Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

826
Eisen
grau und metallisch glänzend. Auch durch Zu-
sammenschmelzen von Schmiedeeisen mit etwas
Eisenoxyd in Kalktiegeln bei stärkstem Gebläsefeuer
erhält man reines E. in kompaktem Zustande. Der
geringe Kohlenstoffgehalt des Schmiedeeisens wird
dabei durch den Sauerstoff des Orydes verbrannt
und aus letzterm noch eine entsprechende Menge
reines E. abgeschieden. Endlich kann reines E. durch
elektrolytische Zersetzung einer mit Salmiak gesättig-
ten reinen Eisenvitriollösung gewonnen werden und
setzt sich in hellgrauen Platten am negativen Pole
ad. Dieselben enthalten etwas gebundenen Wasser-
stoff, der sich beim Erhitzen im luftleeren Raume
entfernen läßt. Das reine E. ist in kompaktem Zu-
stande fast silberweiß, außerordentlich politurfähig
und in hohem Grade geschmeidig; es wird vom
Magneten angezogen und wird, wenn es vom
elektrischen Strome umkreist wird, selbst magne-
tisch, verliert aber den Magnetismus sofort wieder,
wenn der Strom unterbrochen wird; es verhält sich
also in dieser Beziehung wie weiches E. Sein spec.
Gewicht ist 7,84. Bei Notglut erweicht es, läßt
sich bei beginnender Weißglut zusammenschweißen,
wird aber bei höherer Temperatur wieder spröde
und schmilzt erst bei heftigstem Geblä'fefeuer. An
trockner Luft verändert es sich bei gewöhnlicher
Temperatur nicht, ebenso nicht in reinem Wasser.
Beim Zusammenwirken beider aber rostet es, na-
mentlich schnell, wenn etwas Kohlensäure zugegen
ist. Bei Glühhitze oxydiert sich auch das kompakte
E. an der Luft zunächst zu Eisenoxydnloxyd (s. d.),
später zu Eisenoxyd (s. d.). Im reinen Sauerstoff-
gafe brennt es, einmal angezündet, von felbst unter
so beträchtlicher Wärmeentwicklung weiter, daß ein
Teil des Metalls verdampft und Flammenbildung
veranlaßt. Bei starker Rotglut zersetzt es den Was-
serdampf, indem es sich in Eisenoxyduloxyd verwan-
delt und Wasserstosfgas freimacht. In verdünnten
Säuren löst es sich ineist unter Wasserstoffentwick-
lung zu Eifenoxydul- oder Ferrosalzen. Mit den
Halogenen verbindet es sich direkt. Die Cyanide des
E. (Cyaneifen) erhält man durch Fällen der wäs-
serigen Lösungen der Eisensalze mit Cyankalium als
weiße, sehr zerfetzliche Niederschläge. Eisenoxydulsalze
liefern Eisencyanür, I'6(W)2, welches sich in über-
schüffigem Cyankali zu Ferrocyankalium, Eisenoxyd-
salze Eisencyanid, I^flMs, das sich in Cyankali
zu Ferricyankalium auflöst (f. Vlutlaugensalz).
