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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ehrenberg - Ehrenbreitstein
teten befreit werden. Auch ohne Notadre^e kann
e'm Dritter, wenn der Wechsel durch Nichtannahme
oder Nichtzahlung Not leidet und dies durch Protest
festgestellt ist, sich zum Accept oder zur Zahlung zu
Ehren eines Regreßpflichtigen erbieten; er inter-
veniert, tritt dadurch ein für den bezeichneten Re-
greßpflichtigen; wenn er keinen bezeichnet, für den
letzten Regreßpflichtigen. Der Eintretende wird
Hon orant, derjenige, für den er eintritt, Honorat
genannt. Für die Zahlung darf der Eintritt auch
eines solchen Dritten nicht abgelehnt werden, der
nicht durch Notadresse beauftragt ist; andernfalls
verliert der Wechselinhaber seinen Regreß gegen die
Nachmänner des Honoraren. Wird die Ehren-
zahlung nicht rechtzeitig von dem Notadressaten
oder dem Ehrenacceptanten gefordert und im Nicht-
zahlungsfalle Protest erhoben, so verliert der In-
haber seinen Regreß gegen den Honoraten und
dessen Nachmänner. Der Ehrenacceptant haftet aus
seinem Accept den Nachmännern des Honoraten;
seine Verpflichtung erlischt aber (im Gegensatz zum
eigentlichen Acceptanten), wenn ihm der Wechsel
nicht spätestens am zweiten Werktage nach dem
Zahlungstage zur Zahlung vorgelegt ist. Der
Ehrenzcchler tritt übrigens in die Rechte eines
Wechselinhabers ein, hat also Wcchselrecht gegen den
Honoraten, dessen Vormänner, den Acceptanten des
gezogenen, bez. den Aussteller des eigenen Wechsels.
Ehrenberg (Alt-Ehrenberg), Dorf in der
Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk
Schluckenau in Böhmen, hat (1890) 3350, als
Gemeinde mit Neu-Ehrenberg und Wald ecke
5015 E., Post, Webereien und Manchestermanu-
fakturen.
Ehrenberg, Christian Gottfr., Naturforscher
und Reisender, geb. 19. April 1795 zu Delitzsch,
studierte seit 1815 zu Leipzig Theologie, wandte
sich aber bald den Naturwissenschaften und der
Medizin zu und setzte seit 1816 sein.e Studien in
Berlin fort. Auf Kosten der Akademie der Wissen-
schaften unternahm er 1820 mit Friedrich Wil-
helm Hemprich (geb. 24. Jan. 1796 zu Glatz)
eine Reise nach Ägypten und den Nachbarländern,
diesich auf 6Jahre erstreckte. Hemprich stard30.Iuni
1825 zu Massaua, E. selbst kehrte im Frühjahr 1826
nach Berlin zurück und wurde zum außerord. Pro-
fessor der Medizin ernannt, 1827 auch als Mitglied
in die Akademie aufgenommen. Hierauf begleitete
er 1829 A. von Humboldt auf dessen Reise nach
Asien bis an den Altai, erhielt 1839 eine ord. Pro-
fessur, wurde 1842 beständiger Sekretär der Akade-
mie und bekleidete die Professur bis zu seinem am
27. Juni 1876 in Berlin erfolgten Tode. Von
seinen zahlreichen Schriften sind besonders hervor-
zuheben: "8)'ind0ia6 pk)'Lica6" (4 Bde., Verl. 1828
-34), "Die Korallentiere des Noten Meers"
(ebd. 1834), "Zur Erkenntnis der Organisation in
der Richtung des kleinsten Raumes" (ebd. 1830
-34), nebst "Zusätze zur Erkenntnis großer Or-
ganisation im kleinen Raume" (ebd. 1836), und
seine beiden Hauptwerke: "Die Infusionstierchen
als vollkommene Organismen" (Lpz. 1838) und
"Mikrogeologie" (ebd. 1854).
Ehrenberger Klause, ein vormals sehr fester
Punkt im Norden Tirols, unweit der bayr. Grenze,
am Lech, oberhalb des Fleckens Reutte, auf der jetzi-
aen Kunststraße von Füssen thalaufwärts nach Inns-
oruck und dem Obcrinnthal, benannt nach der den
dortigen Gebirgspaß beherrschenden, während des
franz. Revolutionskrieges geschleiften Feste Ehren-
berg, wurde im Schmalkaldischen Kriege 10. Juli
1546 von Sebastian Schertlin und 19. Mai 1552
von Kurfürst Moritz von Sachfen weggenommen.
Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Feste 1634
von Bernhard von Weimar vergebens belagert,
dagegen 1703 von den Bayern und kurz nachher
wieder von den Kaiserlichen erobert.
Ehrenbezeigungen, s. Honneurs, Ehrenposten,
Ehrenschüsse, Ehrenwachen.
Ehrenbote vomRH ein, s.Zweter,Reinmarvon.
Ghrenbreitstein, auch Thalehrenbreitstein
genannt, Stadt im preuß. Neg.-Vez. und Landkreis
Koblenz, rechts des Rheins in einer Thalwindung,
am Fuße der Festung E. und an der Linie Nieder-
lahnstein-Konigswinter der Preuß. Staatsbahnen,
mit Koblenz durch eine Schiffbrücke und feit 1864
durch eine große Eisenbahnbrücke verbunden, ist
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Neuwied), und
der zur Diöcese Trier gehörigen bischöfl. Delegation
für sämtliche Kirchen des ostrhein. Teils des Reg.-
Bez. Koblenz, hat (1890) mit der Festung E. 5278 E.,
darunter 1449 Evangelische und 30 Israeliten, Post
zweiter Klasse, Telegraph, zwei kath.Kirchen, ein Kapu-
zinerklostcr, ein ehemaliges turtriersches Dikastcrien-
gebäude, jetzt Proviantmagazin, eine Synagoge,
einen schon im 14. Jahrb. bekannten Sauerbrunnen;
Wein- und Speditionshandel. Auf dem Asterstein
befindet sich ein Denkmal zur Erinnerung an die 1866
Gefallenen. llberdicGarnisonderFestungs.Koblenz.
Es besteht noch das Zaus des kurtrierschen Kanzlers
Laroche und seiner als Schriftstellerin und Jugend-
freundin Wielands bekannten Gattin Sophie, in
welchem 1774 Goethe heitere Stunden verlebte.
Eüdlick vom E., jenfeit der Thalschlucht der Stadt,
erbebt sich auf der Pfaffendorfer Höhe das Forr
Asterstein, welches im Zusammenhange mit der
Festung E. die Befestigung des rechten Rheinufers
bildet und durch vier vorgeschobene Werke verstärkt
ist. Einige Werke östlich von der Stadt schützen die
letztere gegen einen Handstreich und sperren die
Thalschlucht. Am westl. Abhang ist 1856 der zu
Ebren der Groftherzogin von Baden benannte
Luisenturm erbaut worden.
Über die Stadt, die noch im 17. Jahrh. Moelen
oder Müelcn imThale und dann kurze Zeit Philipps-
thal genannt wurde, erhebt sich, der Moselspitze
gegenüber, auf einem steilen, 118 in über dem Rhein
und 174 in über dem Meer gelegenen Felsen die
neuerdings durch vorgeschobene Erdwerke verstärkte
Festung E., nebst den gegenüberliegenden Werken
von Koblenz eine der bedeutendsten "Europas, mit
schönen Aussichten auf das Rhein- und Moselthal.
- Ob dieser militärisch wichtige Punkt schon von
den Römern befestigt war, läßt sich nicht nachweisen.
Die Burg E. soll schon 636 der Frankenkönig Dago-
bert dem Erzstift Trier geschenkt haben. Gewiß ist,
daßKaiserHemrich II. dies Besitztum 1018 bestätigte.
Der Erzbischof Hermann oder Dillin (1152-69)
ließ die Gebäude der Burg herstellen, die Befesti-
gungen verstärken und auf dem südlichen, tiefer ge-
legenen Vorsprunge des Felsens eine zweite Burg,
den Hillin- oder Hermannstein, später Helfenstein,
bauen. Eine regelmäßige Befestigung des E. kam
erst 1672 durch den Kurfürsten Karl Kaspar von
der Leyen (1652-76) zu stände. Durch den Kur-
fürsten Philipp Christoph von Sötern kam die
Festung 1631 in die Hände der Franzosen und erst
1637 wieder an die Kaiserlichen unter Johann von