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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eisenkiesel - Eisenkonstruktionen
streift, und Pentagondodekaeder auf. Zwillinge, bei
denen zwei Pentagondodekaeder einander so durch-
wachsen, daß die Kanten, die durch den Würfel ab-
gestumpft würden, rechtwinklig gekreuzt erscheinen,
heißen wegen ihrer Form Zwillinge des Eiser-
nen Kreuzes (z. B. von Vlotho bei Minden).
Die Krystalle sind oft eingewachsen (z. B. in Thon-
Fig. 1.
Sig. 2.
schiefern), auch zu Drusen und mancherlei Gruppen
vereinigt, daneben finden sich häufig kugelige, trau-
bige, nierenförmige Gestalten. Die Farbe ist speis-
gelb, bisweilen ins Goldgelbe geneigt, frisch mit
ausgezeichnetem Metallglanz, der Strich bräun-
lichschwarz, die Härte 6-6,5, das spec. Gewicht
schwankt um 5. Der E. ist nicht magnetisch. Die
Analyse ergiebt 46,6? Proz. Eisen und 53,33 Schwe-
fel, demgemäß die Formel 1^6 Z^ dieses Eisen-
bisulfid ist indessen dimorph, indem es außer dem
E. auch noch rhombisch als Markasit (s. d.) auftritt.
Zuweilen hält der E. kleine Mengen von Gold (z. B.
Veresowsk im Ural) oder Silber, nicht selten auch
etwas Kupfer Wo Tinto in Spanien) oder Spuren
von Thallium. Von Salzsäure wird er fast gar
nicht angegriffen, von Salpetersäure unter Abschei-
dung von Schwefel gelöst. Im Kolben giebt er
Schwefel ab. Große Haufen, einmal angezündet,
brennen fort. Fundpunkte der schönsten Krystalle
sind u. a.: Elba, Traversella und Vrosso in Pie-
mont, Waldenstein in Kärnten, Freiberg und Pot-
schappel in Sachsen, Großalmerode in Hessen, Dil-
lenburg in Nassau, St. Gotthard und das Binnen-
thal in Wallis. Sehr oft erscheinen organische For-
men, z. V. gekammerte Schalen von Ammoniten
und andern Kephalopoden in E. vererzt. Der E. ist
insbesondere zu einer Umwandlung in Eisenoxyd-
hydrat geneigt, das von außen nach innen sebr
regelmäßig in die Krystalle eindringt. Wo der E.
in moderhaltigen Thonen als Nester, Schnüre und
Körnchen in Braunkohlen und Steinkohlen vor-
kommt, da ist es nicht zweifelhaft, daß er vermittelst
einer durch die kohlenstoffhaltige Substanz bedingten
Reduktion aus durchsickernden Eisenvitriollösungen
entstanden ist. Der E. kann für sich nicht zur Dar-
stellung des metallischen Eisens, jedoch zur Gewin-
nung von Schwefelsäure, EisenvitriolMaun, Schwe-
fel benutzt werden, wobei die Rückstände als gelbe
und rote Farben Verwendung finden; bei manchen
Hüttenprozessen bildet er einen wichtigen Zuschlag;
aus den goldhaltigen wird dieses Edelmetall extra-
hiert, aus dcn kupferhaltigen das Kupfer.
Gifenkiesel, eine durch mechan. Beimengung
von Eisenoxyd blutrot, durch eine solche von Eisen-
ocker gelb oder braun gefärbte Abart des Quar-
zes, entweder krystallisiert als hexagonale Pyra-
mide (oft in Kombination mit dem Prisma) oder in
krystallinisch-körnigen Aggregaten. Schöne gelbe
Krystalle finden sich in dem kalkigen Salband eines
Ei^nM^hKnges zu Sundwig in Westfalen, intensiv
rote, die zu Rosenkränzen aneinandergereiht werden,
in den tertiären Gipsen von Santiago de Compostela
im span. Galicien (die sog. Hyacinthen von Com-
postela). Die körnigen Aggregate auf den Eisen-
steinlagerstätten von Eibenstock undJohanngeorgen-
stadt bilden den Übergang zum Jaspis.