Technisches. Die mit Berücksichtigung des Kohlen-
stoffgehalts früher übliche Unterscheidung der tech-
nischen Eisensorten in Schmiedeeisen, Stahl
und Gußeisen ist nicht mehr zutreffend, feitdem man
weih, daß Eifenforten von ähnlicher chem. Zusam-
mensetzung in ihrem Verhalten sehr weit voneinan-
der abweichen können und daß außer dem Kohlen-
stoff auch der Gehalt an Silicium und Mangan
einen wesentlichen Einfluß auf die Eigenschaften
des E. ausübt. Man hat deshalb gegenwärtig
nachstehende Einteilung der verschiedenen Eisen-
gattungen getroffen:
Kohlenstoffhaltiges Eisen
Roheisen
Schmiedbares Eisen
Graues
Weißes Schwcißeisen Flnßeisen
Ferrosilicinm Ferromangan Renneisen Gußstahl
Schwarzeisen Spiegeleisen /Frischeisen Birnenflußeisen
Graueisen Weißstrahl 1 Frischstahl Flammofenflußstahl
Lichtgraueisen Weißkorn
mentstahl
llddeleisen
uddelstahl
s Puddeleisen
Roheisen, das Produkt des Hochofens, ist das
kohlenstoffreichste (2,3 bis 5 Proz.) nicht schmiedbare,
aber leicht (bei 1075 bis 1275°) schmelzbare E. Es
zerfällt in zwei Sorten, graues und weißes Roh-
eisen. Das erstere ist hauptsächlich durch graphiti-
schen Kohlenstoff (3,i bis 3,? Proz.) und Silicium,
das letztere durch fast durchweg gebundenen Kohlen-
stoff und Mangan gekennzeichnet. Wegen feiner
dünnflüssigen Beschaffenheit wird das graue Roh-
eisen vorzugsweise zu Gußwaren verarbeitet. Es
füllt die Formen mit großer Schärfe und Reinheit
aus, während das weiße Roheifen mit stumpfen
Ecken und konkaver Oberstäche erstarrt. Das graue
Roheisen (im umgeschmolzenen Zustande Gußeisen
genannt) ist hinlänglich weich genug, um gefeilt,
gehobelt und gedreht zu werden, weißes Roheisen
dagegen ist wegen seiner Härte sehr schwer zu bear-
beiten. Das geschmolzene graue Roheisen geht bei
raschem Abkühlen in weißes über, eine Eigenschaft,
die man zur Herstellung von Hartguß (s. d.) ver-
wertet, und umgekehrt entsteht aus bei starker Hitze
geschmolzenem weißem Roheisen bei langsamem Er-
kalten graues. Weihes Roheisen wird zur Herstellung
von Schmiedeeisen und Stahl verwendet. Nach dem
Gehalt an Silicium unterscheidet man beim grauen
Roheisen verschiedene Sorten: Lichtgrau, eisen
(mit 0,5 Proz. Silicium), Graueisen (mit bis
3Proz.Silicium), Schwarzeisen (mit bis 5Proz.
Silicium) und Ferrosilicium (mit mchr als
5 Proz. Silicium). Beim weißen Roheisen nimmt
man mit Rücksicht auf den Mangangehalt folgende
Sorten an: Weiß körn (mit bis 1,5 Proz. Man-
gan), Weißstrahl (mit bis 4,5 Proz. Mangan),
Spiegeleisen (mit bis 20 Proz. Mangan) und
Ferromangan (mit über 20 Proz. Mangan).
Ferrosilicium und Ferromangan dienen als Zu-
schlag beim Bessemerprozeß (s. Eisenerzeugung).
Eine Zwischenstufe zwischen weißem und grauem
Roheisen heißt halbiertes E. Graueisen, das
Hauptmaterial für Eisengießerei, kann auch für
Bessemerprozeß verwendet werden und heißt dann
Bessemerroheisen; Weißstrah! ist das Ma-
terial für den Puddelprozeß (f. Eisenerzeugung)
oder, wenn es 2-3 Proz. Phosphor enthält, für
den basischen Vessemerprozeß, daher auch Thomas-
roheisen genannt. Schmiedbares E. ist das
aus Erz oder aus Roheisen dargestellte kohlenstoff-
arme E. (0,04 bis 1,6 Proz.). Eisensorten mit 1,6 bis
2,3 Proz. Kohlenstoff finden in der Technik keine
Verwendung. Das aus dem flüssigen Zustande ge-
wonnene heißt Fluß eisen, das aus dem teigartigen
Zustande erhaltene dagegen Schweiß eisen. Ist
eine dieser Gattungen härtbar, so wird sie Stahl
genannt. Meist haben härtbare Sorten größern
Kohlenstofsgchalt, als nicht härtbare. Doch giebt es
auch Eisensorten mit geringem Kohlenstosfgehalt,die
ihre Härtbarkeit einem größeren Gehalt an Mangan,
Silicium, Wolfram oder Chrom verdanken, sodaß die
frühereUnterscheidungzwischenStahl und Schmiede-
eisen durch den Kohlenstoffgehalt allein unhaltbar ist.
Stahl schmilzt zwischen 1400 und 1600", Schmiede-
eisen bei 1600" und darüber. Nach den verschiede-
nen Prozessen, durch welche die schmiedbaren Eisen-
sorten erzeugt worden sind, unterscheidet man Renn-,
Frisch-, Puddeleisen u. s. w. Der Gußstahl, der
völlig homogene und festeste Stahl, wird durch Nm-
schmelzen verschiedener Stahlsorten, namentlich des
Cementstahls, in Tiegeln hergestellt. Das in Kon-
vertern gewonnene E. (Birnenflußeisen, Bes-