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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eiselen (Joh. Friedr. Gottfr.) - Eisen
kovps. Wegen Kränklichkeit sah er sich jedoch ge-
nötigt, wieder auszutreten und übernahm während
des Krieges die Leitung des Turnplatzes in Berlin.
Nach Iahns Rückkehr wurde er dessen Gehilfe und
Mitlehrer. Als 1819 die Turnplätze geschlossen
wurden, trat er als Lehrer der Mathematik, der
Erdkunde und Geschichte in das Plamannsche In-
stitut. 1825 gestattete man ihm einen "Fecht- und
Voltigiersaal" für Studierende einzurichten. Erst
1827 erhielt er die Erlaubnis, wieder eine öffent'
liche Turnanstalt in Berlin zu begründen. Alis
derselben gingen zahlreiche Schüler hervor, die als
Turnlehrer seine verbesserte Methode und seine Er-
findungen überallhin verbreiteten. E. starb 22. Aug.
1846 zu Misdroy auf Wollin. Er gab mit Iahn
die "Deutsche Turnlunst" (Berl. 1816) heraus und
veröffentlichte: "Hantelübungen" (3. Aufl., ebd.
1883), "Turntafeln" (ebd. 1837), "Merkbüchlein für
Anfänger im Turnen" (ebd. 1838), "Nber Anlegung
voa Turnplätzen und Leitung von Turnübungen"
(ebd. 1844), "Abbildungen von Turnübungen" (ebd.
1845; 5. Aufl., besorgt von Wassmannsdorff, ebd.
1889), "Das deutsche Hiebfechten" (ebd. 1818; neu
bearbeitet durch Böttcher und Wassmannsdorff, Lahr
1882), "Abriß des deutschen Stoßfechtens" (Berl.
1826; neue Aufl. 1889) u. s. w.
Eisclen, Joh. Friedr. Gottfr., Nationalökonom,
geb. 21. Sept. 1785 zu Rothenburg an der Saale,
studierte zu Erlangen Theologie und Philosophie,
nahm an dem Befreiungskrieg 1813 und 1814
als Freiwilliger teil, habilitierte sich 1816 in Ber-
lin und wurde 1820 außerord., 1821 ord. Pro-
fessor der Staatswissenschaften inVreslau, 1829
in Halle. 1852 ward er vom akademischen Senat
daselbst zum Mitgliede des Herrenhauses erwählt.
Er starb 3. Okt. 1865 zu Halle. Er schrieb: "Grund-
züge der Staatswirtschaft und der sich darauf be-
ziehenden Negierungskunst" (Berl. 1818), "Die
Geschichte als Lehrgegenstand auf Schulen be-
trachtet" (ebd. 1819), "Handbuch des Systems
der Staatswissenschaften" (Bresl. 1828), mehr ein
Werk der philos. Spekulation als der prakt. Poli-
tik, "Geschichte des Lützowschen Freikorps" (2. Aufl.,
Halle 184l), "Die Lehre von der Volkswirtschaft in
ihren allgemeinen Bedingungen und in ihrer beson-
dern Entwicklung" (ebd. 1843), "Preußen und die
Einheitsbestrebungen in Deutschland" (ebd. 1850),
"Der preusi. Staat, Darstellung seiner geschicht-
lichen Entwicklung und seiner gegenwärtigen natür-
lichen, socialen und polit. Verhältnisse" (Berl. 1862).
Von Jakobs "Staatsfinanzwissenschaft" besorgte
er die 2. Auslage (Halle 1837).
