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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eisen (galvanisiertes) - Eisenach
Chinas besaßen eiserne Nassen und Geräte, wie die
ältesten chines. Geschichtsbücher berichten; auch die
alten Juden kannten das E., was aus mehrern
Bibelstellen (z. B. Hiob 28,2) hervorgeht. Die Ge-
sänge des Rigveda, die einer Zeit entstammen, als
die Arier noch im Fünfstromlande wohnten, berich-
ten, daß diese das E. zu Waffen benutzten (Indras
Donnerkeil und Speer). Von den alten Ariern ging
die Kenntnis des E. auf Babylonier, Assyrer, Me-
der und Perser über. Von diesen sind sowohl Funde
als Inschriften auf uns gekommen, nach denen das
E. auch zum Bau von Palästen und Reisewagen be-
nutzt wurde. Ind. Stahl wird von Quintus Curtius
erwähnt, indem er erzählt, daß der besiegte Porus
dem Alexander einen 15 kF schweren Barren ind.
Stahls zum Geschenk machte. Die asiat. Eisen-
tunst wurde hauptsächlich durch die Phönizier auf
die alten Kulturvölker Europas, zuerst auf die
Griechen, übertragen. DieIliade nennt von eisernen
Gegenständen namentlich die Keule des Are'ühoos,
den auf Menelaus abgesendeten Pfeil des Pan-
daros, die Achse des Prachtwagens der Hera sowie
den Diskos, Äxte und Messer. Nach allen diesen
Vorkommnissen des E. ist die ältere für alle Völter
geltende Bedeutung der Eisenzeit (s. d.) hinfällig ge-
worden. Die Art der Herstellung von E. beschreibt
Aristoteles so, daß man erst Roheisen aus den Erzen
erzeugte und dieses dann durch einen Frischprozeß,
wie noch heute, in Schmiedeeisen verwandelte.
Von den Römern sind keine Aufzeichnungen über
die Art der Gewinnung des E. vorhanden. Das
Roheisen wurde von Griechen und Römern nicht
zum Gießen verwendet, während die Chinesen
schon 700 Jahre v. Chr. die Eisengießerei betrie-
ben; denn Gutzlaff berichtet von einer 13 m hohen
gußeisernen Pagode aus jener Zeit. An den meisten
Orten wurde jedoch ursprünglich das Schmiede-
eisen direkt aus den Erzen erzeugt, welches Ver-
fahren (Nennarbeit) noch heute an einigen Orten
Europas sowie auch von Naturvölkern benutzt wird.
Agricola, der Vater der Metallurgie, gebraucht
den Ausdruck Gußeisen in seinen 12 Büchern ä"
l6 mewilica. nicht, erwähnt aber, daß zum Stahl-
frischprozeß leichtflüssiges E. verwendet wird. Durch
die Notwendigkeit, auch fchlechterc Erze zu ver-
arbeiten, baute man die Mauern der Frischherde
höher und gelangte zu den Schachtöfen, die neben
dem schmiedbaren E., das sich als "Wolf" im
Ofen festsetzte, noch flüssiges Roheisen lieferten, das
sich auf der Ofcnsohle sammelte. Aus diesen Afen
entwickelten sich die kontinuierlich auf Noheifen ar-
beitenden "Blauöfen", die ein weißes Roheisen
lieferten. Durch Erhöhung des Schachtes entstan-
den aus den Vlauöfen die heutigen Hochöfen, mit
denen man ein zum Guß verwendbares graues Roh-
eisen erhält. Die Ofen wurden ursprünglich mit
Holzkohle beschickt, was bald, namentlich in Eng-
land, dem Holzbestande der Wälder gefährlich wurde,
sodaß man aus der Steinkohle ein der Holzkohle
analoges Produkt, den Koks, herzustellen begann.
So entstand 1735, von Darby gebaut und betrie-
ben, der erste Kokshochofen in Coalbrooldale in
Ehropshire. Auf dem Festland brannten die ersten
Kokshochöfen 1796 zu Gleiwitz, 1826 zu Seraing.
