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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eierkunde
in Wasserglas; andere benutzen Firnisse, Leinöl
u. s. w.; auch durch Behandlung mit Kalkwasser wer-
den die Schalen dicht; Duflos legt die Eier in fein
gestoßene Holzkohle; Gaffard konserviert die Eier
durch Einlegen (30-40 Minuten lang) in eine bis
5>0" 0. warme Lösung von Alaun in gleichen Teilen
Wasser, wonach die Aufbewahrung in Sägespänen,
Baumwolle oder Asche geschieht; Kolbe legt die
Eier eine Stunde lang in eine gesättigte Lösung von
Salicylsäure und bewahrt sie in Sägespänen; auch
die Aufbewahrung in einer Kohlensäureatmosphäre
in besonders dazu konstruierten Apparaten ist neuer-
dings in Vorschlag gebracht. In manchen Industrie-
zweigen, z. B. beim Zeugdruck zum Befestigen der
Farben, findet das Eiweiß bedeutende Verwendung;
bei diesen bildet die Umwandlung in Konserve ein
Mittel, um das nicht zur Benutzung kommende Ei-
gelb zu verwerten. Zu diesem Behufe wird es in
dünnen Schichten auf blank polierte Stahl- oder
Glasplatten gestrichen und in einem Trockenofen,
unter kräftiger Ventilation, bei einer 50° 0. nicht
übersteigenden Temperatur erhalten, bis es gänzlich
ausgetrocknet ist. Die trockne Masse läßt sich leicht
mittels eines Hornspatels von der blanken Platte
abstoßen und ist dann, bei vorsichtiger Aufbewah-
rung, fast unbegrenzt haltbar. War die angegebene
Tempnawr beim Trocknen nicht überschritten, so
quillt die Masse in Wasser zu einer Flüssigkeit von
schleimiger Konsistenz, wie sie das frische Eigelb dar-
stellt, und läßt sich zur Bereitung von Speisen,
Backwerk u. dgl. verwenden. Soll das Eigelb für
technische Zwecke (Weihgerberei) konserviert werden,
so giebt man zu den zerschlagenen Dottern 3-5Proz.
Kochsalz und 0,i Proz. arscniger Säure, worauf sie
luftdicht in Vüchfen eingeschlossen und am besten
mit Eis verpackt werden.
Gierkunde, Oologie, diejenige Hilfswissen-
schaft der Vogelkunde (Ornithologie), welche sich mit
der Untersuchung der äußern Schale der Vogelcier
beschäftigt und auch die Anzahl der Eier, welche
ein Vogel für eine Vrut legt (das Gelege), in den
Kreis ihrer Betrachtung aufnimmt. Die E., früher
wenig oder gar nicht für die ornitholog. Syste-
matik berücksichtigt, hat sich erst seit wenigen Jahr-
zehnten eine genügende Anerkennung seitens der
Ornithologen zu verschaffen gewußt, sodaß heut-
zutage die Aufstellung irgend eines Systems der
Vögel ohne ihre Beihilfe kaum gewagt werden darf.
seitdem die E. in sehr vielen Fällen gezeigt bat,
daß sie als vorzügliches Kriterium für verwandt-
schaftliche Beziehungen von Vogelgruppen dienen
konnte, wo die Merkmale, welche der Vogel als
folcher bietet, durch Anpassung u. s. w. undeutlich
geworden oder gänzlich verwischt waren, ist sie für
die gruppierendeSystematikunentbehrlich geworden.
Die E. betrachtet die Vogelcier nach ihrer Form
und Größe, nach der Textur der Schale (Korn),
nach ihrer Färbung und Zeichnung und nach der
Anzahl der Eier, welche die Vögel für eine Brüt
(Gelege) produzieren.
Die Formder Eier ist z. B. bei den Eulen, Vienen-
fressern und Eisvögeln fast kugelig; gleichhälftig-
elliptisch bei den Nachtschwalben, Salanganen, Ko-
libris, Sandflughühnern und Wallnistern; gleich-
hä'lftig-spitzelliptifch bei den Nandus und Kafuaren;
ungleichhälftig-elliptisch bei den Seglern; kreisel-
förmig dei den schnepfenartigen Vögeln und eiför-
mig bei den Suvgvögeln, Hühnern und vielen an-
dern. Die Größe wird ausgedrückt durch Länge der
beiden größten Achsen, der Entfernung des Schneide-
punktes beider Achsen von einem der Pole, dem Pro-
dukt der Länge beider Achsen und durch das Ge-
wicht des vollen und entleerten Eies.
