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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eduard IV. (König von England) - Eduard VI. (König von England)
Ein längerer Stillstand folgte, den die Erschöpfung
auf beiden Seiten erzwang. 1355 rückten drei
engl. Heere gegen Frankreich vor, das südliche,
befehligt von dem Thronfolger Eduard ff. d.), "dem
schwarzen Prinzen", der bei Maupertuis unfern
Poitiers den franz. König Johann II. 19. Sept.
1356 völlig schlug und gefangen nahm. Die harten !
Friedenssorderungen während des folgenden Still'
stands wurden abgewiesen, 1359 begann der
Krieg von neuem, und nur Frankreichs gänz-
liche Erschöpfung erzwang 8. Mai 1360 den
Frieden von Bretigny (s. d.). Neben dem franz.
Kriege waren überdies 1355 glückliche Erfolge
in Schottland errungen worden. E. hatte von
Anfang an zu allen wichtigen Angelegenheiten seine
Parlamente berufen, und diese benutzten seine
Zwangslage zu Forderungen, die, meist nur vorüber-
gehend bewilligt, schon alle heutigen parlanientari-
schenGrundrechte enthielten: neben derSteucrbewilli-
gung Rechnungsablage über die Geldverwendung
und Kontrolle über die Beamten. 1360 begann ein
Rückgang in den errungenen Erfolgen; aus dem
neu entbrannten franz. Kriege kehrte der schwarze
Prinz mit unheilbarem Siechtum behaftet heim, bis
1374 gingen alle südsranz. Eroberungen außer
Bordeaux und Vayonne verloren, und Hofintriguen
und Mißbräuche rissen in der Regierung ein. Be-
sonders gegen diese ging das "gute Parlament"
des I. 1376 vor, bei dem im Vordergrunde die
"Gemeinen" standen, wie die vereinigten Grafschafts-
und Städtevertreter hießen, die jetzt, von den Lords
getrennt, in besonderm Raume tagten. In Einem
fanden sich Krone und Parlament trotz mancher
Mißhelligkeiten immer zusammen, wenn es galt,
päpstl. Übergriffen ein Halt zu gebieten, und gerade
in E.s letzten Jahren erhob sich die religiöse Op-
position gewaltig unter John Wiclifs Führung. An
Geist und Körper alt und schwach, starb E. 21. Juni
1377, nachdem sein Sohn Eduard schon vor ihm ge-
storben war. - Vgl. Longman, "IIi6 IIi8wi-)' ol üie
Ms iuiä tiili6ä ol Länarä III. (2 Bde., Lond.1869).
Eduard IV., König von E n g l a n d (1461-83),
geb. 28. April 1442 zu Rouen, als Sohn Richards
von Mork (s. d.), Urenkel Eduards III., trug zuerst
den Titel eines Grafen von March. Als sein Vater
in dem Rosenkrieg bei Wakesield 24. Dez. 1460 ge-
fallen war, übernahm E. die von jenem erhobenen
Kronansprüche des Hauses Jort gegenüber dem
Lancaster Heinrich VI. Mit Hilfe des Grafen War-
wick ließ er sich 2. März 1461 zu London als König
ausrufen und sicherte sich die Krone durch seinen
Sieg bei Towton 29. März 1461. Im 1.1464 geriet
Heinrich VI. in seine Hand, während die Königin
Margarete mit ihrem Sohn auf dem Festland
weilte. Durch seine Vermählung mit der jungen
Witwe Elisabeth Grey, Tochter des Richard Wood-
ville, Lord Rivers, und durch Bevorzugung ibrer
Verwandten erregte E. die Eifersucht der alten
Geschlechter, vor allem der Nevilles und ihres
Hauptes, des Grasen Warwick. Noch mehr wurde
dieser erste unter den Genossen E.s verletzt, als der
König seine Pläne, ein Bündnis mit Frankreich zu
schließen, durchkreuzte, indem er seine Schwester
Margarete dem ärgsten Feinde Frankreichs, Karl
dem Kühnen von Burgund, zur Gemahlin gab.