1784 nahmen Cort und Parnell ein Patent auf das
Flammofenfrischen mit Steinkohlen. Dies wurde
1835 zuerst in Kärnthen auf Stahl benutzt. Durch
die Erfindung des Ilhrenfabrikanten Benjamin
tzuntsman, der 1750 durch Umschmelzen von Ce-
ment- und Herdstahl in Tiegeln dichten Gußstahl
erzeugte, wurde eine wichtige Neuerung in die Stahl-
fabrilation eingeführt. Diesen Gußstahl nachzu-
ahmen, fetzte 1810 Friedrich Krupp in Essen nach
und nach sein Vermögen daran, während es seinem
Sohne Alfred Krupp gelang, das Verfahren zur
Entwicklung zu bringen, sodaß er 1862 einen allge-
meine Bewunderung erweckenden Gußstahlblock von
21000 k^ auf die Londoner Ausstellung schicken
konnte, und 1887 wurde in Essen ein Geschützrohr
von 143 000 KZ gegossen. Die Erfindung des be-
deutend billigern Fluhstahls geschah 1856 von
Bessemer, und 1865 stellte man auf dem franz.
Werke von Martin in Sireuil Flußstahl durch Zu-
sammenschmelzen von Schmiedeeisen und Roheisen
dar. Sowohl dieser Prozeß als auch die Tiegelguß-
stahlfabrikation war nur mit Anwendung der die
höchsten Temperaturen erzeugenden Siemensschen
Gasfeuerungsöfen möglich. 1879 glückte dem Eng-
länder Thomas die Entphosphorung des Fluhstahls
in der Bessemerbirne, wodurch es möglich wurde,
auch phospborhaltigc Erze zu Flußstahl zu verarbei-
ten. Das Flußeiscn hat in letzterer Zeit eine immer
steigende Anwendung zu baulichen Zwecken (Schiff-
bau, Brückenbau) gefunden und fcheint dem Schweiß-
eisen den Rang streitig zu machen. (Näheres über
die heutigen Eisengewinnungsprozesse sowie Pro-
duktionsstatistik s. Eisenerzeugung.) - Vgl. Beck,
Die Geschichte des E. in technischer und kultur-
geschichtlicher Beziehung (Abteil. 1, Braunschw.
1884; Abteil. 2, ebd. 1892fg.); Mehrtens, Das E.
im Altertum (in "Stahl und Eisen", 1887). Vgl.
auch die Litteratur zu Eisenerzeugung.
Eisen, galvanisiertes, s. Verzinken.
Eisen, gepulvertes, s. Eisenpulver.
Eisen, reduciertes, I^rrum rsäuctum des
Arzneibuchs für das Deutsche Reich, ist ein graues
glanzloses Pulver, das vom Magnet angezogen
wird und beim Erhitzen unter Verglimmen in Eisen-
oryduloryd übergeht. Es muß mindestens 90 Proz.
metallisches E. enthalten. Dargestellt wird es, in-
dem man in geschlossenen Röhren reines Eisen-
oxyd bis zur schwachen Glühhitze erwärmt und dann
trocknes, völlig schwefel- und arsenfreies Wasser-
stoffgas durch die Röhre leitet, bis kein Wasser mehr
entweicht. Das reducierte E. muß bis zum Er-
kalten in der Wasserstoffatmosphäre verbleiben, da
es in warmem Zustande sich entzündet, sowie es
mit der Luft in Berührung kommt. Die Darstel-
lung tadelloser Präparate rst schwierig und erfor-
dert viele nbung. Es wird daher auch in der Regel
fabrikmäßig dargestellt und häusig auch nach beson-
dern Vorschriften. (S. auch Eisenpulver.)
Eisen, in der Jägersprache eiserne Fallen (s.d.),
wie das Berliner Eisen (s. d.), Tellereisen (s. d.).
Eisen, Charles, franz. Zeichner und Kupfer-
stecher, geb. 1720 zu Brüssel, lebte in Paris bis
1777 und starb 4. Jan. 1778 in Brüssel. Er war
der hervorragendste und fruchtbarste unter den
Illustrations- und Vignettenzeichnern des Rokoko-
zeitalters; so zeichnete er Amorettenbildchen u.a. für
Thomsons "Jahreszeiten" (1759), Gre'courts "Ge-
dichte" (1761), Rousseaus "Hmiis", Lafontaines "Er-
zählungen", Ovids "Metamorphosen" (1762), auch
radierte er 13 galante Blätter. - Vgl. E. und I. de
Goncourt, I/art du 18° siscis, Bd/s (Par. 1882).
Eisenach. 1) Verwaltungsbezirk im Grohher-
zogtum Sachsen-Weimar, hat 557,14 ykm, (1890)
53314 (25655 männl., 27659 weibl.) E., darunter