Die Textur der Schale (das Korn) steht in di-
rektem Abhängigkeitsverhältnis von der Form und
der Anzahl der Uterindrüsen und zeigt oft bei sonst
fast ununterscheidbaren Eiern auffällige Verschie-
denheiten, die zur Feststellung der Gattung völlig
ausreichen. Die Stellung, Häufigkeit, Größe und
Tiefe der Poren, welche die Kaltschale durchsetzen,
bedingen diese Verschiedenheiten des Kornes, die
noch dadurch vermehrt wird, daß die Eier mancher
Vogelgruppen, wie z. B. der Spechte, vor allen aber
der südamerik. Crypturiden, einen auffallenden
Glanz zeigen, während die Eier anderer Gattungen
völlig glanzlos, stumpf bis rauh erscheinen. Bei
nicht wenigen Eiern finden wir über die eigentliche
Schale einen mehr oder weniger schwammig-porösen
Kaltüberzug aufgelagert, so bei den Lappentauchern,
Tölpeln, Kormoranen, Schlangenhalsvögeln, Fre-
gattvögeln, Pelikanen und Flamingos. Letztere ge-
hören also der Beschaffenheit ihrer Eier nach nicht
zu den entenartigen Vögeln, sondern zu den Peli-
kanen. Ferner findet sich dieser Überzug bei den
Eiern aller selbstbrütenden Kuckucke und erscheint
bei einer Art, dem füdamerik. Guirakuckuck in feiner
auffälligsten Form, indem er hier das lebhaft
grünblaue Ei in Gestalt eines weißen Netzes umzieht.
Unter Färbung versteht man die Grund-
farbe des Eies, welche sich gleichmäßig über die
ganze Schale verteilt, bei sehr vielen Eiern (den
weißen), wie bei den Wasseramseln, Spechten,
Papageien, Blauraken, Seglern, Kolibris, Bienen-
fressern, Eisvögeln, Tauben, Eulen und vielen andern
Gruppen gänzlich fehlt, am häufigsten blaugrün
oder grün erscheint und in feltenern Fällen rot oder
braun auftritt und bei einigen Crypturus - Eiern
sogar ein tiefes Schwarz fast erreicht.
Die Zeichnung besteht aus Punkten, Flecken
und Flatschen, Strichen, Schmitzen, Haarzügen
und Zickzacklinien und ist entweder scharf umgrenzt
oder vcrwafchen. Sie ist ein- oder mehrfarbig und
ihrer Stellung nach entweder gleichmäßig über die
ganze schale verteilt oder kranzartig an der dicksten
stelle des Eies (Bauch) oder etwas darüber zu-
sammengedrängt.
Die Anzahl der Eier des Geleges ist bei den
verschiedenen Vögeln großen Schwankungen (1-24)
unterworfen und ist bei allen Vögeln, welche ein,
zwei oder vier Eier legen, auffallend konstant, wäh-
rend sie bei allen andern Arten, die normalerweise
drei, fünf oder mehr Eier legen, variiert. Nur ein
Ei legen die Alken, Lummen, Krabbentaucher, Lar-
ventaucher, Tölpel, Pinguine, Sturmvögel, Alba-
trosse, Fregattvögel, Tropikvögel und die Kiwis.
Immer zwei Eier die Nachtschwalben, Kolibris,
Tauben, Wespenbussard, viele Adler, Rennvögel,
Dickfuß, Kraniche, Raubmöven, Teistlummen (06p-
pku8) und die Seetaucher. Zwei bis drei Eier ent-
halten die Gelege der Segler, Vrachschwalben, Trap-
pen, Sandflughühner, Möven und Seefchwalben
und Flamingos. Drei bis vier Eier legen viele
Falken und die Kreuzschnäbel. Vier Eier als fast
unabänderliche Zahl finden sich bei den Brachvögeln,
Limosen, Wasserläusern, Strandläufern, Schnepfen,
Regenpfeifern, Kiebitzen, Wassertretern und den
Laufhühnchen. Vier bis fünf legen die meisten klei-
nen Falten, Habichte, Weihen, Krähen, Reiher,