Warwick trat rachesuchend in eine Verbindung zu-
erst mit E.s jüngerm Bruder Clarence, dann mit
Heinrichs VI. Gemahlin Margarete und arbeitete
von Frankreich aus an einer Verbindung der Un-
zufriedenen. 1470 mußte E. vor ihm nach Burgund
weichen, erschien aber schon 1471 wieder in Eng-
land und schlug Warwick bei Varnet, Margarete
bei Tewkesbury (April und Mai 1471). Warwick
war gefallen, Heinrich VI. mußte in den Tower, wo
er am Tage von E.s Einzug in London (21. Mai)
geheimnisvoll umgekommen ist. Im Bunde mit
Burgund führte E. 1475 einen Krieg gegen Lud-
wig XI. von Frankreich, aber schlecht unterstützt bc?
gnügte er sich im Frieden mit der Zahlung eines
Jahrgeldes. Er bedürfte bei seinem verschwende-
rischen Leben großer Summen und war doch be-
strebt, sich von parlamentarischen Bewilligungen
möglichst unabhängig zu halten. Daher erfand er die
"Bencvolenzen", sog. freiwillige Geschenke, die er per-
sönlich von einzelnen begüterten Unterthanen sich er-
bat. Dies empfand man natürlich als lästigen Druck,
wenn es auch das Gute hatte, daß es eine Besteuerung
der Begüterten mit Schonung der Armern war;
auch liebte der König kaufmännische Geschäfte auf
eigene Rechnung, trieb mit Nachdruck alle halb ver-
gessenen Gesälle ein und vermehrte seinen Schatz
durch die Konfiskation der Güter von Geächteten.
Er sicherte seinen Thron durch Vernichtung aller
Gegner, ja die Ermordung seines eigenen Bru-
ders Clarencc (gest. 1478) hastet an seinein Ge-
dächtnis. Aber trotz seiner Härten und Schatten-
seiten war der kraftvolle, dazu schöne, ritterliche und
leutselige Fürst, der sich mit verschwenderischem Glanz
umgab, entschieden volt^beliebt. Er konnte sich
plötzlich zu energischem Handeln aufraffen, gewöhn-
lich aber füllten Ausfchweifungen und Lüste sein
Denken und seine Zeit und brachten ihn in ein frühes
Grab. Er hatte nur für die Dauer seines eigenen
Lebens den Thron zu sichern gewußt. Als er 9. April
1483 starb, sielen seine Söhne Eduard V. und
Richard der Herrschsucht ihres Oheims zum Opfer.
Eduard V., König von England (1483), geb.
3. Nov. 1470, ältester Sohn Eduards IV., war
12 I. alt, als sein Vater starb. Die Königin Elisa-
beth (s. Grey) und ihre Verwandten beanspruchten
die Vormundschaft, aber der Oheim des Königs,
Herzog Richard von Gloucester (s. Richard III.) be-
mächtigte sich der Person des Knaben und ließ sich
zum Protektor ernennen. Nachdem er auch E.s
jüngern Bruder Richard, Herzog von Jork, in seine
Gewalt gebracht, riß er die Krone an sich. Er ließ
seines Bruders Söhne für unehelich erklären, weil
Eduard IV. schon früher heimlich vermählt gewesen,
und hielt die Brüder im Tower gefangen. Dort
sind sie nach seiner eigenen Krönung (6. Juli 1483)
für immer verschwunden.
Eduard VI., König von England (1547-53),
Sohn Heinrichs VIII. und seiner dritten Gemahlin,
Johanna Seymour, wurde 12. Okt. 1537 in Hamp-
towCourt geboren. Heinrich VIII. hatte die Regent-
schaft einem Rate von 16 Männern anvertraut,
aber der mütterliche Oheim E.s, Eduard Seymour
(s. Somerset), erzwang sofort seine Anerkennung
als Protektor des Reichs und eignete sich den Titel
eines Herzogs von Somerset zu. Trotz guter Ab-
sichten hatte er viel Unglück. Mit seinem glänzen-
den Sieg über die Schotten bei Pinkie Cleugh
(Aug. 1547) erreichte er nur deren engem Anschluß
an Frankreich; seine Versuche, der wachsenden Ver-
armung der untern Klassen zu steuern, hatten
keinen Erfolg, dazu kam die mit der Einführung
des gemeinsamen Gebetbuchs (Look ol (üominou
?i'^6l) und der llniformitätsakte 1548 beginnende
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