Eisen (chem.Zeichen 1^6 ^61-i'um^, Atomgewicht
55,9), das wichtigste aller Metalle, kommt in der
Natur überaus häufig vor. Im gediegenen Zu-
stande ist es als tellurisches (irdisches) und als
meteorisches oder kosmisches (aus dem Weltenraume
stammendes) zu unterscheiden; das erstere ist jeden-
falls ein höchst seltenes Vorkommnis; es findet sich
als knollige Gebilde im Plänerkalkstein von Chotzen
in Böhmen, als Kern von Eifentiesknollen in einem
Keuperkalkstein von Mühlhausen in Thüringen, als
Blättchen in den Platin- und Goldsandablagerun-
gen des Ural und Altai, auch in feinsten Partikcl-
chen und gröbern Körnern eingesprengt in gewissen
Vasalten (Värenstein im Erzgebirge, Irland, Grön-
land). Das meteorische E. findet sich teils selbstän-
dig in großen Klumpen von zackiger, zelliger und po-
röser Struktur (Meteoreisen), teils tö'rnerweise ein-
gesprengt in den Meteorsteinen und wird durch
einen konstanten Gehalt an Nickel, durch einen häu-
figen an Chrom und Kobalt charakterisiert. Der
Anteil des E. an der Zusammensetzung der Erd-
rinde ist ein sehr bedeutender, und es läßt sich be-
haupten, daß das E. fast nirgends fehlt, in jedem
Gegenstande des Mineral-, Pflanzen- und Tier-
reichs, wenn auch hier und da in nur sehr geringer
Menge vorkommt. Es giebt nur wenige Mineralien,
die von E. völlig frei sind. Die zur Gewinnung des
metallischen E. im großen dienenden Mineralien
werden Eisenerze genannt; in erster Linie sind es
Eisenoxyde und Verbindungen derselben mit Wasser,
mit Kohlensäure u. s. w., und sie kommen in solcher
Menge vor, daß sie eine unerschöpfliche Quelle für die
Herstellung des Metalls und seiner Verbindungen
für technische Zwecke abgeben. Die wichtigsten dieser
Eisenerze sind: das Magneteisen (Eisenoxyduloxyd),
das unter anderm das vorzügliche schwedische E.
liefert; der Eisenglanz und Noteisenstein, mit dem
Glaskopf, Nötel und Thoneisenstcin (reines oder
verunreinigtes Eisenoxyd); der Spateisenstein oder
Eisenspat, d. i. kohlensaures Eisenoxydul, auch
Sphärosiderit genannt, wenn in kugeligen, nieren-
förmigen Stücken vorkommend, aus dem ein vor-
zugsweise zur Stahlfabrikation geeignetes E. ge-
wonnen wird (Siegener Land, Steiermark); der
Brauneisenstein, eine Verbindung von Eisenoxyd
mit Wasser, woran sich das Vohnerz und der Nasen-
eisenstein (Sumpferz, Wiesenerz, Morasterz) an-
schließt. Von sonstigen E. enthaltenden Erzen sind
zu erwähnen: die verschiedenen Verbindungen des
E. mit dem Schwefel, nämlich das Doppelschwefel-
eisen, das in der Natur in zwei Modifikationen vor-
kommt, regulär als Eisenkies, Schwefelkies oder
Pyrit, rhombisch als Markasit oder Strahlkies, so-
wie das Sicbcnachtelschwefeleisen oder der Magnet-
kies, Substanzen, die wichtigstes Rohmaterial der
Echwefclsäurefabrikation sind und deren dabei ver-
bleibende Abbrände neuerdings ebenfalls auf E.
verarbeitet werden; ferner die Verbindung des
Schwefeleisens mit dem Echwcfclkupfer, die in den
beiden Kupfererzen Kupferkies und Vuntkupfererz
gegeben sind; von diesen dient der Kupferkies eben-
falls der Schwefclsäurefabrikation, um dann, nach
chlorierendem Rösten, den oft nur wenige Prozente
betragenden Kupfergebalt, sowie das spurcnweis
darin vorkommende Silber zu gewinnen, während
der verbleibende Nückstand beim reducierenden
Schmelzen E. liefert. Metallurgisch nicht oder höch-
stens als Zuschläge verwertbar sind die Eisenphos-
phate Vivianit, Beraumt, Kakoren, das Eisenarse-
niat Skorodit, der natürlich vorkommende Eisen-
vitriol, die kieselsauren Eisenverbindungen Lievrit,
Gri'merdc, Hisingerit u. s. w. In Mineralquellen
kommt das E. häufig und in größern Quantitäten
vor und bildet dann die sog. Stahlwässer (Driburg,
LangensäNvalbach, Pyrmont). nbcr die metallur-
gische Darstellung der zu technischen Zwecken ver-
wendeten Eisensorten s. Eisenerzeugung.
Reines E. wird am besten durch Reduktion von
Eisenoxyd oder oxalsaurem E. mittels Wasserstoff-
gas dargestellt. Wenn dabei die Temperatur unter
sichtbarer Notglut gehalten wird, so bildet das E.
ein schwarzes Pulver (leri-um reäucwin), das siä)
an der Luft unter bis zur Selbstentzündung gestei-
gerter Temperatur von selbst oxydiert (pyropho-
risches E.). In stärkerer Hitze verliert das Pulver
durch Zusammensintern diese Eigenschaft und wird