Bd. 2 (Lond. 1875); Seeley, I^ile anä reiFn ok
Acwarä I. (anonym; neue Aufl. 1872); Tout,
Nänarä tiis ür8t (Lond. 1893).
Eduard II., König von England (1307-27),
geb. 1284 zu Carnarvon in Wales als Sohn
Eduards I., führte daher als Thronfolger zuerst den
Titel eines Prinzen von Wales. <^eine Regierung
bildet einen traurigen Gegensatz zu der seines Va-
ters, er war leichtsinnig, schwach und haltlos. Den
Anmaßungen der Barone stellte er sich entgegen,
indem er emen franz. Abenteurer, Piers Gaveston,
zu seinem ersten Berater berief, lieh ihn aber beim
ersten Ansturm fallen und sich von den Baronen
einen Verwaltungsrat von 21 "0iäHin6r8" aus
ihrer Mitte aufdrängen (1311). Dennoch gab er
den Widerstand nicht auf, der verbannte Ga-
veston kehrte zurück und wurde nun von der Baro-
nenpartei, an deren Spitze Graf Thomas von Lan-
caster stand, hingerichtet (1312). Der Kampf dauerte
fort, und zu den innern Wirren kam die Schmach
einer vernichtenden Niederlage durch die Schotten
bei Vannockburn (1314), dazu Verwüstung des Lan-
des und Hungersnot. Nachdem die Partei Lan-
casters fogar in Verbindung mit den Schotten ge-
treten war, fiel Graf Thomas mit mchrern Genossen
in die Hand des Königs und wurde hingerichtet.
Wenn E. hier gesiegt hatte und sich der 0räaiii6i'3
entledigen konnte, so mußte er nach einem neuen
unglücklichen Feldzug gegen Schottland einen drei-
zehnjährigen Stillstand schließen (1323), und nun
trat seine eigene franz. Gemahlin Isabclla an die
Spitze der Unzufriedenen. Der König wurde ge-
fangen genommen und durch das Parlament abge-
fetzt (7. Jan. 1327). Er fügte sich und starb noch in
demselben Jahre aus Schloß Berkeley auf geheimnis-
volle, wahrscheinlich gewaltsame Weise.
Eduard III., König von England (1327-77),
Sohn Eduards II., geb. 13. Nov. 1312 zu Windsor,
kam durch die von seiner Mutter Isabella geleitete
Verschwörung gegen seinen Vater mit 15 Jahren
auf den Thron. Der willkürlichen Regentschaft Isa-
bellas und ihres Günstlings Mortimer entledigte
sich der junge König 1330, ließ Mortimer hinrich-
ten und verbannte Isabella vom Hofe. Seine
eigene Regierungszeit erhielt ihre Bedeutung durch
die glanzvolle auswärtige Politik, im Zusammen-
hang mit dieser durch den weitern Ausbau der Ver-
fassung, sowie durch den Aufschwung des Handels
und des geistigen Lebens, das die ersten großen
Litteraturdenkmäler in engl. Sprache hervorbrachte.
Den ruhmlos aufgegebenen Krieg gegen Schott-
land erneuerte er, siegte 1333 bei Halidon-Hill und
nahm Berwick. Durch seine Ansprüche auf den
franz. Thron, die er als Schwesterfohn des 1328
ohne männliche Erben verstorbenen Karl IV. er-
hob, die aber auf Grund des Salischcn Gesetzes
zurückgewiesen wurden, rief er einen langwierigen
Krieg hervor, der seine Regicrungszeit überdauern
follte. Mit großer Umsicht hatte er Bundes-
genossen gesucht und seine Rüstungen vorbereitet.
Er vernichtete bei Sluys eine große franz. Flotte
(1340), mußte sich aber, da die Hoffnungen aus
feine Bundesgenossen ihn trogen, zu einem Still-
stand verstehen und eröffnete erst 1346 den Krieg
aufs neue mit der glänzenden Waffenthat bei
Cr^cy 26. Aug. 1346, bei der er selbst sein Heer be-
fehligte. Dasselbe Jahr sah noch einen Sieg der Eng-
länder über die cin^edrungenen Schotten bei Ne-
ville's Croh, das nächste Jahr den Fall von Calais.