Eisenkitt oder Rostkitt, zum Befestigen von
Eisen in Stein oder zum Ausfüllen von Fehlstellen
in Gußstücken dienendes Gemenge von 60 Teilen
Eisenfeilspänen, 2 Teilen Salmiak und 1 Teil Schwe-
fel, das nach dem Anrühren mit Wasser nach und
nack m einer sehr harten Masse erstarrt.
Gisenkohlenoxyd, Eisencarbonyl, Ferro-
carbonyl, ^6(00),, dickliche hellgelbe Flüssigkeit
(spec. Gewicht 1,4664 bei 18°), welche bei 103" un-
zersetzt siedet, bei -21° in gelblichen Nadeln krystalli-
siert; löslich in Alkohol, Äther, Benzol, Mineral-
ölen ; zersetzt sich bei Luftzutritt allmählich unter Ab-
scheidung von Eisenoxydhydrat; zerfällt bei 180° in
Eisen und Kohlenoxyd. Zur Darstellung läßt man
in einer Glasröhre Kohlenoxyd durch äußerst fein
verteiltes Eisen absorbieren und destilliert alsdann.
In einem verschlossenen Gefäße dem Licht ausgesetzt,
scheidet das Eisencarbonyl goldgelbe, metallglän-
zende Krystalle: Diferrohcptacarbonyl, ^(ÖO)?,
ab. Vielleicht beruht der Vorgang der Cementstahl-
bildung auf der vorübergehenden Bildung des E.
Eifenkonstruktionen, alle diejenigen Kon-
struktionen des Hoch- und Brückenbaues, bei wel-
chen das Eisen als Hauptmaterial auftritt, wäh-
rend es bei den Stein- und Holzkonstruktionen
nur als Hilfs- oder Nebenmaterial zur Anwendung
kommt. Der Hauptvorzug des Eisens bei zuneh-
mender Billigkeit gegenüber den andern Materialien,
besonders dem Holz, besteht darin, daß es bei ge-
ringen Querschnittsverhältnissen eine viel bedeuten-
dere Zug- und Druckfestigkeit besitzt und daß es
durch Gießen, Walzen oder Schmieden in beliebige
Formen gebracht werden kann, daher in seinen Ab-
messungen weniger beschränkt ist. Dagegen ist es
bisher noch nicht in allseitig befriedigender Weise
gelungen, den E. künstlerische Gestaltung zu geben.
Während die Zugfestigkeit des Schmiedeeisens etwa
der zehnfachen des Holzes und die Druckfestigkeit
des Gußeisens der hundertfachen des Steins gleich-
kommt, übersteigen die Gewichtsverhältnisse des
Eisens die des Holzes nur um das Achtfache, die
des Steins etwa um das Vierfache. Dazu kommt,
daß das Eifen zwar keine völlige Sicherheit bei
Feuersgefahr bietet, aber doch selbst nicht brennt,
und daß es länger den Witterungseinflüssen wider-
steht als Holz. Die Verwendung des Eisens ist
eine außerordentlich vielseitige und erstreckt sich beim
Hochbau auf folgende Gegenstände:
1) Säulen aus S<oweißeisen: 3.. Säulen
aus geschweißten Rohren, welche sehr leicht mit
architektonischen Verzierungen versehen, auch bei
geringer Preiserhöhung init Schwellung oder En-
thasis hergestellt werden können, d. Gäulen aus
vier Quadranteisen, und c. Säulen aus vier Qua-
dratcisen. Sie können zur Verstärkung vier Flach-
eisen erhalten, welche mit den Flanschen der Qua-
drant- oder Quadrateisen vernietet werden, ä. Säu-
len aus zwei oder drei H-Eisen und zwei Flacheisen,
welche überall da zur Anwendung kommen, wo Säu-
len aus Schweißeisen von größerer Tragfähigkeit
und geringer Breite in einer Richtung erforderlich
sind. Vorteilhaft werden sie bei Fabrikanlagen ver-
wendet, weil an denselben sich Transmissionen,
Laufkranträger, Arbeitsmaschinen leicht anschließen